

Dass die Queen ausgerechnet ein einstiges „Problemkind“ mit dem Orden des British Empire auszeichnen würde, hätte niemand erwartet – am wenigsten John Davidson selbst. In den 1980er Jahren wächst John in einer schottischen Kleinstadt auf und leidet schon als Kind unter heftigen Tics, die erst später als Tourette-Syndrom diagnostiziert werden. Jahre voller Ausgrenzung und starker Medikamente nehmen ihm fast den Lebensmut. Erst die Begegnung mit seinem alten Schulfreund Murray und dessen warmherziger Mutter Dottie bringt eine Wende. Sie akzeptiert John, wie er ist, nimmt ihn in ihre Familie auf und verschafft ihm einen Job im Gemeindezentrum. Dort beginnt für John ein neuer Lebensabschnitt – und der Weg zu Mut, Freundschaft und einem selbstbestimmten Leben.
Bestellen: >SHOP!<
Ein Leben mit Tourette lässt sich nicht auf die bekannten Klischees von unkontrollierten Tics und lauten Ausrufen reduzieren. „Verflucht normal“ schafft es, genau dort anzusetzen und aus dem Leben des Tourette-Aktivisten John Davidson ein herzerwärmendes und zugleich wichtiges Feelgood-Biopic zu machen. Der Film erzählt von Schmerz, Ausgrenzung und den Schwierigkeiten des Andersseins, verliert darüber aber niemals seine Wärme. Regisseur Kirk Jones gelingt eine bemerkenswert ausgewogene Verbindung aus Aufklärung und Unterhaltung. Das Tourette-Syndrom wird verständlich vermittelt, ohne den Film in eine deprimierende Abwärtsspirale zu schicken. Britischer Humor sorgt immer wieder für Leichtigkeit, während die dramatischen Momente deutlich machen, welche Belastungen hinter der Erkrankung und den Reaktionen des Umfelds stecken können. Humor, Drama und Fakten stehen erstaunlich harmonisch nebeneinander. Robert Aramayo verkörpert John Davidson intensiv, feinsinnig und glaubwürdig. Seine Darstellung lebt nicht von übertriebener Effekthascherei, sondern von einer spürbaren Menschlichkeit. Dadurch wird Davidson nicht lediglich zum Träger einer Botschaft, sondern zu einer Figur mit Persönlichkeit, Verletzlichkeit und eigener Stärke. Die emotionale Wirkung entsteht gerade aus dieser glaubwürdigen Darstellung.
Erzählerisch bewegt sich „Verflucht normal“ allerdings nicht immer auf ähnlich eigenständigem Terrain. Die Dramaturgie ist stellenweise etwas zu glatt und brav, gelegentlich sogar recht didaktisch. Klassische Biopic-Pfade werden mehrfach sichtbar, wodurch manche Entwicklungen weniger überraschend erscheinen. Der Film erzählt seine Geschichte gelegentlich so sauber, dass man die nächste Station bereits erkennen kann. Emotional fällt dieser Punkt allerdings kaum ins Gewicht. Die Aufklärung über Tourette steht hier nicht als trockener Lehrstoff neben der Handlung, sondern wird mit den Erfahrungen der Hauptfigur verbunden. Ausgrenzung, Schmerz und die Suche nach einem normalen Umgang mit dem eigenen Anderssein bekommen dadurch eine persönliche Dimension. Vor allem die Haltung des Films verdient Anerkennung. „Verflucht normal“ begegnet seinem Thema mit Feingefühl und vermittelt Dankbarkeit für eine Geschichte, die Verständnis schaffen möchte, ohne Mitleid einzufordern. Die Informationen werden nicht zum Selbstzweck, sondern helfen dabei, einen Blick auf Tourette zu ermöglichen, der über die üblichen Vorstellungen hinausgeht. Ein ehrliches und berührendes Biopic, das erzählerisch zwar gelegentlich zu glatt durch die klassischen Bahnen eines Lebensfilms fährt, emotional aber genau dort ankommt, wo es darauf ankommt. Herzerwärmend, menschlich und mit einer großen Portion britischer Wärme erzählt – und vor allem ein Film, der Aufklärung nicht trocken, sondern mit Feingefühl vermittelt.
Die Bildpräsentation von Verflucht normal setzt auf eine angenehm natürliche Farbgestaltung. Die Farben wirken nicht überzogen, sondern orientieren sich an einem realistischen Look, während der Kontrast eher nüchtern und zurückhaltend abgestimmt wurde. Dadurch entsteht eine unaufgeregte Optik, die sich nicht künstlich in den Vordergrund drängt. Deutlich stärker fällt die Schärfe auf. Diese präsentiert sich glasklar und sorgt gemeinsam mit der feinen Detailzeichnung für eine erfreulich präzise Darstellung. Auch kleinere Strukturen bleiben sauber erkennbar und verleihen dem Bild die nötige Klarheit. Der Schwarzwert bekommt aufgrund der überwiegend helleren Szenengestaltung zwar nicht sonderlich viel Gelegenheit, seine Muskeln spielen zu lassen. Wenn dunklere Bereiche ins Spiel kommen, zeigt er sich allerdings ausreichend kräftig. Eine klare und natürliche Bildpräsentation, die vor allem mit ihrer Schärfe und den feinen Details überzeugen kann.
Akustisch bleibt der Film angenehm sauber. Der Klang präsentiert sich klar und die Dialoge sind grundsätzlich verständlich. Allerdings wurde die Tonspur auffällig leise abgemischt. Das fällt vor allem in den ohnehin sehr ruhigen Momenten auf. Wenn die Umgebung kaum Geräusche liefert und die Stimmen entsprechend allein auf weiter Flur stehen, fehlt es ihnen teilweise an der nötigen Lautstärke. Einige Dialoge werden dadurch schwer verständlich, obwohl die eigentliche Klangqualität sauber bleibt. Technisch gibt es am Klang wenig auszusetzen.
Verdammt, verfickte Scheiße, mehr als den Trailer zum Film gibt es nicht.