

Ein Routinefall wird für Privatdetektiv Harry D’Amour (Scott Bakula) zu seinem schlimmsten Albtraum, als er auf eine okkulte Sekte stößt, deren Anhänger ihren toten Anführer Nix (Daniel von Bargen) wiederauferstehen lassen wollen. Der dunkle Meister, der von seinen Gefolgsleuten ‚der Puritaner‘ genannt wird, ist zu Lebzeiten ein großer Illusionist gewesen und vor 13 Jahren von seinem besten Zauberschüler Philip Swann (Kevin J. O’Connor) ermordet worden. Heute ist Swann selbst ein berühmter Illusionist, weshalb seine besorgte Frau Dorothea (Famke Janssen) eine späte Rache der fanatischen Puritaner-Jünger befürchtet. Um ihren Mann zu schützen, heuert sie D’Amour als Bodyguard an. Der Auftrag konfrontiert den Ermittler mit magischen Kräften zwischen Illusion und Realität, welche die Hölle auf Erden losbrechen lassen.
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Magie war im Kino schon immer faszinierend. Noch spannender wird sie allerdings dann, wenn sie ihre glitzernde Fassade verliert und stattdessen in finsteren Ritualen, düsteren Visionen und albtraumhaften Bildern endet. Genau diesen Weg schlägt Clive Barker mit Lord of Illusions ein. Statt klassischem Horror oder einem gewöhnlichen Okkultfilm erwartet den Zuschauer eine ungewöhnliche Mischung aus Detektiv-Krimi und übernatürlichem Horror, die ihre ganz eigene Atmosphäre entwickelt und bis heute einen festen Platz in den Herzen vieler Barker-Fans besitzt. Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass hier keine Hochglanzproduktion entstanden ist. Der Film wirkt roh, greifbar und stellenweise herrlich altmodisch – und genau darin liegt ein großer Teil seines Reizes. Über der gesamten Handlung schwebt eine düstere, beinahe traumartige Stimmung, die sich konsequent bis zum Finale hält. Immer wieder verschwimmen Realität und Illusion miteinander, sodass der Zuschauer ähnlich orientierungslos wird wie die Figuren selbst. Diese permanente Unsicherheit erzeugt eine Spannung, die den Film auch über seine gesamte Laufzeit hinweg trägt.
Besonders bemerkenswert sind dabei die zahlreichen handgemachten Effekte. Heute würden viele dieser Szenen vermutlich vollständig am Computer entstehen. Lord of Illusions vertraut dagegen noch auf Masken, praktische Spezialeffekte und klassische Tricktechnik. Genau deshalb besitzt der Film einen wunderbar greifbaren Look, der deutlich mehr Charme versprüht als viele sterile CGI-Produktionen der Gegenwart. Man spürt förmlich die Leidenschaft, mit der diese Effekte entstanden sind, und genau dadurch altern sie oft wesentlich würdevoller als manch digitale Materialschlacht. Ganz ohne Kritik kommt der Film allerdings nicht davon. Schon während der Ermittlungen schleichen sich immer wieder erzählerische Sprünge ein. Manche Zusammenhänge bleiben unklar, einige Szenen wirken, als würden wichtige Zwischenschritte fehlen, und auch bei den Logiklöchern sollte man besser nicht allzu lange verweilen. Wer beginnt, jede Entscheidung der Figuren zu hinterfragen, dürfte relativ schnell aus der Geschichte herausgerissen werden. Vielleicht ist genau das aber der falsche Ansatz.
Lord of Illusions funktioniert deutlich besser, wenn man sich einfach von seiner Atmosphäre treiben lässt. Nicht jede Frage verlangt hier nach einer Antwort. Nicht jede Illusion muss vollständig erklärt werden. Lässt man sich auf diese etwas traumartige Erzählweise ein, entwickelt der Film einen ganz eigenen Sog und macht wesentlich mehr Spaß, als seine Schwächen zunächst vermuten lassen. Etwas schwieriger fällt dagegen die Besetzung ins Gewicht. Während einzelne Figuren durchaus überzeugen können, bleibt der Gesamteindruck hinter Clive Barkers starken Ideen zurück. Gerade einige Nebendarsteller wirken überraschend blass. Ob hier letztlich Budgetgründe eine Rolle gespielt haben, lässt sich zwar nur vermuten, ganz abwegig erscheint dieser Gedanke jedoch nicht. Mit einer durchgehend stärkeren Besetzung hätte Lord of Illusions sicherlich noch deutlich mehr Wirkung entfalten können. Vergleiche mit Clive Barkers früheren Arbeiten muss sich der Film ohnehin gefallen lassen. Hellraiser oder Nightbreed setzen die Messlatte enorm hoch und genau daran gemessen zieht Lord of Illusions letztlich den Kürzeren. Die erzählerischen Schwächen verhindern, dass er dieselbe Klasse erreicht wie Barkers große Meisterwerke. Trotzdem wäre es völlig falsch, den Film deshalb abzuschreiben.
Gerade in Fankreisen genießt Lord of Illusions längst Kultstatus. Vielleicht gerade deshalb, weil er sich nie verbiegen wollte. Er erzählt seine Geschichte auf seine eigene Weise, erschafft seine eigene düstere Welt und besitzt einen unverwechselbaren Stil, den man sofort als Clive Barker erkennt. Noch eine kleine Anmerkung für Sammler und Heimkinofans: Bei der hier veröffentlichten Fassung handelt es sich um den Director’s Cut. Interessanterweise wird das heute kaum noch erwähnt, obwohl von Anfang an ausschließlich diese Version in Deutschland erhältlich war. Wer den Film also hierzulande besitzt, hält bereits die von Clive Barker bevorzugte Schnittfassung in den Händen – auch wenn dies mittlerweile kaum noch auf dem Cover zu finden ist. Unterm Strich bleibt Lord of Illusions ein atmosphärischer Okkult-Horror mit spannender Detektivgeschichte, herrlich handgemachten Effekten und jeder Menge düsterem Charme. Wer bereit ist, über erzählerische Lücken und einige Logikfehler hinwegzusehen, entdeckt einen Film, der zwar nicht an Clive Barkers größte Meisterwerke heranreicht, seinen festen Kultstatus jedoch durchaus nachvollziehbar macht.
Die Bildqualität vermittelt den düsteren Fantasy-Horror von Lord of Illusions mit einer angenehm filmischen Anmutung. Die Schärfe bewegt sich auf einem soliden Niveau und arbeitet die meisten Details sauber heraus, ohne dabei künstlich überzeichnet zu wirken. Das erhaltene Filmkorn fügt sich harmonisch in das Gesamtbild ein und bewahrt den analogen Charme der Produktion. Die Farbgebung bleibt bewusst zurückhaltend und wird von einem dunkel abgestimmten Kontrast getragen, der die geheimnisvolle Atmosphäre wirkungsvoll unterstützt. Lediglich der Schwarzwert hätte etwas satter ausfallen dürfen, um den finsteren Bildern noch mehr Tiefe zu verleihen.
Die verlustfreie DTS-HD-Master-Audio-Abmischung liefert einen insgesamt hochwertigen Klangeindruck, setzt ihre Möglichkeiten jedoch nur teilweise um. Die Tonspur konzentriert sich überwiegend auf den Frontbereich, während die Surround-Lautsprecher nur gelegentlich in das Geschehen eingreifen. Auch direktionale Effekte sind vorhanden, bleiben aber eher dezent und wirken nicht immer vollkommen überzeugend. Dafür punktet die Abmischung mit einer sehr sauberen Wiedergabe: Dialoge sind jederzeit klar verständlich, der Score entfaltet seine mystische Wirkung und auch Umgebungsgeräusche fügen sich harmonisch in das Klangbild ein. Altersbedingte Schwächen sind dabei praktisch nicht wahrzunehmen, sodass der Film akustisch insgesamt einen sehr gepflegten Eindruck hinterlässt.
Beim Bonusmaterial hat Capelight Pictures erfreulicherweise nicht gezaubert, sondern ordentlich abgeliefert. Herzstück der Ausstattung ist der informative Audiokommentar von Clive Barker, der zahlreiche Hintergründe zur Entstehung, den kreativen Entscheidungen und den Unterschieden zwischen Kinofassung und Director’s Cut liefert. Ergänzt wird das Paket durch Interviews, verschiedene Featurettes, Archivmaterial sowie Trailer, die den Blick hinter die Kulissen sinnvoll erweitern. Zwar gibt es noch umfangreicher ausgestattete Sondereditionen, doch auch diese Veröffentlichung bietet genügend interessante Inhalte, um Fans des Films und von Clive Barkers Werk länger zu beschäftigen.