

Schuhverkäufer Marty hat nur ein Ziel im Leben: die Tischtennis-Weltmeisterschaft zu gewinnen und der gefeierte Athlet zu werden, für den er sich selbst ohnehin schon hält. Für ein Turnier in London setzt er alles auf eine Karte, muss sich im Finale aber dem Sportstar Endo geschlagen geben. Doch das ist erst der Anfang von Martys Odyssey, der bereit ist, für Ruhm und Erfolg alles zu riskieren.
Marty Supreme ist ein Film, der auf den ersten Blick mit visueller Wucht und stilistischer Konsequenz überzeugt, dabei aber gleichzeitig ein irritierendes Spannungsfeld aus Faszination und Ablehnung erzeugt. Man kann ihn ohne Weiteres als gut gemachtes, formal beeindruckendes Werk beschreiben — und dennoch bleibt nach der Sichtung ein ambivalentes Gefühl zurück, als hätte der Film bewusst eine Distanz zwischen sich und seinem Publikum aufgebaut.
Visuell ist das Werk von Timothée Chalamet in seiner Darstellung und dem gesamten Umfeld des New York der 1950er Jahre ein regelrechtes „cineastisches Inferno“. Die Kameraarbeit, die Dichte der Bilder und die unruhige Energie der Inszenierung erzeugen ein permanentes Gefühl von Bewegung und Überreizung. Die Stadt wirkt nicht wie ein historischer Ort, sondern wie ein vibrierender Organismus aus Ehrgeiz, Gier und sportlichem Wettbewerb. In diesen Momenten entfaltet der Film eine echte Sogwirkung, die kaum zu leugnen ist.
Und doch ist genau diese Energie auch Teil des Problems. Marty Supreme trägt eine gewisse Arroganz in sich, die sich nicht nur in der Figur des Protagonisten, sondern auch in der gesamten Tonalität des Films niederschlägt. Diese Haltung macht ihn schwer zugänglich und in manchen Momenten regelrecht unangenehm. Die Inszenierung wirkt bewusst fordernd, manchmal fast konfrontativ, als wolle sie das Publikum nicht einladen, sondern herausfordern — oder sogar bewusst auf Distanz halten.
Im Zentrum steht dabei eine Hauptfigur, die kaum klassische Identifikationsangebote macht. Marty erscheint als moralisch fragwürdiger, zunehmend unsympathischer Charakter, dessen Handlungen von Egoismus und einem ausgeprägten Machtstreben geprägt sind. Diese Darstellung ist nicht zufällig, sondern offensichtlich konsequent angelegt. Der Film interessiert sich weniger für eine Heldenreise als für die Dekonstruktion eines Erfolgsmythos. Genau dadurch entsteht jedoch ein schwieriges Verhältnis zwischen Zuschauer und Figur.
Timothée Chalamet spielt diese Rolle mit einer auffälligen Kühle, die stellenweise fast nicht mehr zwischen Figur und Darsteller unterscheiden lässt. Seine Performance wirkt so kontrolliert und selbstbewusst, dass sie bewusst jede Form von Sympathie unterläuft. Dadurch entsteht der Eindruck eines Charakters, der sich nicht entwickelt, sondern behauptet — ein Mensch, der seine eigene Arroganz nicht verliert, sondern kultiviert.
Gleichzeitig ist es gerade diese konsequente Zuspitzung, die Marty Supreme formal interessant macht. Die Erzählung ist hektisch, oft überdreht und von einer permanenten inneren Unruhe geprägt. Diese Unruhe überträgt sich direkt auf die Zuschauererfahrung. Der Film will offensichtlich kein bequemes Kino sein, sondern ein intensives, forderndes Erlebnis, das seine Figuren nicht entschärft, sondern in ihrer Härte belässt.
Unter der Prämisse einer fiktionalisierten Sportbiografie entfaltet sich so ein Werk, das sich bewusst gegen klassische Heldenmuster stellt. Statt Inspiration oder emotionaler Auflösung bietet der Film ein Bild von Erfolg, das kalt, brutal und moralisch ambivalent bleibt. Gerade diese Konsequenz macht ihn auf einer rein filmischen Ebene interessant, gleichzeitig aber auch schwer zugänglich.
Denn trotz aller Qualität bleibt der Eindruck bestehen, dass der Film zu lang, zu brutal und in seiner Grundhaltung zu unversöhnlich ist. Die zentrale Figur Marty wirkt weniger wie ein klassischer Protagonist als wie ein bewusst gesetzter Gegenentwurf zu klassischen Sportmythen: ein gewissenloser Narzisst, dessen Erfolg nicht bewundert, sondern eher beobachtet werden soll — mit wachsender Distanz.
Am Ende bleibt Marty Supreme ein widersprüchliches Werk: visuell beeindruckend, formal konsequent und in vielen Momenten filmisch stark — aber zugleich moralisch herausfordernd und emotional bewusst unangenehm. Ein Film, der nicht gefallen will, sondern wirken. Und genau darin liegt sowohl seine Stärke als auch sein größtes Reibungspotenzial.
Der Film setzt bewusst auf einen älteren, rauen Bildstil mit dunklem Kontrast und leichter Körnung, was zunächst etwas gewöhnungsbedürftig wirken kann. Hat man sich darauf eingelassen, überzeugt die Präsentation jedoch mit klarer Schärfe, feinen Details und einem ausgesprochen kräftigen Schwarzwert, der die düstere Optik wirkungsvoll unterstützt.
Klanglich geht der Film ebenso wenig leise vor. Die laute und teils sehr räumliche Abmischung vermittelt die Atmosphäre der Turniere authentisch, sorgt aber auch dafür, dass Dialoge stellenweise untergehen. Trotz dieser Gewichtung bleibt der Sound insgesamt sauber und kraftvoll.
Das Bonusmaterial bewegt sich im üblichen Rahmen und bietet neben mehreren Trailern auch ein rund zwanzigminütiges Making-of mit einigen interessanten Einblicken in die Produktion.