| Mit Staffel 20 wagt South Park etwas, das die Serie zuvor nur sehr selten in dieser Konsequenz ausprobiert hat: eine fast komplett durchgehende Handlung über die gesamte Staffel hinweg. Statt wie gewohnt in jeder Episode ein neues Thema satirisch auseinanderzunehmen, zieht sich diesmal ein großer roter Faden durch alle Folgen – und genau daran scheiden sich bis heute die Geister.
Denn einerseits ist es durchaus faszinierend zu beobachten, wie die Serie versucht, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen über längere Zeit satirisch zu sezieren. Andererseits fehlt dadurch stellenweise genau jene spontane Verrücktheit, die viele frühere Staffeln so unberechenbar und genial gemacht hat.
Trotzdem bleibt auch Staffel 20 unverkennbar South Park. Bitterböse, respektlos und voller provokanter Spitzen gegen Gesellschaft, Politik, Internetkultur und moderne Empfindlichkeiten. Gerade die Themen rund um soziale Medien, öffentliche Empörungskultur und digitale Hetzjagden werden hier gnadenlos durch den satirischen Fleischwolf gedreht.
Bemerkenswert bleibt dabei, wie sehr sich die Serie über zwei Jahrzehnte hinweg verändert hat – und gleichzeitig doch immer dieselbe geblieben ist. Natürlich haben sich die Zeiten gewandelt, gesellschaftliche Themen verschoben und auch einige Figuren verändert. Selbst das Intro fühlt sich mittlerweile moderner und anders an als in den frühen Jahren.
Doch trotz aller Entwicklungen haben die Macher niemals ihren eigentlichen Stil verloren. Noch immer lebt die Serie von ihrem schmutzigen Humor, ihren gnadenlosen Übertreibungen und der Fähigkeit, gesellschaftliche Absurditäten auf den Punkt genau bloßzustellen.
Gerade deshalb wirkt Staffel 20 trotz ihres ungewöhnlichen Erzählstils weiterhin erstaunlich bissig. Viele Pointen sitzen hervorragend und einige gesellschaftliche Beobachtungen sind erneut erschreckend treffend. South Park beweist wieder einmal, wie schnell und direkt die Serie aktuelle Entwicklungen kommentieren kann.
Allerdings bringt die durchgehende Handlung auch Probleme mit sich. Manche Episoden funktionieren weniger gut für sich allein und wirken stärker wie Zwischenstücke innerhalb einer langen Geschichte. Dadurch fehlt gelegentlich die klare Struktur einzelner Folgen, die man aus früheren Staffeln gewohnt war.
Natürlich stellt sich dabei automatisch die Frage: Mangelt es den Machern langsam an Ideen oder wollte man bewusst ein neues Publikum ansprechen, das stärker auf fortlaufende Serienhandlungen setzt? Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Die Serie experimentiert sichtbar mit ihrer eigenen Form, ohne dabei ihren Kern aufzugeben.
Und auch wenn nicht jede Idee der Staffel perfekt aufgeht, bleibt der Unterhaltungswert hoch. Der Humor ist weiterhin herrlich frech, oftmals geschmacklos und stellenweise erschreckend intelligent. Gerade Fans der bissigen Gesellschaftskritik kommen erneut voll auf ihre Kosten.
Visuell bleibt natürlich alles beim bekannten primitiven Stil, doch gerade dieser gehört längst untrennbar zum Charakter der Serie dazu. Wichtig waren bei South Park ohnehin nie die Animationen, sondern die schonungslose Satire und die völlig hemmungslose Art, aktuelle Themen zu kommentieren.
Staffel 20 ist deshalb vielleicht nicht die klassischste South Park-Staffel, aber definitiv eine der experimentierfreudigsten.
Eine ungewöhnliche, zusammenhängende Staffel voller bissiger Satire, schwarzem Humor und gesellschaftlicher Seitenhiebe, die beweist, dass South Park selbst nach 20 Jahren nichts von seiner geschmacklosen Genialität verloren hat. |