


Was auf dem Roten Planeten wirklich geschah, entringt man der schwer traumatisierten Dr. Iris Ryan (Scream-Queen Nora Hayden) erst unter Drogen: ein dreiäugiges Wesen am Bullauge, fleischfressendes Grünzeug, ein See voller Schrecken – und ein Ungeheuer, das die Filmgeschichte nie wieder losgelassen hat: die turmhohe Fledermaus-Ratten-Spinnen-Krabbe. Während Colonel O’Bannion (Gerald Mohr) gegen eine wuchernde Mars-Infektion an seinem Arm kämpft, wird der Crew klar, dass sie auf dem Mars weder allein noch willkommen ist. Und dass eine überlegene Zivilisation längst entschieden hat, was mit Besuchern geschieht, die ein zweites Mal anklopfen
Bestellen: >SHOP!<
Eine fleischfressende Riesenpflanze, ein gigantisches spinnenähnliches Monster und ein Mars, der aussieht, als hätte jemand den gesamten Planeten in einen fiebrigen Farbtraum getaucht: Das Weltraumabenteuer aus dem Jahr 1959 vereint genau jene Mischung aus Einfallsreichtum, handgemachtem Monsterkino und hemmungslosem B-Movie-Charme, die den Science-Fiction-Filmen dieser Ära ihren besonderen Kultstatus eingebracht hat. „Weltraumschiff MR-1 gibt keine Antwort“ ist ein herrlich schräger Vertreter des frühen Weltraumhorrors, dessen technische Begrenzungen heute kaum zu übersehen sind, der daraus aber einen beträchtlichen Teil seines Unterhaltungswerts bezieht. Die Geschichte beginnt mit einer Marsexpedition, von deren Besatzung nur zwei Personen traumatisiert zur Erde zurückkehren. Was auf dem fremden Planeten geschehen ist, wird nach und nach durch ihre Schilderungen enthüllt, wobei Rückblenden und Verhöre unter Hypnose beziehungsweise Beruhigungsmitteln die Ereignisse rekonstruieren. Dieser Rahmen verleiht dem Abenteuer einen gewissen mysteriösen Reiz: Die Überlebenden haben etwas erlebt, das sie sichtlich erschüttert hat, und die Frage nach dem Schicksal ihrer verschwundenen Begleiter hält die Spannung zunächst aufrecht. Auf dem Mars wartet schließlich eine Welt, die sich alles andere als gastfreundlich zeigt. Die Expedition stößt auf Lebensformen, die eher einem Albtraum als einer wissenschaftlichen Entdeckung entsprungen zu sein scheinen. Optisch wagt der Film ein Experiment, das bis heute für Gesprächsstoff sorgt. Die Szenen auf der Marsoberfläche wurden mit einem speziellen rötlichen Farbfilter gestaltet, der der Landschaft einen beinahe surrealen, fieberhaften Schimmer verleiht. Der Planet wirkt dadurch nicht wie eine realistische außerirdische Welt, sondern wie eine künstlich erschaffene Vision aus einem Fiebertraum. Dieser Look ist zweifellos gewöhnungsbedürftig. Während er als kreative Entscheidung und eigenständiger visueller Stil geschätzt werden kann, empfinden andere Zuschauer ihn als anstrengend oder schlicht billig. Der rötliche Schleier lässt die Bilder mitunter eigenartig künstlich erscheinen, verleiht dem Film aber zugleich eine unverwechselbare Optik, die ihn von vielen zeitgenössischen Science-Fiction-Produktionen abhebt. Die Marslandschaft sieht weniger nach wissenschaftlicher Zukunftsvision als nach einem experimentellen Studiokonstrukt aus – und genau das gehört zum eigenwilligen Reiz dieser Produktion. Für die größten Schauwerte sorgen allerdings die Monster. Eine fleischfressende Riesenpflanze und ein gigantisches, spinnenähnliches Untier machen deutlich, dass die Marsmission nicht nur mit unbekannten Landschaften, sondern auch mit äußerst unangenehmen Begegnungen zu kämpfen hat. Die Kreaturen sind handgemacht und entsprechen technisch längst nicht mehr heutigen Sehgewohnheiten. Ihre Bewegungen, ihre Erscheinung und die Art, wie sie in die Szenen eingebunden sind, wirken aus heutiger Sicht ausgesprochen altbacken. Doch wer sich für das klassische Monsterkino der 1950er-Jahre begeistert, dürfte genau darin einen wesentlichen Teil des Vergnügens finden. Die Effekte besitzen einen unverkennbaren Charme, der sich mit digitaler Perfektion kaum ersetzen lässt. Statt makelloser Computeranimationen gibt es hier greifbare Kreaturen, deren groteske Erscheinung und handwerkliche Machart den Film zu einem kleinen Fest für Freunde des Edeltrashes machen. Auch die Dramaturgie folgt nicht immer einem überzeugenden Rhythmus. Das Tempo kann sich stellenweise etwas schleppend anfühlen, und nicht jede Passage entfaltet die Spannung, die das bedrohliche Szenario verspricht. Die Erzählung nimmt sich Zeit, die Erlebnisse der Überlebenden zu rekonstruieren, bevor die Begegnungen auf dem Mars ihre volle Wirkung entfalten. Wer ein durchgehend temporeiches Weltraumabenteuer erwartet, könnte deshalb Geduld benötigen. Die Geschichte besitzt jedoch genügend bizarre Einfälle und monsterhafte Höhepunkte, um das Interesse von B-Movie-Fans aufrechtzuerhalten. Der Kontrast zwischen dem ernsten Tonfall der Expedition und den mitunter grotesken Ereignissen sorgt immer wieder für unfreiwillige Komik. Auch die abschließende Drohung, die aus dem Geschehen hervorgeht, entfaltet heute eine Wirkung, die sich kaum noch ganz ernst nehmen lässt. Der Film versucht, sein Abenteuer mit einem bedrohlichen Nachhall zu versehen, doch die Wirkung kippt durch die Überzeichnung und den unverkennbaren Charme seiner Epoche leicht ins Komische. Das nimmt der Produktion nicht zwangsläufig etwas von ihrem Unterhaltungswert. Im Gegenteil: Der Kontrast zwischen dem dramatischen Anspruch und der tatsächlich erreichten Wirkung macht den Film zu einem besonders reizvollen Fundstück für Freunde älterer Science-Fiction. „Weltraumschiff MR-1 gibt keine Antwort“ ist kein makelloses Meisterwerk des Weltraumkinos, sondern ein wunderbar eigenwilliger Mix aus Monsterabenteuer, Farbexperiment und nostalgischem B-Movie-Vergnügen. Der rötliche Marslook mag polarisieren, die handgemachten Kreaturen sind sichtbar in die Jahre gekommen, und das Erzähltempo verlangt gelegentlich Geduld. Wer sich jedoch auf die Ästhetik und die unbefangene Fantasie der Science-Fiction der 1950er-Jahre einlässt, bekommt einen schrägen Kultfilm, dessen ungewöhnliche Bilder und groteske Monster lange im Gedächtnis bleiben.
Für einen Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1959 präsentiert sich die Blu-ray in den konventionellen Szenen durchaus ansprechend. Ob auf der Erde oder innerhalb des Raumschiffs – die Schärfe überzeugt mit einer guten Klarheit, während der Kontrast solide abgestimmt ist. Das natürliche Filmkorn trägt zusätzlich dazu bei, den ursprünglichen Charakter der Bilder zu bewahren. Ein durchgehend sehr gutes Ergebnis bleibt allerdings außer Reichweite, denn sobald der Film seinen extremen, rot-solarisierten CineMagic-Effekt einsetzt, verändert sich die Bildwirkung deutlich. Die Mars-Sequenzen erscheinen phasenweise stark verwaschen, wodurch feine Details verloren gehen und die Schärfe sichtbar leidet. Das ist zwar Teil der ungewöhnlichen visuellen Gestaltung des Films, kostet die Präsentation technisch aber einiges an Punkten. Zwischen ordentlicher Restaurierungswirkung und bewusst eigenwilliger Bildästhetik bewegt sich die Blu-ray damit auf einem wechselhaften Niveau.
Der deutsche Ton liegt als DTS-HD Master Audio 2.0 Mono vor und präsentiert sich für einen Film dieses Alters erfreulich sauber. Die Dialoge der nostalgischen Synchronfassung bleiben durchgehend klar verständlich und lassen sich problemlos verfolgen. Klangliche Wunder sollte man angesichts des Alters und der Mono-Abmischung natürlich nicht erwarten. Ein räumliches Klangbild bleibt aus, doch das ist bei dieser Vorlage keine wirkliche Überraschung. Stattdessen konzentriert sich die Tonspur auf das Wesentliche und erfüllt ihre Aufgabe zuverlässig. Eine solide Umsetzung, die dem Klassiker akustisch gerecht wird, ohne die Grenzen des ursprünglichen Tonformats überwinden zu können.
Zusätzliches Bonusmaterial hat es leider nicht auf die Blu-ray geschafft. Weder Hintergrundinformationen zur Entstehung noch weitere filmhistorische Beigaben stehen zur Verfügung. Gerade bei einem Science-Fiction-Klassiker aus den Fünfzigern hätte ein kleiner Blick hinter die Kulissen durchaus seinen Reiz gehabt. Doch wer auf Bonusmaterial hofft, landet hier leider in einer ebenso leeren Umlaufbahn wie die Extras-Abteilung selbst.