


> ORIGINALTITEL: 28 Years Later: The Bone Temple
> INHALT: Nachdem Spike seine Heimatinsel hinter sich gelassen hat, sieht er sich dazu gezwungen, sich dem gewalttätigen Kult rund um Sir Jimmy Crystal anzuschließen. Dieser befindet sich auf Kollisionskurs mit Dr. Ian Kelson und seinem Alpha-Virus-Träger Samson.
> BEWERTUNG: 4 von 5 Knochen.
> UNSERE REZENSION: Nach dem durchaus mutigen und unerwarteten Ende von „28 Years Later“ durfte man allemal gespannt sein, wie eine der beliebtesten Zombiefilm-Reihen aller Zeiten weitergehen würde. Der Junge Spike (Alfie Williams) wird von einer mysteriösen und eher strangen Gruppe um den postapokalyptischen Propheten Jimmy Chrystal (Jack O‘ Connel) vor Infizierten mit dem Rage-Virus gerettet. Aber wer ist Jimmy? Und warum haben die alle so bunte Trainingsanzüge an? Zirkusmusik? Sind das Clowns? Clowns, die zu viel chinesisches Kung-Fu-Kino geguckt haben? „The Bone Temple“ liefert Antworten und schließt damit nahtlos an das Ende seines Vorgängers an. Sir Jimmy Chrystal und seine sogenannten 7 Finger, die eine satanische Analogie zu Jesus’ Jüngern bilden und ebenfalls alle Jimmy genannt werden, unterziehen Spike einer Aufnahmeprüfung, um festzustellen, ob er ebenfalls das Zeug hat, ein Jimmy zu werden. Die Optionen? Mitspielen oder sterben. Was man als aufmerksamer Zuschauende vielleicht im ersten Film schon bemerkt hat, scheinen die Jimmys eine eher sadistische Mission zu verfolgen: Satans Judgement Day ist gekommen, und den überlebenden Menschen auf dem britischen Festland soll in seinem Auftrag so viel Schmerz und Leid wie möglich zugefügt werden. Wer also auf Torture-Horror steht, kann „The Bone Temple“ sicher einiges abgewinnen. Gerade in der ersten Hälfte des Films kommt die visuelle Gewalt nicht zu kurz, nimmt aber keineswegs einen zu großen Teil des Geschehens ein. Der Film konzentriert sich, wie seine Vorgänger auch schon, auf sehr menschliche Probleme und Ängste in einer postapokalyptischen, verlorenen Welt ohne eine Hoffnung auf Rettung. In diesem Sinne wird auch die Geschichte von Dr. Ian Kelson (Ralph Fiennes) weitererzählt, den wir ebenfalls schon aus dem Vorgängerfilm kennen. Durch eine Verkettung von Ereignissen erkennt er Menschlichkeit im Alpha Samson (Chi Lewis Parry) und damit eine Hoffnung auf Heilung.
Wer hier ein erzählerisch vollkommen abgerundetes Meisterwerk erwartet, ist leider an der falschen Adresse. Der Film hat, wie auch schon „28 Years Later“, ein paar Lücken im Plot und erfüllt vielleicht nicht alle Erwartungen, die über die Geschichte hinweg aufgebaut werden. Auch hier liegen die Stärken eher in der Inszenierung, aber dazu später mehr. Was Alex Garland (der auch hier als Autor zurückkehrt) allerdings wirklich wunderbar macht, ist, neuen Kick ins Genre und die Blockbuster-Kinolandschaft an sich zu bringen. Die Story ist keineswegs eine Wiederholung des Vorgängers, sondern fühlt sich frisch und mutig an. Wie am Ende des ersten Teils der geplanten Trilogie zu erkennen war, ist der Film deutlich humorvoller, skurriler und etwas weniger tragisch, behält nichtsdestotrotz aber die nötige Ernsthaftigkeit, um mit jedem einzelnen Charakter mitzufühlen. Die größte Stärke sind hier Jimmy Chrystal und Dr. Kelson. Es macht einfach unglaublich Spaß, den beiden Protagonisten zuzuschauen, und ihre Dynamik hält einen auf der Sitzkante. Und ja, ich sage hier ganz bewusst Protagonisten, denn obwohl wir die Geschichte hauptsächlich durch Spikes Augen erleben, nimmt er trotz grandiosem Schauspiel leider eine ziemlich passive Rolle ein. Wo er im ersten Film noch durch sein aktives Handeln die Geschehnisse vorantreibt, tritt er in „The Bone Temple“ ziemlich in den Hintergrund und wird von den Ereignissen eher mitgerissen, als dass er sie groß beeinflusst. Auch sein Vater Jamie (Aaron Taylor Johnson) hat keinen Auftritt. Nachdem „28 Years Later“ nach einer Stunde von Vater-Sohn- zu Mutter-Sohn-Geschichte wird, verliert Jamie vollständig an Relevanz. Wo ich mich schon letztes Jahr nach einem Lebenszeichen gesehnt hatte, bestand die Hoffnung, dass „The Bone Temple“ nun seine Geschichte erzählt. Leider Fehlanzeige (ja … ich hatte extra keinen Trailer geguckt. Hätte ich dies getan, wäre meine Erwartung anders gewesen). So bleibt zu hoffen, dass der dritte Film diese Plot Lücke schließt, denn hier liegt meiner Meinung nach noch eine Menge Potenzial.
Wer ebenfalls eine eher passive Rolle spielt, sind die Infizierten. Abgesehen vom Alpha, auf dem ein Hauptaugenmerk liegt, sind die anderen Infizierten lediglich Mittel zum Zweck. Sie dienen dazu, im richtigen Moment aufzutauchen, um Figuren vorzustellen oder zu charakterisieren. Ansonsten sind sie ziemliches Beiwerk. Wie eingangs erwähnt, ist es doch eher eine Survival-Horror-Story mit Fokus auf dem Umgang der Menschen untereinander. Viel Zombie-Splatter gibt es also nicht (doch keine Sorge: genug Köpfe rollen… oder reißen?).
Obwohl Danny Boyle diesmal nicht die Regie übernommen hat, schließt der Film stilistisch an die zweite Hälfte von „28 Years Later“ an. So viel inszenatorisches Candy wie die erste Hälfte hat The Bone Temple nicht. Das wird aber durch die Charaktere wettgemacht. Nia Da Costa (Regie) schafft es, ein durchaus unterhaltsames Gesamtpaket zu schnüren, und holt das Beste aus ihren Schauspielern und kreativen alles raus. Auch wenn diesmal auf den Einsatz eines iPhones verzichtet wurde und wieder auf altbewährte Kameratechnik zurückgegriffen wird, sind die Bilder keineswegs langweilig. Sean Bobbit (Kamera) framed eine kreative Mischung aus Intimität und Wucht. Der Soundtrack geht unter die Haut, die Kostüme, das Make-up und Set-Design sind unglaublich immersiv, und das cinematische Timing (Pacing) trifft. Für den vollen Effekt empfehle ich wärmstens, diesen Film im Kino zu schauen, um sich gänzlich in die düstere und fanatische Welt, die hier präsentiert wird, entführen zu lassen. „The Bone Temple“ wird nicht jeden umhauen, aber wem „28 Years Later“ gefallen hat, der wird hier nicht enttäuscht werden. Nia Da Costa und Alex Garland schaffen hier trotz Plot Holes einen Film, der genug Denkanstöße gibt, um nicht stumpf zu wirken, und mit viel Witz, Ekel, Horror und Spektakel punktet.
> REGIE: Nia DaCosta.
> DREHBUCH: Alex Garland.
> BESETZUNG: Jack O’Connell, Ralph Fiennes, Emma Laird, Alfie Williams, Chi Lewis-Parry, Robert Rhodes, Erin Kellyman, Louis Ashbourne Serkis, Sam Locke.
> GENRE: Horror
> KINOSTART: 15. Januar 2026.
> LAUFZEIT: 109 Minuten.
> ALTERSFREIGABE: 18 Jahren.
> VERLEIH: Sony Pictures.
> INFO: Rezension von Robin Henkel, der den Film am 07.01.2026 während einer PV in Köln sah.