


In der „Bärtigen Meerjungfrau“, einem extravaganten Varieté-Club, präsentiert die hier beschäftigte kunterbunte Dragqueen-Truppe Nacht für Nacht eine schräge, aber spektakuläre Show voller Gesang, Zirkusnummern, Tanz und Zauberei – etwas, das man in der beschaulichen französischen Kleinstadt so noch nie gesehen hat. Erwan, ein Fischer aus dem Ort, gerät völlig unerwartet in diese farbenfrohe Welt der Freude und des Feierns und glaubt, hier seine Bestimmung gefunden zu haben. Und hinter den Kostümen entdeckt er bald auch die Menschen: einsam, überempfindlich, aber fest entschlossen, ihre Träume zu verwirklichen.
Originaltitel: La sirène à barbe
The Bearded Mermaid lebt vor allem von seiner warmherzigen und einfühlsamen Darstellung einer Dragqueen-Truppe, die schnell zum eigentlichen Herzstück des Films wird. Gerade in den gemeinsamen Szenen entsteht eine Atmosphäre voller Menschlichkeit, Akzeptanz und stiller Melancholie.
Dabei gelingt dem Film gleichzeitig ein wundervoll ironisches und dennoch bewegendes Porträt einer kleinen französischen Hafenstadt. Zwischen rauem Küstenalltag, schrägen Figuren und stillen Sehnsüchten entfaltet sich eine angenehm bittersüße Stimmung, die den Film über weite Strecken trägt.
Besonders schön ist dabei, wie die queere Gemeinschaft und das titelgebende Varieté als eine schillernde, bunte und zugleich sichere Zuflucht inszeniert werden. Kein überzogenes Spektakel, sondern vielmehr ein Ort voller Verständnis und Zusammenhalt für Menschen, die andernorts oftmals keinen Platz finden.
Themen wie Einsamkeit, Identität und die Sehnsucht nach Nähe behandelt der Film dabei erfreulich feinfühlig. Gerade weil er sich meist von typischen Klischees fernhält, besitzen viele Momente eine ehrliche emotionale Wirkung.
Allerdings verliert der Film stellenweise etwas von seiner Authentizität durch seine überwiegend episodische Erzählweise. Manche Szenen wirken spürbar konstruiert und eher wie lose aneinandergereihte Momentaufnahmen als wie ein wirklich organisch fließendes Ganzes. Dadurch geht gelegentlich etwas von der Natürlichkeit verloren, die der Film eigentlich so dringend benötigt hätte.
Dennoch überwiegen letztlich die positiven Eindrücke. Vor allem die liebevolle Figurenzeichnung und die warme, tolerante Grundstimmung machen The Bearded Mermaid zu einem berührenden kleinen Film über Gemeinschaft, Akzeptanz und Menschlichkeit.
Ein sensibles und warmherziges Drama mit wundervoll schrägen Figuren, melancholischem Küstenflair und einer bewegenden Botschaft über Zusammenhalt und Identität. Trotz kleiner erzählerischer Schwächen bleibt The Bearded Mermaid ein berührender und sympathischer Film voller Herz.
Visuell zeigt sich The Bearded Mermaid erfreulich natürlich, ohne dabei auf eine kräftige und lebendige Farbdarstellung zu verzichten. Die Farben besitzen ordentlich Strahlkraft und verleihen den Aufnahmen eine sympathische Frische, wirken dabei aber nicht künstlich überdreht. Gerade diese Kombination aus natürlicher Wiedergabe und intensiver Farbpräsenz funktioniert ausgesprochen gut. Auch bei der Schärfe gibt es wenig Anlass zur Kritik. Das Bild präsentiert sich klar und holt einen ordentlichen Detailgrad aus dem vorhandenen Material heraus. Feinere Strukturen bleiben sauber erkennbar und verleihen den Aufnahmen genügend Tiefe, ohne dass die Darstellung übermäßig digital oder nachgeschärft wirkt. Insgesamt ergibt sich damit ein angenehm harmonisches Bild, das technisch sauber daherkommt und gleichzeitig genügend visuelle Lebendigkeit besitzt. Natürlichkeit und kräftige Farben müssen sich schließlich nicht gegenseitig ausschließen – hier funktioniert die Mischung ziemlich gut.
Akustisch gibt sich The Bearded Mermaid angenehm zurückhaltend. Der Ton drängt sich nicht unnötig in den Vordergrund, sondern begleitet das Geschehen mit einer ruhigen und unaufgeregten Abstimmung. Dialoge beziehungsweise Gespräche bleiben klar verständlich und werden sauber wiedergegeben. Große Dynamiksprünge oder spektakuläre Surroundeffekte sollte man hier nicht erwarten. Dafür besitzt die Tonspur eine sympathische Natürlichkeit und wirkt jederzeit ordentlich ausbalanciert. Gerade die ruhige Präsentation passt gut zum Gesamteindruck und lässt dem eigentlichen Geschehen genügend Raum. Ein unspektakulärer, aber sehr sauberer Klang, der genau das tut, was er soll.
Bei den Extras wird dagegen ziemlich schnell der Vorhang wieder heruntergelassen. Außer einigen Trailern zu weiteren Veröffentlichungen gibt es kein zusätzliches Material zu entdecken. Damit bleibt die Bonusausstattung überschaubar und beschränkt sich letztlich auf ein wenig Werbung für andere Titel. Zusätzliche Informationen zur Entstehung von The Bearded Mermaid oder Einblicke in die Arbeit der Filmemacher sucht man vergeblich.