


Der Schläfer: 1973 segnet der Jazzmusiker Miles Monroe (Woody Allen) im Rahmen einer Routineoperation das Zeitliche – und erwacht 200 Jahre später in einer totalitären Zukunft. Als verkleideter Roboter schlägt er sich durch Überwachung und Absurdität, während die Poetin Luna (Diane Keaton) widerwillig zur Komplizin wird. Science-Fiction war nie komischer und anarchischer als hier.
Der Stadtneurotiker: Der New Yorker Comedian Alvy Singer (Woody Allen) versucht zu verstehen, warum seine Beziehung mit der charmant-exzentrischen Annie Hall (Diane Keaton) gescheitert ist – und erzählt dabei sein Leben in schillernden Fragmenten: direkt in die Kamera, rückwärts, mit Zwischenbemerkungen ans Publikum. Witzig, melancholisch und verblüffend ehrlich.
Manhatten: Isaac (Woody Allen), Mittfünfziger mit Teenager-Freundin (Mariel Hemingway), verliebt sich ausgerechnet in Mary (Diane Keaton) – die Geliebte seines besten Freundes. In Schwarz-Weiß und zu Gershwins Klängen: ein zärtliches, scharfzüngiges Porträt New Yorks und seiner neurotischen Bewohner.
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Drei Filme, drei sehr unterschiedliche Facetten von Woody Allen und zugleich drei Werke, die zeigen, wie weit seine Komödien vom klassischen Slapstick bis zum melancholischen Großstadtfilm reichen können. Die Box versammelt mit „Der Schläfer“, „Der Stadtneurotiker“ und „Manhattan“ drei sehr unterschiedliche Arbeiten, die jeweils ihren eigenen Ton finden und dabei immer wieder um dieselben großen Themen kreisen: Liebe, Beziehungen, menschliche Unsicherheiten und die manchmal ziemlich absurde Suche nach dem eigenen Platz im Leben.
Der Schläfer: Woody Allen schickt sich in „Der Schläfer“ in eine dystopische Zukunft und macht daraus eine Science-Fiction-Satire, die vor allem eines hervorragend beherrscht: hemmungslos albern zu sein. Die vermeintliche Zukunft ist dabei weniger eine ernsthafte Vision als ein ziemlich cleverer Spiegel der 1970er-Jahre-Gegenwart. Technischer Fortschritt, gesellschaftliche Vorstellungen und politische Absurditäten werden durch den typisch schrägen Allen-Humor auf die Spitze getrieben. Als Slapstick-Komödie gehört der Film zu seinen stärkeren Arbeiten. Wortwitz und körperlicher Humor ergänzen sich erstaunlich gut, wobei vor allem die erste Hälfte deutlich mehr Tempo besitzt. Hier jagt ein Gag den nächsten, die Handlung bewegt sich rasant vorwärts und die Inszenierung wirkt entsprechend zündend. Später nimmt das Tempo etwas ab und der Film verliert dadurch einen Teil seiner anfänglichen Energie. Trotzdem bleibt „Der Schläfer“ ein wunderbar alberner Ausflug in eine Zukunft, die letztlich viel mehr über ihre Entstehungszeit erzählt als über die Zukunft selbst.
Der Stadtneurotiker: „Der Stadtneurotiker“ markiert einen ganz anderen Woody Allen. Die Komödie gewann vier Oscars: für den besten Film, die Regie, das Drehbuch und Diane Keaton als beste Hauptdarstellerin. Noch wichtiger als diese Auszeichnungen ist jedoch, wie nachhaltig der Film seine eigene Form gefunden hat. Aus der klassischen linearen Komödie wird eine intelligente Mischung aus Realismus, Melancholie und feinem Humor, in der das Leben selbst zum Gegenstand der Beobachtung wird. Woody Allen und Diane Keaton besitzen eine außergewöhnliche Chemie. Ihre Beziehung wirkt nicht wie eine konstruierte Filmromanze, sondern wie das manchmal chaotische, widersprüchliche und neurotische Zusammenspiel zweier Menschen, die selbst nicht genau wissen, was sie eigentlich voneinander erwarten. Die dialoglastigen Szenen leben von Beobachtungen über Liebe, Beziehungen und das Leben in der Großstadt. Vieles davon wirkt auch Jahrzehnte später erstaunlich frisch, weil Allen nicht versucht, seine Figuren zu idealisieren. Sie dürfen egoistisch, unsicher, nervös, verletzlich und schlicht menschlich sein. Genau daraus entsteht die besondere Stärke des Films. „Der Stadtneurotiker“ ist nicht nur eine weitere Komödie aus Allens umfangreicher Filmografie, sondern ein Meilenstein seiner Art, Humor mit echter menschlicher Unsicherheit zu verbinden. Das Lachen bleibt häufig nur einen kleinen Schritt von der Melancholie entfernt. Ein Meisterwerk, das seine Wirkung bis heute nicht verloren hat.
Manhattan: Schwarz-Weiß, New York und George Gershwins Musik: „Manhattan“ beginnt beinahe wie eine Liebeserklärung an eine Stadt, die sich selbst schon längst für unwiderstehlich hält. Die von Gordon Willis malerisch eingefangenen Bilder verleihen New York eine romantische, beinahe verklärte Schönheit. Die Cinemascope-Aufnahmen machen aus Straßen, Brücken und Gebäuden große Kinomomente und geben dem Film eine visuelle Eleganz, die bis heute beeindruckt. Unter dieser wunderschönen Oberfläche steckt allerdings ein wesentlich weniger romantisches Drehbuch. Allen verbindet scharfsinnigen, melancholischen Humor mit tiefen menschlichen Unsicherheiten und seziert die egozentrischen Probleme intellektueller New Yorker der Oberschicht. Die Figuren beschäftigen sich mit Beziehungen, Lebensentscheidungen und ihren eigenen Befindlichkeiten, während sie gleichzeitig oft ziemlich abgehoben wirken. Genau diese Distanz macht den Film stellenweise sperriger, aber auch interessant. Diane Keaton, Meryl Streep und Mariel Hemingway tragen mit starken Leistungen durch dieses Geflecht aus Selbstzweifeln, Beziehungen und intellektueller Selbstbespiegelung. Die Figuren sind keineswegs immer sympathisch, doch gerade ihre Widersprüche geben dem Film seine menschliche Tiefe. Hinzu kommt die außergewöhnliche Verbindung aus Gordon Willis‘ Schwarz-Weiß-Fotografie und Gershwins Musik, die „Manhattan“ zu einem der visuell und akustisch markantesten Filme Woody Allens macht.
Die drei Filme zeigen damit eindrucksvoll, wie unterschiedlich Woody Allen mit Humor umgehen kann. „Der Schläfer“ lebt von Tempo, Slapstick und Wortwitz, „Der Stadtneurotiker“ verbindet Komik mit Realismus und Melancholie, während „Manhattan“ seine Komödie zunehmend mit einer romantischen und nachdenklichen Großstadtästhetik verbindet. Eine Box, die nicht einfach drei Komödien nebeneinanderstellt, sondern drei sehr unterschiedliche Seiten eines Filmemachers sichtbar macht.
Bei Der Schläfer zeigt sich die Präsentation zunächst angenehm hell und erfreulich sauber. Die vorhandenen Details kommen ordentlich zur Geltung und gerade angesichts des Alters des Films überrascht die Schärfe mit einer erstaunlichen Klarheit. Natürlich darf man kein modernes Hochglanzbild erwarten, doch die Blu-ray holt aus dem Ausgangsmaterial einiges heraus. Die Darstellung wirkt insgesamt angenehm offen und lässt die einzelnen Aufnahmen ausreichend präzise erscheinen. Der Stadtneurotiker schlägt visuell einen etwas anderen Weg ein und überzeugt vor allem mit seinem ausgewogenen Kontrast und einer angenehm natürlichen Farbwiedergabe. Die vorhandene leichte Filmkörnung bleibt sichtbar, fügt sich jedoch sehr harmonisch in die Präsentation ein. Statt das Material künstlich glattzubügeln, bewahrt die Darstellung dadurch einen authentischen filmischen Charakter. Gerade bei einem älteren Werk ist das durchaus die bessere Entscheidung. Mit Manhattan folgt schließlich der wohl markanteste Bildstil der drei Veröffentlichungen. Die Schwarzweißfotografie wird von einem klassischen Filmkorn begleitet, das der gesamten Präsentation eine ausgeprägte Kinoästhetik verleiht. Der Kontrast verstärkt diesen Eindruck zusätzlich und verpasst den Bildern einen beinahe klassischen Film-Noir-Charakter. Die Schatten und hellen Flächen besitzen dadurch eine sehr eigene Atmosphäre. Beim Schwarzwert wäre allerdings noch etwas mehr Tiefe wünschenswert gewesen. Gerade bei einer Schwarzweißproduktion fällt das naturgemäß stärker ins Gewicht.
Akustisch wird das Alter der drei Produktionen deutlich offensichtlicher. Der Schläfer macht dabei noch den rundesten Eindruck. Die Tonspur präsentiert sich sauber und die Dialoge bleiben klar verständlich. Räumliche Spielereien sollte man allerdings nicht erwarten, denn das Klanggeschehen konzentriert sich überwiegend auf den vorderen Bereich. Für eine Produktion dieses Alters ist das jedoch vollkommen nachvollziehbar. Bei Der Stadtneurotiker zeigt sich die Zeitreise etwas deutlicher. Die Dialoge wirken stellenweise matt und besitzen nicht mehr die Klarheit moderner Tonaufnahmen. Dadurch kann es gelegentlich passieren, dass einzelne Gesprächspassagen akustisch etwas untergehen. Grundsätzlich bleibt die Tonspur aber erfreulich sauber und frei von gravierenden Störgeräuschen. Manhattan macht es dem Zuhörer schließlich noch etwas schwerer. Der Klang bleibt nicht nur überwiegend im Frontbereich, teilweise entsteht sogar der Eindruck, dass die Dialoge stärker aus einer einzigen Richtung kommen. Dazu gesellt sich eine gewisse Dumpfheit, die insbesondere bei den Stimmen auffällt. Immerhin bleibt die Wiedergabe frei von störendem Rauschen, wodurch der Gesamteindruck trotz der altersbedingten Einschränkungen ordentlich bleibt.
Und damit kommen wir zu einer Abteilung, die bei Woody Allen traditionell ungefähr so gut gefüllt ist wie ein leerer Kinosaal nach der letzten Vorstellung: gar nicht.
Der Schläfer bietet keine Extras.
Der Stadtneurotiker bietet keine Extras.
Manhattan bietet ebenfalls keine Extras.
Damit ist die Bonusabteilung der gesamten Box schnell abgehandelt. Allerdings gehört das bei Woody Allen beinahe schon zum guten alten Ritual. Der Regisseur hat sich bekanntlich nie besonders viel aus Bonusmaterial gemacht und stellt dementsprechend grundsätzlich nur sehr selten zusätzliches Material zu seinen Filmen zur Verfügung.