


Lourenço, ein brasilianischer Immigrant, dessen Visum bald ausläuft, verliert den Halt, als sein amerikanischer Freund ihn unerwartet in Provincetown zurücklässt. Inmitten des ausklingenden Sommers entzündet sich eine intensive, unerwartete Romanze mit dem charmanten Maurice, der mit einer Gruppe seiner queeren Freunde in der Stadt ist und sich ebenfalls fremd fühlt. Zwischen den beiden entsteht eine zarte, stetig intensiver werdende Verbindung.
Originaltitel: High Tide
High Tide überzeugt vor allem durch seine melancholische Grundstimmung, die sich beinahe durch jede Szene zieht. Der Film wirkt ruhig, nachdenklich und oftmals angenehm unaufgeregt, ohne dabei jemals völlig hoffnungslos zu erscheinen.
Großen Anteil daran hat vor allem Marco Pigossi, der die Hauptrolle mit einer eindringlichen und bemerkenswert nuancierten Performance trägt. Besonders gelungen ist dabei, dass seine Darstellung nie ins reine Elend oder übertriebene Selbstmitleid abrutscht. Stattdessen vermittelt seine Figur trotz aller inneren Unsicherheiten immer wieder kleine Momente von Optimismus, Wärme und echter Lebensfreude. Gerade dadurch wirkt der Film emotional glaubwürdig und angenehm menschlich.
Auch atmosphärisch macht High Tide vieles richtig. Die natürlichen Kulissen und die zurückhaltende Bildsprache verleihen der Geschichte eine ruhige Authentizität, die hervorragend zur gesamten Stimmung des Films passt. Vieles fühlt sich beinahe beobachtend an, als begleite man die Figuren einfach ein Stück ihres Lebens.
Die Handlung selbst bleibt dabei vergleichsweise schlicht, entfaltet aber gerade durch diese Zurückhaltung ihren Charme. Allerdings sorgt die sehr ruhige und teilweise konventionelle Erzählweise auch dafür, dass der Film zwischendurch etwas an Dynamik verliert. An manchen Stellen hätte man sich etwas mehr erzählerische Tiefe oder emotionalen Nachdruck gewünscht.
Doch trotz dieser kleineren Schwächen bleibt der Gesamteindruck ausgesprochen positiv. Denn High Tide lebt weniger von großen Wendungen als vielmehr von seiner Atmosphäre, seinen Figuren und seiner stillen Ehrlichkeit.
Ein melancholisches und feinfühliges Drama mit einer starken Hauptdarstellung und wunderschöner Atmosphäre. High Tide erzählt seine ruhige Geschichte mit viel Menschlichkeit und hinterlässt gerade durch seine stille Art einen nachhaltig berührenden Eindruck.
High Tide setzt auch bei seiner visuellen Präsentation auf Zurückhaltung. Das Bild der DVD wirkt angenehm ruhig und erfreulich sauber, wodurch sich eine sehr homogene Darstellung ergibt. Die Farben bleiben natürlich und vermitteln einen glaubwürdigen Eindruck, ohne künstlich kräftig aufgetragen zu sein. Gleichzeitig arbeitet die Schärfe ausreichend klar und holt aus dem vorhandenen Material einen guten Detailgrad heraus. Lediglich beim Kontrast hätte man etwas großzügiger mit dem Licht umgehen dürfen. Die Abstimmung fällt insgesamt eher dunkel aus und nimmt dem Bild stellenweise ein wenig von seiner Leichtigkeit. Gerade in ohnehin schattigeren Momenten könnte die Durchzeichnung etwas offener sein. Wirklich störend wird das allerdings nicht. Unterm Strich liefert die DVD ein unaufgeregtes und sauberes Bild, das vor allem durch seine Natürlichkeit überzeugt. Keine visuelle Reizüberflutung, sondern eine angenehm dezente Präsentation.
Auch akustisch bleibt High Tide seinem ruhigen Grundton treu. Der Klang präsentiert sich sanft und zurückgenommen, wobei die Dialoge klar und angenehm eingebettet wirken. Vieles spielt sich mit einer gewissen Gelassenheit ab, wodurch die Tonspur die ruhige Atmosphäre des Films eher begleitet, als sich selbst in den Vordergrund zu drängen. Wenn die Handlung einmal aus dieser Ruhe ausbricht, darf auch die Dynamik etwas stärker aufspielen. Diese Momente wirken dadurch umso wirkungsvoller, weil der Film zuvor akustisch so zurückhaltend agiert. Große Klanggewitter sollte man allerdings nicht erwarten. Die Stärke liegt vielmehr in der subtilen Wirkung. So entsteht ein angenehm sauberer und beinahe behutsamer Höreindruck. Der Ton ist auf sanfte Weise eindringlich und versteht es, Atmosphäre zu erzeugen, ohne dafür ständig laut werden zu müssen.
Wer nach dem Film noch auf umfangreiches Bonusmaterial gehofft hat, muss sich mit einem kleinen Rundgang durch das Veröffentlichungsprogramm begnügen. Enthalten sind lediglich einige Trailer zu weiteren Filmen. Für zusätzliche Einblicke in High Tide reicht das natürlich nicht aus. Die Bonusabteilung bleibt damit ausgesprochen überschaubar und dient letztlich eher als Werbung für andere Veröffentlichungen.