


Es war so abgemacht: Wenn sie es zuhause nicht mehr aushält, soll sie einfach zu ihm nach Berlin kommen. So hatte Rockstar Johnnie (Johannes Kirsch) es Sunnie (Inka Groetschel) versprochen. Und deshalb steht Sunnie jetzt ziemlich verloren am Berliner Bahnhof Zoo, vor ihren Augen der ganz normale Großstadt Wahnsinn: Penner, Punks und Nachtschwärmer, dazwischen Menschen auf dem Weg zur Arbeit. Die junge Ausreißerin nimmt die U-Bahn Linie 1 nach Kreuzberg, wo Johnnie angeblich wohnen soll. Auf ihrer Fahrt lernt sie die schillerndsten und abgedrehtesten Typen der Metropole kennen und schließt neue Freundschaften. Wird sie mit Hilfe von Bambi (Dieter Landuris) und Maria (Ilona Schulz) ihren Traumprinzen finden?
Originaltitel: Linie 1
Regie: Reinhard Hauff.
Drehbuch: Reinhard Hauff, Volker Ludwig.
Darsteller: Thomas Ahrens, Hark Bohm, Claus-Peter Damitz, Eva Ebner, Tilman Eichstädt, Bruno Ferrari, Jörg Friedrich, Inka Victoria Groetschel, Dieter Hildebrandt, Hansi Jochmann, Annette Kluge, Johannes Krisch.
Genre: Musical
Land: Deutschland
FSK: 12 Jahre.
Laufzeit: 100 Minuten.
Bildformat: 1.78:1 / 16:9 Widescreen (1080p).
Sprachen: Deutsch.
Tonsystem: DTS-HD MA 2.0
Untertitel: deutsch.
Extras: Trailer.
Vertrieb: STUDIOCANAL / ARTHAUS
Filmbewertung: 4 von 5 Filmklappen.
Manche Filme sind untrennbar mit ihrer Stadt verbunden. Linie 1 ist nicht einfach nur ein Musical, sondern eine Liebeserklärung an ein ganz bestimmtes Berlin – rau, bunt, chaotisch, schrill und voller eigenwilliger Charaktere. Regisseur Reinhard Hauff brachte Ende der 1980er Jahre das bereits legendäre Bühnenmusical des GRIPS Theater auf die Leinwand und schuf damit einen Film, der bis heute Kultstatus genießt.
Natürlich merkt man dem Film sein Alter und seine Entstehungszeit an. Vieles wirkt heute bewusst künstlich, manches sogar ausgesprochen theatralisch. Doch genau darin liegt ein großer Teil seines Charmes. Die Studiokulissen wirken keineswegs wie ein Nachteil, sondern fügen sich perfekt in die märchenhafte und zugleich satirische Erzählweise ein. Mit viel Liebe zum Detail wurde ein Berlin erschaffen, das typisch für die damalige Zeit erscheint: graue Fassaden, Bahnhöfe und U-Bahn-Schächte treffen auf knallige Farben, exzentrische Mode und das unbeschwerte Lebensgefühl der 1980er Jahre. Diese Mischung verleiht dem Film einen ganz eigenen Look, der bis heute unverwechselbar geblieben ist.
Besonders lebt Linie 1 jedoch von seiner Energie. Die Songs gehen direkt ins Ohr, die Figuren wirken wie Karikaturen und gleichzeitig wie echte Menschen, die man jeden Tag auf der Straße treffen könnte. Nicht jeder musikalische Beitrag funktioniert heute noch genauso gut wie damals. Einige Texte und Themen stammen unverkennbar aus einer anderen Zeit. Doch vielleicht liegt genau darin auch eine gewisse Schönheit. Der Film erinnert an eine Gesellschaft, die sich erlaubte, albern, laut und unangepasst zu sein. Während heute vieles ernster und oftmals auch verbissener erscheint, feiert Linie 1 das Verrückte, das Schräge und das Anderssein.
Die Darsteller tragen diesen Geist mit sichtbarer Freude durch den gesamten Film. Ständig wird gesungen, getanzt, gestritten und gelacht. Dabei entstehen immer wieder Momente voller Berliner Schnauze, die den Humor des Films prägen. Die flotten Sprüche und die oftmals frechen Dialoge sorgen dafür, dass selbst ruhigere Passagen nie langweilig werden. Gleichzeitig steckt hinter all dem Klamauk eine erstaunlich warmherzige Beobachtung der Großstadt und ihrer Bewohner.
Was den Film letztlich so zeitlos macht, ist sein Gefühl von Freiheit. Linie 1 möchte keine perfekte Welt zeigen, sondern eine lebendige. Eine Welt voller Spinner, Träumer, Außenseiter und Menschen, die ihren eigenen Weg suchen. Genau deshalb funktioniert das Musical auch heute noch. Wer bereit ist, sich auf diesen ganz eigenen Rhythmus einzulassen, bekommt nicht nur einen Kultfilm geboten, sondern auch eine kleine Reise in ein Berlin, das es so längst nicht mehr gibt. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft dieses wunderbar schrägen Films: Die Welt ist ohnehin ernst genug. Also lieber ein bisschen verrückt bleiben. Denn verloren ist am Ende nur, wer den Spaß am Leben vergisst.
Bildbewertung: 4 von 5 Fernsehern.
Das überarbeitete Bild ist erstklassig. Zwar sind noch leichte Körnungen zu erkennen, aber das Bild sieht von Anfang bis Ende einfach nur großartig aus. Als wäre der Film erst in der heutige Zeit gedreht. Hervorragende Details, eine knackig-klare Schärfe, ein heller Kontrast und schöne und stimmige Farben. Selbst der Schwarzwert kommt satt daher.
Tonqualität: 4 von 5 Soundboxen.
Der Sound erklingt insgesamt sehr sauber, leider stechen manche Dialoge nicht so hervor wie man es sich wünschen würde. Dennoch ist alles ausreichend verständlich. Räumliche Akzente sind relativ Wenige gegeben, da erklingt der Film doch mehr wie ein Musical. Wenn man vor einer einfachen Bühne sitzt und der Ton nur von dort käme. Ein Paar Akzente sind aber gegeben, nur fallen sie nicht ins Gewicht.
Bonusbewertung: 2 von 5 Sternen.
Das zusätzliche Bonusmaterial besteht aus einigen Interviews aus der heutigen Zeit. Original aus den 80ern ist nur der Original Trailer von damals. Schade!
Abspann: Nein! Nach dem Abspann kommt nichts mehr.
Zusätzliche Infos: —
Wendecover: Ja! Wendecover vorhanden.
EAN: —
VÖ-Kauf: 25. August 2022.
www.studiocanal.de