

Die schlaue, ehrgeizige Joan will nur eines: dazugehören. An ihrer Highschool zählen Aussehen, Likes und Beliebtheit mehr als alles andere. Als sie von einem geheimen, experimentellen Verfahren erfährt, das ihr ein vollkommen neues Äußeres verspricht, trifft sie eine folgenschwere Entscheidung. Doch je näher Joan ihrem Traum vom perfekten Leben kommt, desto mehr verliert sie sich selbst. Zwischen Social Pressure, falschen Idealen und echter Freundschaft muss sie herausfinden, wer sie wirklich sein will – und was sie bereit ist, dafür zu opfern.
Originaltitel: Slanted
Schönheit verkauft alles. Hautfarbe gleich mit. Willkommen in einer Welt, in der Vielfalt auf Hochglanzplakaten gefeiert wird, solange sie den Schönheitsidealen entspricht. Amy Wang nimmt diese scheinheilige Fassade, zerlegt sie mit einem genüsslichen Lächeln in ihre Einzelteile und näht sie anschließend mit rostigem Draht wieder zusammen. Heraus kommt Slanted – eine Science-Fiction-Satire, ein Body-Horror-Film und eine gesellschaftliche Ohrfeige, die so elegant verteilt wird, dass man den Schmerz erst bemerkt, wenn der Abspann längst läuft.
Die Geschichte klingt zunächst wie eine absurde Idee aus einem bösen Fiebertraum. Die chinesisch-amerikanische Highschool-Schülerin Joan Huang träumt davon, endlich dazuzugehören. Nicht mehr angestarrt werden. Nicht mehr ausgegrenzt werden. Nicht mehr gegen Vorurteile ankämpfen müssen. Also entscheidet sie sich für eine experimentelle Operation, die sie buchstäblich in eine weiße Frau verwandelt. Schon dieser Gedanke ist derart grotesk, dass man unweigerlich lachen möchte. Doch Amy Wang dreht den Spieß sofort um. Das Lachen bleibt im Hals stecken, weil hinter dieser herrlich überzeichneten Prämisse eine Wahrheit lauert, die erschreckend real wirkt.
Gerade diese gnadenlose Übertreibung macht Slanted so brillant. Der Film schreit seine Botschaft nicht einfach heraus, sondern hämmert sie mit chirurgischer Präzision in das eigene Wohlfühldenken hinein. Anpassungsdruck, Rassismus, Schönheitswahn und gesellschaftliche Erwartungen werden nicht bloß angesprochen, sondern regelrecht seziert. Dabei entwickelt der Film eine Lust an der Provokation, die beinahe ansteckend wirkt. Mal boshaft, mal pechschwarz komisch und immer wieder herrlich kontrovers betrachtet Amy Wang eine Gesellschaft, die Diversität predigt, aber Uniformität belohnt.
Shirley Chen trägt diesen Wahnsinn mit beeindruckender Sicherheit. Sie spielt Joan nicht als Opfer, sondern als junge Frau, die verzweifelt versucht, in einem System zu funktionieren, das sie niemals wirklich akzeptieren wird. Gerade dadurch gewinnen ihre Entscheidungen eine schmerzhafte Nachvollziehbarkeit. Auch Mckenna Grace fügt sich hervorragend in dieses bissige Ensemble ein und unterstreicht, wie stark der Film insgesamt besetzt wurde.
Visuell darf man Slanted ohne schlechtes Gewissen feiern. Die Mischung aus grellbunter Highschool-Satire und unangenehm körperlichem Horror funktioniert erstaunlich gut. Als hätte Girls Club beschlossen, gemeinsam mit David Cronenberg einen Albtraum über Schönheitsoperationen zu drehen. Dieses Nebeneinander aus makelloser Oberfläche und körperlichem Verfall entwickelt einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Es ist unangenehm. Es ist verstörend. Es ist manchmal sogar widerlich. Und genau deshalb funktioniert es so hervorragend.
Ganz frei von Fehltritten bleibt der Film allerdings nicht. Gelegentlich schlägt Amy Wang etwas zu fest mit dem Vorschlaghammer zu. Einige Figuren geraten zu sehr zu politischen Symbolen und verlieren dadurch ein Stück ihrer Menschlichkeit. Auch die Identitätssuche besitzt eigentlich wesentlich mehr Facetten, als der Film ihr stellenweise zugesteht. Dort, wo feinere Zwischentöne vielleicht noch nachhaltiger gewirkt hätten, entscheidet sich Slanted lieber für maximale Konfrontation. Das ist mutig, kostet aber hin und wieder emotionale Tiefe.
Ebenso schlachtet der Film seine starke Grundidee stellenweise bewusst unangenehm aus. Das gehört zwar zur satirischen Strategie, sorgt aber dafür, dass sich einzelne Szenen fast schon genüsslich in ihrem Unbehagen suhlen. Wer subtilere Gesellschaftskritik bevorzugt, dürfte sich daran durchaus stoßen. Doch genau darin liegt letztlich auch die kompromisslose Stärke dieses Films. Slanted möchte nicht gefallen. Der Film möchte reizen, provozieren und Diskussionen auslösen. Er hält seinem Publikum einen Spiegel vor, nur dass dieser Spiegel vorher gründlich verzerrt wurde, damit man die Realität dahinter überhaupt wieder erkennt.
Amy Wang ist mit Slanted ein Werk gelungen, das gleichzeitig verstört, unterhält, provoziert und zum Nachdenken zwingt. Nicht jede Idee landet punktgenau, nicht jede Zuspitzung entfaltet dieselbe Wirkung. Doch der Mut, eine derart radikale Metapher bis an ihre schmerzhaften Grenzen auszureizen, verdient größten Respekt. Zwischen bitterböser Satire, Body-Horror und scharfzüngiger Gesellschaftsanalyse entsteht ein Film, der immer wieder einen abstrakten, provokativen Beigeschmack hinterlässt. Genau dieser macht Slanted zu einem außergewöhnlichen Erlebnis – verstörend, unbequem und auf seine ganz eigene Weise geradezu genial.
Schon bei der Bildgestaltung überrascht Slanted mit einer interessanten stilistischen Entscheidung. Entgegen der Angabe auf dem Cover beginnt der Film zunächst im klassischen 4:3-Format und wechselt erst später ins moderne 16:9-Breitbild. Dieser bewusste Formatwechsel spiegelt den Wandel der Hauptfigur eindrucksvoll wider und unterstreicht das zentrale Thema des Films auf visuelle Weise. Technisch überzeugt die Blu-ray mit einer klaren Schärfe und einer sauberen Detailzeichnung. Auffällig ist zudem das bewusst intensive Color Grading: Helle, fast überzeichnete Kontraste und kräftige Farben erzeugen einen künstlich perfekten Look, der das Schönheitsideal, um das sich die Geschichte dreht, treffend widerspiegelt. Die Bildsprache wird damit selbst zu einem Teil der Erzählung.
Die Tonspur präsentiert sich kraftvoll und durchgehend sauber abgemischt. Dialoge und Musik harmonieren ausgezeichnet miteinander, während der Soundtrack die emotionale und satirische Ausrichtung des Films wirkungsvoll begleitet. Die Dynamik fällt erfreulich lebendig aus und verleiht den unterschiedlichen Stimmungen genügend Ausdruck. Räumliche Effekte spielen hingegen kaum eine Rolle, wodurch sich die Abmischung überwiegend auf den Frontbereich konzentriert. Der guten Klangqualität schadet dies jedoch nur wenig.
Beim Bonusmaterial fällt der Blick in den Spiegel deutlich nüchterner aus. Außer dem Trailer zum Film gibt es keinerlei zusätzliche Inhalte. Für eine Veröffentlichung, die sich so intensiv mit Oberflächen und Perfektion beschäftigt, hätte man dem Bonusprogramm durchaus etwas mehr Glanz verleihen dürfen.