| Schon der Titel The Bye Bye Man sorgt leider eher für unfreiwilliges Schmunzeln als für Gänsehaut. Denn wirklich bedrohlich oder mysteriös klingt der Name des angeblichen Schreckens hier nun wirklich nicht. Und genau dieses Problem zieht sich letztlich beinahe durch den gesamten Film.
Dabei besitzt die Grundidee eigentlich durchaus Potenzial. Der Gedanke, dass allein das Wissen über eine düstere Existenz bereits Gefahr bedeutet, hätte psychologisch intensiven Horror erzeugen können. Gerade moderne Horrorfilme leben oft davon, mit Unsicherheit, Paranoia und der Angst vor dem Unsichtbaren zu spielen.
Doch The Bye Bye Man schafft es kaum, aus dieser Idee wirkliche Spannung entstehen zu lassen.
Vielmehr wirkt der Film wie eine Ansammlung bereits bekannter Horrorversatzstücke, die man aus zahlreichen anderen – und meist besseren – Genrevertretern schon deutlich effektiver gesehen hat. Statt eigener Ideen dominieren vorhersehbare Schockmomente, typische Halluzinationsszenen und Charaktere, die sich genau so verhalten, wie man es aus unzähligen Horrorfilmen bereits kennt.
Besonders problematisch ist dabei die fehlende Atmosphäre. Obwohl der Film offensichtlich versucht, eine bedrückende und paranoide Stimmung aufzubauen, bleibt das Ganze erstaunlich wirkungslos. Wirkliche Beklemmung oder Nervosität entstehen kaum, weil die Inszenierung nie die nötige Intensität erreicht.
Gerade Horror lebt davon, dass man als Zuschauer mitfiebert oder sich zumindest unwohl fühlt. Hier bleibt man dagegen oft emotional auf Distanz. Viele Szenen wirken eher konstruiert als wirklich unheimlich.
Dabei sieht der Film stellenweise gar nicht einmal schlecht aus. Die Kameraarbeit liefert einige durchaus starke Bilder und visuell besitzt The Bye Bye Man hin und wieder sogar eine angenehm düstere Ästhetik. Man erkennt durchaus, dass gewisse kreative Ansätze vorhanden waren.
Umso enttäuschender ist deshalb, wie wenig daraus gemacht wird.
Auch die Figuren bleiben erschreckend blass. Kaum jemand entwickelt echte Persönlichkeit oder emotionale Tiefe, wodurch einem das Schicksal der Charaktere weitgehend gleichgültig bleibt. Wenn dann die unvermeidlichen Horrorereignisse eintreten, fehlt dadurch jede emotionale Wirkung.
Hinzu kommt, dass viele Entwicklungen schon lange im Voraus erkennbar sind. Überraschungen bleiben praktisch komplett aus und selbst die wenigen Wendungsversuche wirken eher routiniert als clever aufgebaut.
Das Finale setzt dem Ganzen schließlich noch die Krone auf – allerdings leider keine positive. Statt eines starken Abschlusses endet der Film in einem jener typischen Horrorfilm-Enden, die eher frustrieren als beeindrucken. Der Schluss wirkt überhastet, wenig durchdacht und hinterlässt kaum Eindruck außer Enttäuschung.
Und genau deshalb fühlt sich The Bye Bye Man letztlich wie ein Film an, der sein vorhandenes Potenzial niemals ausschöpft. Gute Ansätze, solide Bilder und eine theoretisch interessante Idee sind durchaus vorhanden, doch weder Spannung noch Atmosphäre oder echte Originalität wollen sich einstellen.
Ein visuell teilweise ordentlicher Horrorfilm mit interessanter Grundidee, der jedoch an fehlender Atmosphäre, vorhersehbarer Handlung und unfreiwilliger Komik scheitert. Nicht wirklich gruselig, kaum spannend und am Ende leider mehr verschenkte Möglichkeit als gelungener Horror. |