


Frühling 1995: Nach der Auflösung der offenen Drogenszene in Zürich ziehen die elfjährige Mia und ihre Mutter Sandrine in ein verschlafenes Städtchen im Zürcher Oberland. Die anfängliche Idylle endet schnell als alte Freunde auftauchen und Sandrine rückfällig wird. Mia flüchtet sich in eine Traumwelt und schmiedet fantastische Pläne für ein Inselleben mit ihrer Mutter, fernab der Drogen. In einer neuen Freundesclique findet Mia bald eine Art Ersatzfamilie und immer mehr auch die Kraft, sich gegen ihre alles beherrschende Mutter aufzulehnen.
Originaltitel: Platzspitzbaby
Regie: Pierre Monnard.
Drehbuch: André Küttel.
Darsteller: Sarah Spale, Luna Mwezi, Jerry Hoffmann, Lea Whitcher, Anouk Petri, Jorik Wenger, Esther Gemsch, Caspar Kaeser, Thomas Hostettler, Emilio Marchisella.
Genre: Drama
Land: Schweiz
FSK: 12 Jahre.
Laufzeit: 100 Minuten.
Bildformat: 1.67:1 / 16:9 Widescreen (1080p).
Sprachen: Deutsch & Schweizer OV
Tonsystem: DTS-HD MA 5.1
Untertitel: deutsch.
Extras: Trailer.
Vertrieb: EuroVideo Medien GmbH
Filmbewertung: 4 von 5 Filmklappen.
Pierre Monnard erzählt mit Platzspitzbaby eine Geschichte, die gerade deshalb so erschüttert, weil sie auf wahren Begebenheiten basiert. Der Film führt mitten hinein in eine Kindheit, die von Drogen, Hoffnungslosigkeit und dem täglichen Überlebenskampf geprägt ist, ohne dabei jemals den Blick für die menschliche Seite seiner Figuren zu verlieren. Als Verfilmung der gleichnamigen Buchvorlage hinterlässt das Drama allerdings einen zwiespältigen Eindruck. Die literarische Vorlage zeichnet ihre Figuren wesentlich vielschichtiger, während der Film vieles vereinfacht und dadurch emotionales Potenzial liegen lässt. Ein Vergleich zwischen Buch und Film bleibt zwar grundsätzlich schwierig, dennoch fällt auf, dass der Verfilmung stellenweise genau jene Tiefe fehlt, die das Buch so eindringlich macht.
Besonders das mitunter etwas oberflächliche Erzählen verhindert, dass einige Figuren ihr gesamtes emotionales Gewicht entfalten können. Dadurch wirken einzelne Charaktere weniger greifbar, als sie es eigentlich sein müssten. Gerade bei einem Stoff, der von seinen Menschen lebt, ist das die größte Schwäche des Films. Dafür überzeugt Platzspitzbaby mit einer hervorragenden Besetzung, die diese erzählerischen Defizite immer wieder auffängt. Die Darsteller verleihen ihren Figuren Glaubwürdigkeit und sorgen dafür, dass die schmerzhaften Momente ihre Wirkung keineswegs verfehlen. Auch die Ausstattung und die Kulissen transportieren die trostlose Atmosphäre dieser Zeit äußerst authentisch.
Immer wieder entstehen Szenen, die wütend machen – vor allem durch das Verhalten der Mutter, deren Entscheidungen kaum nachvollziehbar erscheinen. Gleichzeitig zeigt der Film eindringlich, wie zerstörerisch eine Drogensucht nicht nur das eigene Leben, sondern das gesamte Umfeld verändern kann. Genau in diesen Momenten entfaltet das Drama seine größte Kraft. Nicht jede Szene erreicht die emotionale Wucht, die sie anstrebt, und manches wirkt etwas zu deutlich inszeniert. Dennoch erfüllt Platzspitzbaby seine Aufgabe mit großer Ernsthaftigkeit und berührt immer wieder aufrichtig. Ein bewegendes Drama, das trotz kleiner Schwächen lange nachhallt und mehr als einmal zu tränenreichen Momenten führt.
Bildbewertung: 4 von 5 Fernsehern.
Das Bild liefert gute Details und überwiegend eine hervorragend klare Schärfe. Lediglich wenn die Kamera wackelt, zieht die Schärfe nicht immer klar mit. Als Stilmittel aber völlig hinnehmbar. Der Kontrast präsentiert sich ebenfalls sehr gut, sowie die etwas blasse Farbwiedergabe. Der Schwarzwert ist ausgezeichnet.
Tonqualität: 4 von 5 Soundboxen.
Der Ton punktet mit durchgehend klar verständlichen Dialogen. Auch räumlich ist das Ganze recht packend und insgesamt erklingt der Sound sehr sauber.
Bonusbewertung: 1 von 5 Sternen.
Als Extra gibt es hingegen nur den Trailer zum Film. Schade!
Abspann: Nein! Nach dem Abspann kommt nichts mehr.
Zusätzliche Infos: Der Needle Park in der Schweiz sorgte früher international für Aufsehen. Von 1987 bis 1992 machte sich im „Needle Park“ Europas größte Drogenszene breit – mit hunderten Süchtigen und Dealern.
Wendecover: Ja! Wendecover vorhanden.
EAN: —
VÖ-Kauf: 24. März 2022.
www.eurovideo.de