


Hinter jeder Maske verschwindet ein Mensch und mit ihm ein Geheimnis. Als Sohn gehörloser Eltern lernt Lon Chaney (James Cagney) früh, sich ohne Worte auszudrücken: mit Gesten, mit dem Körper, mit dem Gesicht. Von den Varieté-Bühnen trägt ihn dieses Talent nach Hollywood, wo er als Meister der Verwandlung zur Legende des Stummfilms aufsteigt, und mit Rollen, wie „Der Glöckner von Notre Dame“ und „Das Phantom der Oper“ große Erfolge feiert. Doch während er auf der Leinwand tausend Gesichter trägt, zerbricht sein eigenes Leben: an der zerrütteten Ehe mit der labilen Cleva (Oscar-Preisträgerin Dorothy Malone, „In den Wind geschrieben“; „Tote schlafen fest“), an einem erbitterten Sorgerechtsstreit um den gemeinsamen Sohn und an der Angst, dass hinter der Schminke am Ende niemand mehr ist.
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Hinter den unzähligen Masken, grotesken Gesichtern und verblüffenden Verwandlungen eines großen Stummfilmstars verbirgt sich eine Lebensgeschichte, die weit mehr zu erzählen hat als den Aufstieg eines Hollywood-Pioniers. Lon Chaney machte seinen Körper zum Instrument, sein Gesicht zur Leinwand und die Verwandlungskunst zu einem Markenzeichen, das die Filmgeschichte nachhaltig prägte. Das Biopic mit James Cagney widmet sich diesem außergewöhnlichen Künstler mit sichtbarer Bewunderung und fängt die Welt ein, in der Chaney seine Fähigkeiten entwickelte. Zwischen der rauen Atmosphäre des Vaudeville-Theaters und den frühen Tagen Hollywoods entsteht ein charmantes, visuell reizvolles Porträt, das allerdings nicht immer der Versuchung widersteht, das Leben seines Protagonisten in besonders dicke Schichten Melodram zu hüllen. James Cagney liefert als Lon Chaney eine intensive, beeindruckende Darstellung. Er vermittelt die körperliche Anstrengung hinter den aufwendigen Verwandlungen ebenso wie den Ehrgeiz eines Mannes, der sich mit ungewöhnlichen Mitteln einen Platz in einer noch jungen Filmindustrie erkämpft. Chaneys Kunst bestand nicht allein darin, ein Gesicht hinter Make-up und künstlichen Formen verschwinden zu lassen. Seine Verwandlungen waren Ausdruck eines physischen Schauspiels, das Gestik, Haltung und Bewegung zu wesentlichen Bestandteilen seiner Figuren machte. Cagney verleiht diesem Ansatz Nachdruck und macht nachvollziehbar, weshalb Chaney weit mehr war als ein Darsteller hinter einer Maske. Seine Leistung ist das Herzstück des Films und trägt auch jene Passagen, in denen das Drehbuch seine Gefühle und Konflikte allzu deutlich in Richtung des großen Tränendrüsenkinos lenkt. Denn erzählerisch nimmt sich die Produktion beträchtliche Freiheiten. Das Drehbuch arbeitet mit reichlich Pathos, dramatischen Zuspitzungen und einer Sentimentalität, die es bisweilen gehörig übertreibt. Aus dem bewegten Leben eines außergewöhnlichen Künstlers wird stellenweise ein tränenreiches Melodram, das seine Emotionen lieber mehrfach unterstreicht, als dem Publikum Raum für eigene Gedanken zu lassen. Die historische Genauigkeit bleibt dabei auf der Strecke. Wer ein nüchternes, möglichst authentisches Bild von Chaneys Leben erwartet, wird deshalb nicht vollständig zufriedengestellt. Der Film interessiert sich stärker für die emotionale Wirkung seiner Lebensgeschichte als für eine konsequent differenzierte Rekonstruktion der tatsächlichen Ereignisse. Das kann berühren, wirkt jedoch gelegentlich überladen und nimmt dem Porträt einen Teil seiner Glaubwürdigkeit. Seine stärksten Momente findet der Film dort, wo er sich der handwerklichen Seite von Chaneys Arbeit widmet. Mit bemerkenswerter Aufmerksamkeit zeigt er, wie der Künstler seine bahnbrechenden Make-up-Techniken und körperlich anspruchsvollen Verwandlungen entwickelte. Die dafür notwendigen Hilfsmittel, die mühsame Vorbereitung und die physischen Entbehrungen werden als wesentliche Bestandteile eines Berufs sichtbar, der in der frühen Filmgeschichte noch weit von den technischen Möglichkeiten späterer Jahrzehnte entfernt war. Chaney musste seine Effekte selbst erarbeiten und seinen Körper Belastungen aussetzen, die hinter dem fertigen Filmbild leicht in Vergessenheit geraten. Die respektvolle Darstellung dieser Pionierarbeit verleiht dem Biopic einen besonderen Wert, weil sie die Kunstfertigkeit hinter den berühmten Gesichtern ernst nimmt, anstatt sie lediglich als Kuriosität vorzuführen. Auch die Atmosphäre der damaligen Unterhaltungswelt ist gelungen eingefangen. Die Pionierzeit des Stummfilms und die raue Welt des Vaudeville-Theaters erhalten eine visuelle Gestaltung, die gleichermaßen nostalgisch und lebendig wirkt. Der Film vermittelt einen Eindruck von einer Epoche, in der sich die Möglichkeiten des Kinos erst entwickelten und Darsteller mit körperlichem Einsatz, Einfallsreichtum und handwerklichem Geschick neue Ausdrucksformen erschlossen. Die Bühnenwelt und die frühen Filmsets besitzen einen eigenen Charme, der die Geschichte in einem interessanten historischen Umfeld verankert. Gerade in diesen Details zeigt sich, wie reizvoll das Porträt hätte werden können, wenn es seiner Hauptfigur und ihrer Arbeit noch mehr vertraut und weniger auf melodramatische Überhöhung gesetzt hätte. Hinter dem Künstlerporträt steht zugleich die Geschichte eines Mannes, der beruflich hoch aufsteigt und privat mit Verlusten und Rückschlägen konfrontiert wird. Ruhm und Anerkennung sind hier keine geradlinige Erfolgsgeschichte, sondern Teil eines Lebens, in dem persönlicher Einsatz und beruflicher Triumph nicht automatisch zu dauerhaftem Glück führen. Die privaten Konflikte erhalten viel Raum, werden allerdings durch die überbordende Sentimentalität nicht immer so feinfühlig behandelt, wie es die Figur verdient hätte. Trotz dieser Schwächen bleibt die Bewunderung für Chaneys außergewöhnliche Kunst spürbar. Das Biopic ist eine Liebeserklärung an das physische Schauspiel, an die Ausdruckskraft der Pantomime und an eine Generation von Künstlern, die mit ihrem Körper und ihrer Vorstellungskraft die Grenzen des jungen Mediums erweiterten. James Cagney verleiht dieser Hommage die nötige Intensität, während die atmosphärische Gestaltung die Pionierzeit des Kinos lebendig werden lässt. Das übertriebene Melodram und die historischen Freiheiten trüben das Bild, doch die Faszination für einen Mann, der sich durch unzählige Verwandlungen ausdrückte und dabei eine unverwechselbare Kunstform schuf, bleibt bestehen.
Bei einem Klassiker, der inzwischen rund sieben Jahrzehnte auf dem Buckel hat, sollte man keine Wunder erwarten. Die DVD liefert eine wechselhafte Schärfe, die nicht immer vollständig überzeugen kann und gelegentlich etwas weich gezeichnet wirkt. Glücklicherweise hält sich diese Schwäche im Rahmen und beeinträchtigt den Gesamteindruck nicht übermäßig. Der Kontrast präsentiert sich erfreulich gut und sorgt für eine solide Bildwirkung. Auch bei der Detailzeichnung gibt es immer wieder positive Überraschungen, denn stellenweise werden Einzelheiten sichtbar, die für einen Film dieses Alters durchaus bemerkenswert sind. Natürlich ist die Präsentation nicht frei von altersbedingten Einschränkungen, doch der Klassiker schlägt sich auf DVD durchaus ordentlich.
Akustisch geht es überraschend kräftig zur Sache. Die Tonspur bietet eine klare Dialogwiedergabe und konzentriert sich dabei vor allem auf das Geschehen an der Front. Eine ausgeprägte räumliche Klangkulisse sollte man angesichts der frontlastigen Abmischung nicht erwarten. Dafür bleiben die gesprochenen Worte gut verständlich und der Sound hinterlässt einen soliden Eindruck. Keine klangliche Zeitreise mit technischen Wundern, aber eine ordentliche Umsetzung, die dem Klassiker gerecht wird.
Leider bleibt die DVD in Sachen Bonusmaterial komplett blank. Zusätzliche Hintergrundinformationen, Interviews oder andere filmhistorische Beigaben sucht man vergeblich. Gerade bei einem Klassiker dieses Alters wäre ein kleiner Blick hinter die Kulissen durchaus reizvoll gewesen.