


Venedig, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Der gefeierte US-Armeeoffizier Colonel Richard Cantwell (Liev Schreiber) reist in die Lagunenstadt, um sich ein letztes Mal den Erinnerungen seines bewegten Lebens zu stellen. Als er der jungen Contessa Renata (Matilda De Angelis) begegnet, beginnt eine unerwartete Verbindung zwischen zwei Menschen aus völlig unterschiedlichen Welten. Während Cantwell von den Schatten seiner Vergangenheit und einer düsteren Diagnose eingeholt wird, schenkt ihm die Begegnung mit Renata einen letzten Blick auf Hoffnung, Liebe und die Schönheit des Augenblicks.
Bestellen: >SHOP!<
Es gibt Literatur, die sich kaum in Bilder übersetzen lässt. Nicht weil ihre Handlung so komplex wäre, sondern weil ihre eigentliche Kraft zwischen den Zeilen liegt. Ernest Hemingways Über den Fluss und in die Wälder gehört genau zu diesen Werken. Regisseurin Paula Ortiz stellt sich dieser Herausforderung mit großem Respekt vor der Vorlage und entscheidet sich bewusst gegen jede Form übertriebener Dramatik.
Schon die ersten Bilder machen deutlich, dass dieser Film nicht von seiner Handlung leben möchte. Venedig zeigt sich von einer stillen, beinahe entrückten Seite. Die Lagunen, das gedämpfte Licht und die eleganten Schauplätze entfalten eine melancholische Schönheit, die den gesamten Film trägt. Es sind Bilder, die weniger beeindrucken als vielmehr nachhallen und der Geschichte jene ruhige Würde verleihen, die hervorragend zu Hemingways spätem Roman passt.
Ebenso überzeugend präsentiert sich Liev Schreiber. Seine zurückgenommene Darstellung verzichtet auf große Gesten und sucht stattdessen die leisen Zwischentöne. Gerade dadurch gelingt es ihm, die innere Zerrissenheit seiner Figur glaubhaft einzufangen. Vieles bleibt unausgesprochen und entfaltet gerade deshalb seine Wirkung.
Dennoch hinterlässt der Film einen zwiespältigen Eindruck. So feinfühlig Paula Ortiz die emotionale Tonalität der literarischen Vorlage einfängt, so zurückhaltend bleibt ihre Inszenierung über die gesamte Laufzeit. Das ruhige Erzähltempo verlangt Geduld und lässt die ohnehin vorhersehbare Handlung zusätzlich an Dynamik verlieren. Statt den Zuschauer emotional immer tiefer hineinzuziehen, entsteht gelegentlich eine gewisse Distanz.
Vielleicht liegt genau dort der größte Unterschied zum Roman. Hemingways spätes Meisterwerk besitzt zwischen seinen ruhigen Momenten eine emotionale Wucht, die lange nachwirkt. Der Film findet diese Tiefe nur stellenweise. Er bleibt bewundernd an der Oberfläche seiner Figuren stehen, anstatt vollständig in ihre Gedankenwelt einzutauchen.
Und doch besitzt diese Verfilmung eine Qualität, die man nicht übersehen sollte. Ihre visuelle Eleganz, die ruhige Handschrift der Regie und die feine Melancholie erinnern immer wieder an die europäische Filmkunst, in dem Atmosphäre wichtiger ist als Tempo und Blicke oft mehr erzählen als Dialoge. Gerade darin liegt der eigentliche Reiz des Films.
Über den Fluss und in die Wälder ist keine Verfilmung, die laut um Aufmerksamkeit bittet. Sie begegnet Ernest Hemingway mit Respekt, trifft den melancholischen Geist seines Romans erstaunlich gut, erreicht jedoch nicht dessen emotionale Intensität. Mit leichten Abstrichen bleibt ein ruhiger, schöner und nachdenklicher Film, der mehr über seine Stimmung als über seine Handlung in Erinnerung bleibt.
Die DVD hinterlässt einen insgesamt ordentlichen Eindruck, erreicht bei der Bildqualität jedoch nicht durchgehend ihr volles Potenzial. Vor allem in den ersten Szenen wirkt die Auflösung etwas weich, wodurch feine Strukturen und kleinere Details an Präzision verlieren. Im weiteren Verlauf stabilisiert sich die Darstellung zwar, dennoch bleibt die Schärfe eher auf einem soliden als herausragenden Niveau. Deutlich besser gelingt dagegen die Farbabstimmung: Die natürlichen, warmen Töne verleihen den Landschaften und der ruhigen Inszenierung eine stimmige, fast malerische Ausstrahlung und tragen wesentlich zur Atmosphäre des Films bei.
Akustisch präsentiert sich die Veröffentlichung von ihrer stärkeren Seite. Die Tonspur ist sauber abgemischt, Dialoge bleiben jederzeit klar verständlich und auch die Dynamik sorgt für einen angenehmen Höreindruck. Weniger überzeugend fällt allerdings die deutsche Synchronisation aus, deren Vortrag stellenweise etwas kraftlos und emotional zurückhaltend wirkt. Wer die feineren Nuancen der Figuren und ihrer Darbietungen erleben möchte, sollte daher zur Originalfassung greifen.
Das Bonusmaterial fällt denkbar knapp aus. Neben dem Trailer zum Film sind keine weiteren Extras enthalten.