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Interview mit John Lasseter (zu Cars)

John Lasseter: Ein Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und ein Schauspieler.

Pixar / Walt Disney / Buena Vista International führte zum Kinostart von „CARS“ ein Interview mit John Lasseter (führte bei „Cars“ die Regie und schrieb das Drehbuch). John Lasseter wurde am 12. Januar 1957 in Hollywood, Kalifornien geboren. In seiner großartigen Kariere schrieb, produzierte und drehte
John Lasseter folgende Filme: Die Unglaublichen, Findet Nemo, Die Monster AG, Toy Story, uvm.

INFO: 2008 kommt von John Lasseter, der dritte Teil der TOY STORY Reihe.

Pixar / Walt Disney Pictures / Buena Vista International stellte uns dieses Interview zum Kinostart von "CARS" zur Verfügung. Der Film läuft ab den 07.09.2006 in den deutschen Kinos!

1. Die Geschichte des Films steht mit Ihrer eigenen Lebensgeschichte in enger
Verbindung. Wie sind Sie auf die Idee für den Film gekommen?
LASSETER: Die Geschichte von Cars ist für mich eine sehr persönliche, zum einen, weil ich in Los Angeles, einer Stadt, die im Zeichen des Autos steht, aufgewachsen bin, zum anderen, weil ich in einer Familie groß geworden bin, in der meine Mutter Kunstlehrerin war und ich Zeichentrickfilme liebte und unentwegt mit Zeichnen beschäftigt war. Mein Vater arbeitete für einen Chevrolet Händler als Ersatzteil-Manager und dort habe ich an Wochenenden und in den Sommerferien gearbeitet. Das war zur Blütezeit der großen Ami-Schlitten – eine großartige Zeit. Ich liebte sie und darum auch die Autos, denn ich war einfach immer von Autos umgeben. Als Kind zeichnete ich unentwegt Autos. Das heißt in diesem Film bringe ich zwei wichtige Aspekte meines Lebens zusammen - meine Mutter und meinen Vater und meine beiden großen Leidenschaften. Außerdem ist die Filmstory für mich eine sehr private Geschichte, weil sie von etwas handelt, das ich selbst gelernt habe. Als wir bei Pixar unsere ersten drei Filme produziert haben, Toy Story, Das große Krabbeln (A Bug's Life), Toy Story 2, habe ich von 1990 bis 1999 ohne Pause gearbeitet. Ich hatte damals vier, später fünf, Kinder. Nach diesen drei Filmen sagte meine Frau zu mir: „wenn du nicht aufpasst, wirst du eines Tages aufwachen und feststellen, dass alle deine Kinder das College abgeschlossen haben und du nichts davon mitbekommen hast", weil ich wie ein Verrückter arbeitete. Sie hatte Recht. Nach Toy Story 2 nahm ich mir den Sommer über frei. Das war der Sommer 2000. Wir kauften uns ein gebrauchtes Wohnmobil und beschlossen, den gesamten Sommer ohne bestimmtes Ziel durch die Vereinigten Staaten zu reisen. Zu Beginn der Reise tauchten wir unsere Füße in den Pazifik und machten uns dann auf in Richtung Osten, mit dem Ziel, irgendwann und irgendwo unsere Füße in den Atlantik zu tauchen und dann zurück zu kommen. Ich wusste zwar schon, dass mein nächster Film ein Film sein sollte, in dem Autos Personen darstellen sollten, aber ich wusste noch keine Geschichte. Als wir nach diesem Sommer zurückkehrten, wusste ich plötzlich von was der neue Film handeln sollte. Von dem, was ich gelernt hatte: von der Reise, auf die man sich im Leben begibt. Man kann all diese verschiedenen Ziele im Leben haben, all diese Wettbewerbe gewinnen, all diese Dinge, die man sich im Leben vornimmt erreichen, aber es ist sehr viel besser, wenn man es gemeinsam mit denen tut, die man liebt, mit seiner Familie und seinen Freunden, mit Menschen, die einem wichtig sind. Mit Menschen, die dir auf deinem Weg helfen können, die mit dir feiern können. Das alles trägt dazu bei, dass man diese Reise genießt. Darum geht es im Leben – das Leben ist einfach eine Reise!

2. Heißt das, der Film ist eher ein Film über diese Reise, als ein Film über Autos?
LASSETER: Ja! Ja, genau darum geht es in diesem Film. Zwar ist der Film gefüllt mit großartigen Autoszenen, tollen Wagen und all dem, was dazu gehört, aber wer den Film sieht, wird feststellen, dass es eine sehr bewegende Geschichte ist. Ein weiterer Punkt, warum es eine sehr persönliche Geschichte ist, ist der, dass meine Frau kein besonderer Autofan ist. Ich war von dem Thema so fasziniert, weil ich ein richtiger Autofreak bin, ich liebe alles, was mit Autos zu tun hat und ich wollte einfach alles über Autos in diesen Film hineinpacken, aber meine Frau hat mich gewarnt. Sie sagte: „Du solltest versuchen einen Film für jedermann zu machen, nicht nur für Leute, die so wie du absolut verrückt nach Autos sind. Für Menschen, die sich nicht für Rennen interessieren, weißt du, für Leute, die in Autos etwas sehen mit dem man von A nach B kommt, ohne auf der Strecke liegen zu bleiben." Ich glaubte ihr natürlich nicht, dass es solche Menschen gebe. "99 Prozent der Leute denken so, John.", erinnerte sie mich von Zeit zu Zeit. Deshalb haben wir während der Filmproduktion den so genannten 'Nancy-Faktor' erfunden. Wir behielten Nancys Worte im Hinterkopf, um sicher zu gehen, dass der Film auch etwas für Leute werden würde, die nicht in Autos vernarrt sind. Für absolute Autofans waren wir so detailgetreu wie irgendwie möglich und haben alles akribisch recherchiert. Es ist heute nämlich weit verbreitet, dass sich in Live-Action-Filmen, bei denen Autos und Autorennen zu sehen sind, die Filmemacher solche Freiheiten herausnehmen, dass man ihnen das Gezeigte einfach nicht mehr abnimmt und die Filme an Glaubwürdigkeit einbüssen. Ich wollte nicht, dass so etwas mit Cars passiert. Ich wollte, dass die Details stimmen und deshalb habe ich mir alles ganz gründlich angesehen. Wir haben Experten zu Rat gezogen. Die Autos im Film stellen Charaktere dar, also sprechen sie, sie bewegen sich – die Details, die Farben, die Geräusche der Wagen, all das sind ganz große Besonderheiten.

3. Wie sind Sie auf die Route 66 gekommen? Waren Sie dort viel unterwegs und wie haben Sie recherchiert?
LASSETER: Recherche ist für mich etwas ganz, ganz wichtiges und ich bin von fundierter Recherche überzeugt. Wir waren von der Geschichte der Route 66 sehr bewegt. Es geht dabei um unser Interstate Highway System (verglb. mit europ. Autobahnen), und um die Geschichte, die sich dahinter verbirgt. Das Interessante an den alten Highways, die jahrelang im Dienst des Landes standen ist, dass sie durchs Hinterland, in jede Stadt führten und das sie zugleich Hauptstrasse all dieser Orte waren. So wusste man früher, wenn man gereist ist, immer genau wo man war, in welcher Stadt, etc... Auf der Strecke hatten sich die Menschen viele nette Tricks einfallen lassen, um den Reisenden zum Anhalten zu verführen. Es gab keine Kettenrestaurants, man konnte überall die regionalen Spezialitäten genießen. Jeder Ort war einzigartig und bot etwas ganz Besonderes. Das Interstate Highway System wurde gebaut, damit Menschen so schnell wie möglich von A nach B kommen. Dafür hat man Berge aus dem Weg geräumt, Täler aufgefüllt und alles schön und groß und flach gemacht und jede Stadt wurde umfahren. Das heißt, wenn man sich heute auf den Highway begibt, kommt man zwar wirklich schnell von A nach B, aber offen gestanden gleicht ein Ort dem andern. Alles wurde schrecklich gewöhnlich, Großketten hielten Einzug und so kann man jetzt überall anhalten, in genau dasselbe Restaurant gehen und Land auf, Land ab genau den gleichen Hamburger essen, weil es bequem ist und die Ketten direkt neben dem Highway liegen. Was aber keiner bemerkt hat ist, dass man durch das Umgehen der kleinen Orte, um ein paar Minuten einzusparen, den Städten ihren Lebenssaft entzogen hat. Die Lebensader dieser Städte war der Durchgangsverkehr, für den lebten diese Menschen. Sie erzählten uns, dass sie jeden Morgen aufwachten und nicht wussten, wen sie treffen würden, aber sicher sein konnten, dass es ein besonderer Tag werden würde. Sie mussten nicht verreisen, die Welt kam zu ihnen, aber all das wurde ihnen im Namen des Fortschritts weggenommen. Indem man diese Autobahnen baute, hat man ihnen signalisiert, dass es wichtiger ist, dass Menschen ein bisschen schneller von A nach B kommen, als dass sie ihr Leben, ihr Auskommen und ihre Stadt haben. Während unserer Reise fanden wir diese Geschichte sehr bewegend. Wir haben mit den Leuten gesprochen und sie haben uns erzählt, dass sie immer noch kämpfen, um ihren Lebensunterhalt irgendwie zu verdienen und dass viele Leute aufgegeben haben, ihre Häuser verlassen haben und in eine dieser modernen Geisterstädte gezogen sind. Sie sprachen vom 'Tod durch den Interstate Highway', ein Syndrom, das all diese Orte vereinsamen lässt.

4. Wie haben Sie die Autos in Figuren verwandelt?
LASSETER: Wenn man sich ein Auto ansieht, kann jeder das natürliche Gesicht eines Autos erkennen - die Augen befinden sich z.B. in den Scheinwerfern. Deshalb denkt jeder, dass wenn man aus Autos Lebewesen machen möchte, das der natürliche Ort für die Augen sein müsste. Mir macht es Spaß, unbelebten Objekten Leben einzuhauchen. Zuerst versucht man herauszufinden, wo das Gesicht sein könnte, wo der Kopf ist, weil das der Teil ist, der sich im Verhältnis zum restlichen Körper bewegt und der einem das Gefühl gibt, dass dieses Ding denkt. Typischerweise denkt man, dass die Figur immer erst auf etwas schaut, bevor sie sich bewegt. Es richtet seinen Blick immer erst auf etwas, bevor es in Aktion tritt. Das ist ein kleiner Trick, den wir beim Zeichentrick anwenden, um es so aussehen zu lassen, als ob die Bewegung des Wesens durch sei Nachdenken hervorgerufen wird. Wenn man die Scheinwerfer als Augen nimmt, stellt die Vorderseite des Autos das Gesicht dar und der Körper befindet sich dahinter, eher wie bei einer Schlange und es ist sehr schwierig ein Körpergefühl zu schaffen, weil sich der Körper eben hinter dem Kopf befindet. Wenn man die Augen aber in die Windschutzscheibe setzt wird plötzlich das ganze Auto zum Kopf des Wesens und es bewegt sich auf seinen vier Rädern, wie ein Vierbeiner und so wird die Kühlerhaube zur Nase und die Stossstange und das Gitter über der Stossstange zum Mund. Wenn man es so macht, wird das Auto einfach ein bisschen lebendiger. Der Zeichner hat so mehr Möglichkeiten die Räder als Beine oder als Füße zu benutzen, eben ganz so wie bei einem Vierbeiner! Was uns wirklich wichtig war, als wir aus den Autos belebte Figuren gemacht haben, war es trotzdem die Eigenschaften eines Autos zu erhalten. Während des gesamten Filmes, wird man sich die Autos anschauen und sagen: "ja, es ist ein Auto". Weil wir wussten, dass wir mit unseren Möglichkeiten in der Computeranimation bzw. der Computergraphik den Chromstahl richtig reflektieren lassen können, dass wir Metallteile richtig gut aussehen lassen können. Wir können Gummi wie echtes Gummi wirken lassen. Und die Windschutzscheibe können wir so aussehen lassen, wie wirkliches Glas. Aber wenn man den Zuschauern etwas zeigt, was sich bewegt und der Sache das Aussehen von Stahl gibt, es sich aber bewegen lässt wie Gummi, dann sagen die Leute, “halt mal”, d.h. die ganze Sache ist dann nicht richtig perfekt und verliert an Glaubwürdigkeit. Deshalb haben wir den Trickfilmzeichner während der gesamten Produktion immer wieder gesagt: “biegt das Metall nicht, haltet es so steif wie möglich und wenn ihr es biegt, biegt es nur ganz wenig, gerade so viel, um es in die gewünschte Position zu bringen. Lasst es nicht so aussehen, wie Gummi. Formt und walkt die Räder und lasst sie wirklich wie Gummi aussehen, das ist man so gewöhnt.“ Wenn der Reifen über einen Bordstein fährt, sieht man kurz wie er sich der Form der Bordsteinkante anpasst und weil man das so gewöhnt ist, hält man es dann für real. Außerdem haben wir ein System entwickelt, dass sich der Fahrzeugkörper, wenn das Auto über eine holprige Strasse fährt mit den Stößen mitbewegt, wie bei einem richtigen Auto. Durch diese Stöße bewegen sich die Räder richtig. Und alle diese Dinge tragen dazu bei, dass man sich denkt, es ist zwar ein Auto, aber es ist doch lebendig. Wir haben die Autos nicht ihre Räder hochheben lassen, um sie als Hände darzustellen. Sie bewegen sich, legen sich ein wenig zur Seite und sprechen etwas. All das soll dazu dienen, dass man glaubt, dass es sich zwar um Autos handelt, aber gleichzeitig auch glaubt, sie seien lebendig.

5. Und sind die Personen, die Sie für die Synchronisation gewählt haben für den Film entscheidend?
LASSETER: Auf jeden Fall, als wir die Stimmen für die Autos gesucht haben, haben wir es so wie immer gemacht. Zuerst haben wir herausragende Schauspieler ausgewählt, dann haben wir geschaut, dass die Qualität ihrer Stimme und ihre Persönlichkeit zu dem Charakter der Figur passen. Und schließlich muss noch gesagt werden, dass es uns eigentlich egal ist wie bekannt ein Schauspieler ist, aber wenn man an so jemanden wie Paul Newman herankommt, ist das natürlich nicht schlecht und man sagt nicht ‚nein’ - vor allem, weil er selbst ein begeisterter Autofan ist und weil er Rennen liebt. Wir arbeiten einfach gerne mit Schauspielern zusammen, die ihr Handwerk verstehen und die sich eine Rolle wirklich zu eigen machen können, wie z.B. Owen Wilson, wenn er Lightning McQueen, die Hauptfigur spricht. Er ist unglaublich. Er fügt einfach Dinge hinzu. Eine kleine Anekdote zu Owen Wilson in der Rolle von Lightning McQueen: Wir waren auf die Idee gekommen, dass er diesen Blitz-Sticker tragen sollte, mit dem er Licht auf Dinge reflektieren konnte und dieser Sticker wurde zu seinem Glückssticker. Und dann bin ich zu ihm gegangen und habe gesagt, wenn Jungens ein gewisses Alter erreicht haben, sind sie irgendwann mit ihrem eigenen Satz an Tönen und Lauten ausgestattet, jedes Kind macht die Geräusche eines Maschinengewehrs oder die einer Bombe auf seine eigene Art und Weise nach. Und jeder macht auch auf seine eigene Art und Weise die Geräusche von Blitz und Donner nach. So kam es, dass wir bei Aufnahmen waren und ich zu ihm sagte, er solle mal die Geräusch von Blitz und Donner imitieren und dann hat er losgelegt die lustigsten Geräusche von sich zu geben. “Kachow! Kaching! Kachoooow!” und so weiter, es war wirklich lustig. ‘Kachow!’ – das hatte ich wirklich nicht erwartet. Von diesem Moment an haben wir dieses ‘Kachow!’ immer und immer wieder nachgemacht, es wurde zu seinem Geräusch, kreiert von Owen Wilson. Dann hat aber Chick Hicks die Idee gestohlen. Michael Keaton hat Chick Hicks fantastisch synchronisiert und er übernimmt Owens Idee und macht plötzlich ‚Kaacheeka’, dann haben wir ihm gesagt, dass er es so lang ziehen soll wie möglich, dann hat er ‚Kaachee- ka’ gemacht und es war so lustig, weil es nun wirklich richtig lahm klang. Mit den Schauspielern die Dinge so richtig durchzuarbeiten, zu improvisieren, das ist das, was mir an der Arbeit so gut gefällt. Weil wir jede Sequenz, jeden Pixel einer Sequenz genau durchackern, kann man im Zeichentrickfilm eigentlich nicht viel Spontanes sehen, aber bei einer Aufnahmesession gibt es das eben schon und deshalb macht mir das so viel Spaß; ich lasse mich gerne von den Schauspielern überraschen. Das ist auch der Grund, warum wir gerne Schauspieler wie Bonnie Hunt, die die Stimme von Sally spricht engagieren. Sie ist beim Improvisieren die beste Schauspielerin, es ist unglaublich, was für Ideen sie die ganze Zeit hat, sie ist sehr lustig, erfrischend und einfach anders!

6. Sie haben ziemliche Kultautos gewählt – einen Porsche, einen 1960 VW-Bus, einen Hudson Hornet aus den 50igern - warum?
LASSETER: Also, ich habe mich für diese Wagen entschieden, weil ich nun mal ein Autonarr bin und ich richtige Urtypen von Autos zeigen wollte. Ich wollte einfach nicht die Welt der ganz null-acht-fünfzehn Wagen zeigen. Ich wollte Wagen, bei deren Anblick Autofans wirklich ins Schwärmen kommen und sagen: “Oh mein Gott, der sieht ja tatsächlich aus wie ein Doc Hudson – das ist ein 51 Hudson Hornet.“ Die meisten Leuten können damit nichts anfangen, aber diejenigen die sich auskennen, werden entzückt rufen: “Das ist ein 51iger” und die Details stimmen alle. Sogar die Farbe ist die Originalfarbe, mit der sie die Hornets 1951 lackiert haben. Wir sind raus gegangen und haben richtige Hudsons gesucht, um das Doc-Geräusch aufzunehmen. Wir haben unseren Sounddesignern eine Liste der Modelle gegeben und sie haben Monate damit verbracht, Sammler ausfindig zu machen, an die Autos heranzukommen und die Geräusche an einem ruhigen Ort aufzunehmen. Also, wenn Sie auf die Geräusche achten, werden Sie hören, dass Lizzie the Malteses ein wirklicher Maltese ist und der Doc Hudson, das hört man, ist eine echte Aufnahme! Bis zu diesem Grad sind wir ins Detail gegangen!

7. In der Vergangenheit sind Pixar viele entscheidende Vorstöße bei der Anwendung von Computergraphiken im Bereich der Filmproduktion gelungen. Gibt es bei Cars auch eine neue Technik zu sehen?
LASSETER: Der größte Fortschritt, den wir in technischer Hinsicht zu verbuchen haben, ist die hohe Detailgenauigkeit. Eines der Dinge, die mir aufgefallen sind, als wir auf der Route 66 reisten, war, dass wenn man an einen Ort gekommen ist, der durch den neuen Interstate Highway umgangen wurde und an dem schon lange niemand mehr vorbeigekommen ist, dass der Anblick des Ortes mehr gesagt hat als tausend Worte. Die Farben waren verblasst und blätterten ab. Im Gemäuer waren Risse, durch die Gras zu sprießen anfing. Die Schilder auf den Backsteinfassaden konnte man kaum noch lesen und die Neonlichter waren verrostet. Man betrachtete die Stadt und wusste, dass sie eine Geschichte hatte. Man sah, dass das einmal eine lebendige Stadt gewesen war und das war es, was ich in dem Film zeigen wollte. Außerdem ist mir aufgefallen, dass das etwas ist, was für de Computer schwierig überzeugend umzusetzen ist und diesen Eindruck authentisch abzubilden, daran haben Pixars talentierteste Künstler sehr lange gearbeitet. Unsere gesamte Welt ist zwar eine gezeichnete Welt, aber wir wollten den Film lebendig machen. Der Computer zeichnet gerne perfekte Geraden, wenn man sich aber alte Gebäude ansieht, ist eigentlich nichts gerade und das haben wir auch berücksichtigt und haben alles etwas eingefallen und durchhängend dargestellt. All das hat die Angelegenheit sehr komplex gemacht. Die Stadt, Radiator Springs, ist so detailgetreu geworden, dass man annehmen könnte, wir hätten vor Ort gefilmt. Es ist alles in unseren Computern, das ist erstaunlich. Es war so spannend, weil wir eigentlich das, was wir in der Fachsprache ‘Locationscouting’ (ausfindig machen eines geeigneten Drehortes) nennen, betrieben haben. Wir sind irgendwo hin gefahren und Jeremy, der Chef unserer Photographieabteilung, hat alles aus jedem Winkel photographiert, um zu sehen, was er daraus machen kann. Als wir die Bilder dann umsetzen wollten, haben wir bemerkt: “Oje, da sind ja Berge im Hintergrund!” Die Berge hatte man zwar dort hineingesetzt, aber aus dem Winkel hatten wir sie noch nie gesehen. Es sah ziemlich gut aus und man hatte wirklich das Gefühl man befinde sich in diesem kleinen Tal und drehe den Film dort. Das alles haben sich unsere Künstler ausgedacht und umgesetzt. Was uns außerdem, bei all unserer Recherchearbeit aufgefallen ist, war dass Autos beim Anfahren auf diesen Strassen Staub aufwirbeln. Ich sagte, dass es zwar schwer werden würde das umzusetzen, aber dass es eines der wichtigsten Details sei, die wir glaubhaft rüberbringen müssten. All das hat dann dazu beigetragen, dass man sagt: “ja, das ist ein Auto, das eine Person darstellt. Schau dir diesen Chrom und dieses Metall an, wie es die Strasse runterfährt, was für ein Staub daran klebt, schau dir die Spuren, die es hinterlässt an – das ist ja alles echt!” Natürlich ist es nicht echt. Autos sprechen nicht, aber das ist der Zustand in den ich meine Zuschauer gerne versetze. Ich liebe es, wenn ich sie so weit habe, dass sie sagen: „He Jungens, ich weiß zwar, dass das nicht echt ist, aber es sieht verdammt danach aus!”

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