


Die junge Aurora (Sophie Sloan) ist überzeugt davon, dass ein Monster ihre Familie verschlungen hat. In ihrer Verzweiflung sucht sie Hilfe bei dem mysteriösen Fremden von nebenan (Mads Mikkelsen), einem Auftragskiller, der ihr nur widerwillig seine Dienste zusagt. Er vermutet, dass Auroras Eltern gar nicht von einem Fabelwesen gefressen, sondern Opfer eines Anschlags wurden, der eigentlich ihm galt. Getrieben von Schuld- und Verantwortungsgefühlen stellt er sich schließlich der Aufgabe, das Mädchen zu beschützen – und muss dabei erkennen, dass so manche Monster tatsächlich real sind.
Unter dem Bett verstecken sich normalerweise Kindheitsängste. Dust Bunny macht daraus ein groteskes Märchen, das mit jeder Minute deutlicher zeigt, wo seine wahre Stärke liegt. Nicht die Geschichte führt hier Regie, sondern die Fantasie. Bryan Fuller erschafft in seinem Regiedebüt eine Welt, die ständig zwischen Albtraum und Bilderbuch wechselt, zwischen Horror und liebevoller Verspieltheit. Kaum glaubt man, den visuellen Stil verstanden zu haben, überrascht der Film bereits mit der nächsten verrückten Idee. Farben explodieren förmlich auf der Leinwand, skurrile Einfälle reihen sich aneinander und selbst kleinste Details wirken, als wären sie mit sichtbarer Leidenschaft entworfen worden. Diese außergewöhnliche Bildsprache wäre allerdings nur halb so wirkungsvoll, wenn die Besetzung nicht derart hervorragend funktionieren würde. Gerade das Zusammenspiel zwischen Mads Mikkelsen als wortkargem Nachbarn mit mörderischer Vergangenheit und der jungen Sophie Sloan als Aurora entwickelt eine Wärme, die man in einem Film dieser Art kaum erwarten würde. Ausgerechnet diese ungleichen Figuren bilden das emotionale Zentrum der Geschichte und sorgen immer wieder für kleine, herzige Momente, die den Film trotz seiner düsteren Grundidee erstaunlich menschlich wirken lassen. Überhaupt gibt sich der gesamte Cast keinerlei Blöße. Selbst kleinere Rollen hinterlassen Eindruck und tragen dazu bei, diese ungewöhnliche Welt glaubwürdig zu bevölkern.
Leider kann das Drehbuch mit dieser kreativen Wucht nicht Schritt halten. Gerade dort, wo die Geschichte eigentlich an Fahrt aufnehmen müsste, beginnt sie sich immer häufiger im Kreis zu drehen. Die Handlung rund um das staubhasenähnliche Monster unter dem Bett besitzt zweifellos Charme, verliert jedoch mit zunehmender Laufzeit an Substanz. Viele Dialoge wirken unnötig ausschweifend, manche Szenen wiederholen bereits Gesagtes oder Gezeigtes, sodass sich das Gefühl einschleicht, der Film erzähle seine Ideen mehrfach, statt neue zu entwickeln. Genau hier entsteht die größte Schwäche der ansonsten so außergewöhnlichen Produktion. Besonders schade ist deshalb das Finale. Ausgerechnet dort, wo Bryan Fuller seiner Fantasie eigentlich freien Lauf hätte lassen können, entscheidet sich der Film für einen überraschend konventionellen Abschluss. Nach all den grotesken Einfällen, den farbenfrohen Bildwelten und der beinahe grenzenlosen Kreativität hätte man erwartet, dass gerade die letzten Minuten noch einmal alles übertreffen. Stattdessen hinterlässt das Ende eher Enttäuschung und verschenkt Möglichkeiten, die der Film zuvor selbst eröffnet hat.
Fast wirkt es, als wolle Sigourney Weaver diesen kleinen Durchhänger persönlich auffangen. Obwohl sie nur in einer Nebenrolle zu sehen ist, sorgt jede ihrer Szenen für zusätzlichen Spaß und unterstreicht einmal mehr, wie hervorragend Fuller seine Darsteller einzusetzen weiß. Gerade solche Momente erinnern daran, weshalb Dust Bunny trotz seiner erzählerischen Schwächen immer wieder begeistert. Die Mischung aus Märchen, Horror und Gangster-Action bleibt tonal zwar nicht immer entschlossen und findet nicht durchgehend die richtige Balance. Doch wenn die Geschichte ins Straucheln gerät, übernehmen die Besetzung, die visuelle Kreativität und Fullers unverwechselbare Handschrift das Kommando. Dust Bunny ist deshalb weniger ein Film, den man ausschließlich wegen seiner Handlung in Erinnerung behält. Es sind seine Bilder, seine Figuren und seine verspielte Eigenwilligkeit, die durchaus im Kopf bleiben, selbst wenn das Drehbuch diesem außergewöhnlichen Ideenreichtum nicht immer gerecht wird.
Schon das Hauptmenü weckt zunächst Hoffnungen: Die gezeigten Filmszenen wirken überraschend scharf und hochwertig. Mit dem Start des eigentlichen Films folgt jedoch die Ernüchterung. Das sehr breite Bildformat mit den auffallend großen schwarzen Balken ist zwar eine bewusste gestalterische Entscheidung und verleiht der Inszenierung einen cineastischen Charakter, die technische Qualität kann davon jedoch nicht profitieren. Die Schärfe bleibt über weite Strecken deutlich hinter den Erwartungen zurück, wodurch viele Details weich und unsauber wirken. Auch die Farben hätten kräftiger ausfallen dürfen, denn gerade die fantasievollen Kulissen und das kreative Produktionsdesign würden von einer lebendigeren Wiedergabe spürbar profitieren. Der Kontrast liefert immerhin eine ordentliche Grundlage und sorgt dafür, dass das Bild der DVD nicht völlig an Wirkung verliert.
Die Tonspur hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Während die Abmischung insgesamt sauber bleibt und keinerlei störende Nebengeräusche auffallen, fehlt es ihr an Ausdruckskraft. Einige Dialoge sind etwas zu leise eingepegelt und verlangen gelegentlich nach einem Griff zur Fernbedienung. Auch actionreichere Momente entwickeln kaum die gewünschte Dynamik, wodurch viele Szenen akustisch überraschend zurückhaltend wirken. Insgesamt erfüllt der Klang seinen Zweck, entfaltet jedoch nie die fantasievolle Energie, die der Film visuell vermitteln möchte.
Das Bonusmaterial fällt denkbar knapp aus und beschränkt sich ausschließlich auf den Trailer zum Film. Weitere Einblicke in Bryan Fullers Regiedebüt sucht man leider vergeblich.