

> ORIGINALTITEL: The Odyssey
> INHALT: Der Trojanische Krieg ist vorbei, doch für König Odysseus (Matt Damon) beginnt die wohl größte Herausforderung erst jetzt. Der Weg zurück nach Ithaka, wo seine Frau Penelope (Anne Hathaway) und sein Sohn Telemachos (Tom Holland) auf ihn warten, wird zu einer jahrelangen Irrfahrt voller Gefahren. Verführerische Gottheiten, furchteinflößende Kreaturen und mächtige Zauberinnen – darunter Kalypso (Charlize Theron), der Zyklop Polyphem (Bill Irwin) und Circe (Samantha Morton) – stellen sich ihm immer wieder in den Weg und machen seine Heimkehr nahezu unmöglich.
Während Odysseus fern der Heimat ums Überleben kämpft, droht in Ithaka die Hoffnung auf seine Rückkehr zu schwinden. Die Göttin Athene (Zendaya) bewegt schließlich Telemachos (Tom Holland) dazu, selbst nach seinem verschollenen Vater zu suchen. Seine Nachforschungen führen ihn zu König Menelaos von Sparta (Jon Bernthal), einem ehemaligen Mitstreiter Odysseus‘ im Trojanischen Krieg, der ihm entscheidende Hinweise auf dessen Verbleib geben könnte.
> BEWERTUNG: 3 von 5 Lotus.
> UNSERE REZENSION: Christopher Nolans neuer Sommer-Blockbuster „Die Odyssee“ nach Homers berühmtem zweiten Epos steht in den Startlöchern und hat bereits im Vorfeld online jede Menge Streitpunkt mit sich gebracht, was Besetzung und Szenen-/Kostümbild angeht. Der 172 minütige Streifen befasst sich dabei mit der Reise von König Odysseus von Ithaka, die laut Homer von Götterkonflikten geprägt und begleitet war.
Ich selbst habe Homers Werk nicht gelesen, weiß aber so ungefähr um die Rahmenbedingungen Bescheid. Jedoch nicht genug, um wirklich den Inhalt beider Medien zu vergleichen. Deswegen werde ich mich auf Nolans Film als Einzelwerk beschränken.
Zunächst einmal möchte auch ich meinen Input zu den politischen und historischen Debatten um den Film geben. Also, erst einmal finde ich es vollkommen in Ordnung, seine eigene Fantasie in das Design und die Charaktere einzubringen. Die Odyssee ist immerhin ein fiktive Geschichte in einem historischen Setting. Ich fänd es durchaus schade, wenn sich Nolan im Zuge dessen in seinem kreativen Denken behindert hätte. Nichts in dem Film ist als anachronistisch zu vermerken. Und ob einem das historisch nicht akkurate Design der Charaktere/Rüstungen etc. gefällt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Geschichts-Fanatiker: innen, die ein authentisches Abbild der Zeit um den Trojanischen Krieg sehen wollen, werden in dem Film allerdings wohl enttäuscht.
Die Besetzung ist da eine nochmal eigene Geschichte. Es ist mir so unglaublich egal gewesen, welcher Mensch jetzt welchen Charakter verkörpert. Die meisten Charaktere kommen ohnehin nicht besonders häufig vor, weil – meiner Meinung nach – die Charaktere nicht wirklich im Fokus des Films stehen (dazu später), aber selbst wenn. Der Film hatte offensichtlich nie den Anspruch ein akkurates historisches Bild zu zeichnen. Wenn deswegen in der Besetzung Schauspielende sind, die eventuell nicht authentisch in ihren Rollen besetzt sind (was ich nicht sagen kann, was aber scheinbar ein großes Argument online ist), dann ändert das nichts daran, wie historisch-authentisch der Film ist. Das ist er nicht. Und ich würde meinen Hintern drauf verwetten, dass Nolan das auch weiß. Ich für meinen Teil habe den diversen Cast sehr begrüßt, weil die schauspielerischen Leistungen durch die Bank weg gezündet haben und ich das Gefühl hatte, der zugrunde liegende Stoff wurde ernst genommen und mit Passion umgesetzt. Und meiner Meinung nach kommt es darauf an.
Ist der Film denn nun als – abseits sämtlicher Kontroversen – gut?
Ich sag mal so… Während der Klimax saß ich im Kino und konnte die ganze Zeit einen einzigen Gedanken nicht aus meinem Kopf verbannen.
„Es hätte so gut sein können.“
Versteht mich nicht falsch. Der Film ist gut. Nolan kann keine schlechten Filme machen. Davon bin ich überzeugt. Dafür ist der Mann einfach zu intelligent und begabt.
Gleichzeitig fürchte ich aber, dass das auch ein Problem in „Die Odyssee“ ist, das sich auch schon in „Tenet“ abgezeichnet hat. Dass der Mann verkopfte Skripte und komplexe Ideen mag und sich daran gerne versucht, ist seit „Memento“ klar. Aber ich habe das Gefühl, bei „Tenet“ hat Nolan damit einige Leute abgehängt und auch in „Die Odyssee“ verzettelt er sich für mein Empfinden zu sehr.
Nolan nutzt Odysseus‘ Reise als einen Reue-Trip über das Loslassen. Odysseus lieferte nach zehn Jahren der Belagerung die zündende Idee für Agamemnon und Menelaos, die Troja letztendlich zu Fall brachte. Um nicht zu Spoilern, muss ich leider vage bleiben und sagen, dass Odysseus im Zuge der Eroberung eine Realisierung hatte, die seine weitere Reise prägen wird.
Die Grundgeschichte und was dahinter steckt ist wahnsinnig stark. Und Odysseus als Figur zu nehmen, um so eine Geschichte zu erzählen, finde ich einen genialen Gedanken.
Jetzt kommt nur leider das verkopfte Nolans mit rein. Der Film wird nicht chronologisch erzählt. Er springt immer wieder zwischen Odysseus (Mat Damon) im Jetzt, Odysseus während der Schlacht von Troja und Odysseus zwischen der Schlacht von Troja und dem Jetzt, Odysseus Sohn Telemachos (Tom Holland) und seiner Frau Penelope (Anne Hathaway) hin und her.
Das führt dazu, dass vor allem der Einstieg in den Film sehr holprig ist. Es wird sehr viel Exposition auf die Zuschauenden losgelassen und die ersten Stationen der Odyssee sind extrem knapp und wirken sehr unnötig bis hin zu unlogisch.
Wenn ein Zyklop zum Beispiel zwei von Odysseus Männern tötet und sich dann schlafen legt, während die anderen noch um ihr Leben bangen, ist das vielleicht wie der Ablauf in Homers Werk war, aber auf der Leinwand wirkt es eher albern.
Das Muster wiederholt sich leider noch ein paar Mal. Ab einem bestimmten Punkt – ich würde sagen etwa ab der Hälfte des Films – wird es dann bedeutend besser. Wenn Odysseus und seine Mannschaft an einer Insel landen, die von einer Frau bewohnt wird, zeigt sich, was der Plot eigentlich in sich gehabt hätte.
Leider ist bis dahin so viel Laufzeit verstrichen und Nolan möchte hinten heraus noch eine ganze Menge mehr erzählen als es – meiner Meinung nach – gebraucht hätte, dass deswegen die Starken kaum stehen können. Der Film hat ein hohes Tempo. Das nimmt ihm aber in vielen Punkten den Impact.
Und die große griechische Tragödie dahinter ist, dass es alles da gewesen wäre um den Film wirklich emotional berührend und mächtig in seiner Message zu machen. Es wurden nur noch (hyperbolisch) zwanzig Punkte extra mit in das Skript geschrieben, die den Film in seinem Statement leider enorm verwässern.
Damit will ich nicht sagen, dass das Skript nicht gut durchdacht ist. Im Gegenteil. Es ist zu gut durchdacht. Alles, was angedeutet wird, löst sich im Laufe des Films (vor allem gegen Ende) ein. Aber leider wirkt anfangs vieles davon sehr gewollt, weil die Szenen selbst in sehr kurzer Zeit sehr viel etablieren müssen, um die Klimax zu ermöglichen, die der Film sich selbst aufgebürdet hat. Und das ist doch mal eine tragische Ironie.
Hätte man 4 oder 5 Teile des Films geschnitten oder reduziert und somit dem Kern und den wirklich wichtigen Szenen mehr Raum zum atmen gegeben und hätte man das Ende nicht so sehr in die Länge gezogen, hätten wir hier ein monumentales Epos mit einer packenden und tragischen Geschichte, die kein Auge trocken gelassen hätte. So haben wir hier einen Film, der versucht, Monumentalfilm und Arthaus zu mixen, aber in seiner eigenen Intelligenz ausrutscht.
Technisch ist der Film natürlich stark. Ich habe nicht in einem iMAX Kino geschaut, deswegen kann ich dazu leider nichts sagen. Aber die Ideen, die der Film hat, werden meistens auf einem technisch krass hohen Niveau umgesetzt. Lediglich einige CGI-Momente sehen fragwürdig aus, vor allem beim Monster-Design.
Was mich leider auch sehr gestört hat, ist das Kostüm-Design. Aber nicht aus den Gründen, die im Internet kursieren. Viel mehr sehen viele Rüstungen und Waffen nach Karnevalsladen aus. Ich weiß nicht, ob die nach originalen Methoden gefertigt wurden, aber on Screen haben die mich eher an Roger Corman Filme aus den 80ern erinnert. Irgendwie hat das alles einen zu runden, zu glattem und Faken Touch gehabt, der mich doch schon immer wieder aus der Immersion geholt hat.
Die Musik ist in großen Teilen eher unauffällig. Klar ist die bombastisch, aber in der Action geht die oftmals fast unter. In den ruhigen Momenten erfüllt sie ihren Zweck allerdings mit Bravour. Die Musik ist ein großer Teil dessen, was mich am Ende doch noch Emotionen haben spüren lassen.
Letzten Endes finde ich leider nicht, dass es Nolan gelingt, hier Arthaus-Ansätze mit Blockbuster-Kino zu mischen. Ich fürchte, dafür steht ihm seine eigene Intelligenz zu sehr im Weg. (wohl gemerkt: Das ist nur meine Erklärung wieso der Film auf mich so gewirkt hat, wie er gewirkt hat). Was bleibt ist also ein sehenswerter Film, der aber leider seinen eigenen Ambitionen erliegt.
> REGIE: Christopher Nolan.
> DREHBUCH: Christopher Nolan, Homer.
> BESETZUNG: Elliot Page, Zendaya, Matt Damon, Tom Holland, Anne Hathaway, Travis Scott, Robert Pattinson, Charlize Theron, Jon Bernthal, Lupita Nyong’o, Mia Goth, Samantha Morton, John Leguizamo, James Remar, Logan Marshall-Green.
> GENRE: Abenteuer / Drama / Fantasy
> KINOSTART: 16. Juli 2026.
> LAUFZEIT: 172 Minuten.
> ALTERSFREIGABE: 16 Jahren.
> VERLEIH: Universal Pictures International Germany.
> INFO: Rezension von Arie Jaspers, gesehen am 13.07.2027 während der PV in Köln.
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