

Nach dem Zusammenbruch der UdSSR wird der ehemalige Künstler und Reality-TV-Produzent Vadim Baranov zum Spindoktor eines aufstrebenden KGB-Agenten, Wladimir Putin. Jahre später bricht er schließlich sein Schweigen und enthüllt die Machtmaschinerie, die er selbst mitgeschaffen hat. Ein spannendes politisches Intrigenspiel, das vor dem Hintergrund aktueller politischer Spannungen und medialer Manipulation besondere Brisanz gewinnt und dessen Auswirkungen bis in die heutige Zeit spürbar sind – DER MAGIER IM KREML lässt tief in die Strukturen der Macht blicken.
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Macht flüstert selten. Meistens spricht sie leise, während um sie herum die Welt immer lauter wird. Genau dieses Gefühl zieht sich durch Der Magier im Kreml. Türen öffnen sich, Allianzen entstehen und zerbrechen, Gesichter wechseln ihre Masken, während hinter den Kulissen längst die nächsten Züge vorbereitet werden. Man schaut diesem Spiel nicht einfach zu – man gerät unweigerlich hinein. Olivier Assayas inszeniert sein Politdrama mit einer Dichte, die beinahe greifbar wird. Jede Begegnung scheint Bedeutung zu besitzen, jedes Gespräch könnte die Richtung der Geschichte verändern. Dabei entstehen immer wieder faszinierende Momente, in denen weniger das Gesagte als das Ungesagte die eigentliche Spannung erzeugt. Gerade darin liegt die große Stärke des Films. Er interessiert sich nicht für plakative Antworten, sondern für die Mechanismen der Macht, für Manipulation, Einfluss und die Menschen, die zwischen all diesen Ebenen ihren Platz suchen.
Getragen wird das Ganze von einem hervorragend aufgelegten Ensemble. Paul Dano überzeugt mit einer angenehm zurückhaltenden Intensität, während Jude Law seiner Figur eine Präsenz verleiht, die den Bildschirm förmlich beherrscht. Beide liefern sich kein klassisches Schauspielduell, sondern ergänzen sich auf bemerkenswerte Weise. Das Zusammenspiel wirkt präzise, glaubwürdig und verleiht selbst langen Dialogpassagen eine enorme Spannung. Gerade weil der Film so viele politische, gesellschaftliche und persönliche Ebenen miteinander verknüpfen möchte, überschlagen sich die Ereignisse allerdings zunehmend. Fast jede Szene eröffnet einen neuen Gedanken, führt neue Figuren ein oder erweitert den Blick auf das große Ganze. Das ist faszinierend, aber zugleich auch die größte Schwäche des Films. Mit seinen 145 Minuten wirkt Der Magier im Kreml erstaunlicherweise gleichzeitig zu lang und zu kurz. Zu lang, weil die Fülle an Informationen kaum Luft zum Atmen lässt. Zu kurz, weil viele dieser interessanten Ansätze kaum die Zeit bekommen, sich wirklich zu entfalten.
Hier stellt sich unweigerlich die Frage, ob weniger nicht tatsächlich mehr gewesen wäre. Das Material besitzt genügend Substanz, um daraus eine Trilogie oder zumindest mehrere Kapitel entstehen zu lassen. Manche Entwicklungen hätten von mehr Raum profitiert, anstatt sich gegenseitig beinahe zu überholen. Trotzdem schmälert das die Qualität des Films nur bedingt. Denn langweilig wird es keine Minute. Dafür ist Assayas‘ Inszenierung viel zu elegant und die Thematik viel zu spannend. Der Film fordert Aufmerksamkeit, Konzentration und die Bereitschaft, sich auf komplexe Zusammenhänge einzulassen. Wer dazu bereit ist, wird mit einem ebenso faszinierenden wie beklemmenden Blick hinter die Kulissen politischer Machtspiele belohnt.
Einen direkten Vergleich mit dem gleichnamigen Roman von Giuliano da Empoli möchten wir bewusst nicht ziehen. Literatur und Kino erzählen auf völlig unterschiedliche Weise. Was der Film allerdings zweifellos schafft: Er macht neugierig. Neugierig auf die Vorlage, auf ihre Figuren und auf all jene Facetten, die sich zwischen den Seiten möglicherweise noch ausführlicher entfalten dürfen. Der Magier im Kreml ist kein leicht konsumierbares Politdrama, sondern ein intelligentes, spannendes und hervorragend gespieltes Werk, das seine Zuschauer fordert. Vielleicht etwas zu viel auf einmal – aber gerade deshalb bleibt es lange im Gedächtnis.
Die Bildqualität überzeugt mit einer beeindruckend präzisen Darstellung und einer glasklaren Schärfe, die selbst feinste Strukturen mühelos sichtbar macht. Das bewusst kühl gehaltene Color Grading verleiht dem Film eine distanzierte, beinahe frostige Ausstrahlung, die hervorragend zur politischen Spannung und den undurchsichtigen Machtspielen passt. Die feine Detailzeichnung sorgt dafür, dass jede Mimik und jede sterile Umgebung ihre volle Wirkung entfalten. Lediglich der Schwarzwert bleibt etwas hinter dem ansonsten hohen Niveau zurück und hätte in dunkleren Szenen noch etwas kräftiger ausfallen dürfen.
Klanglich setzt der Film auf subtile statt laute Töne. Die Dialoge stehen jederzeit klar im Mittelpunkt und werden von einer ausgesprochen sauberen Abmischung getragen. Der zurückhaltend eingesetzte Score verstärkt die unterschwellige Spannung, ohne sich aufzudrängen. Auch die Dynamik ist stimmig dosiert und unterstützt die ruhigen, aber intensiven Momente wirkungsvoll. Insgesamt entsteht eine elegante Tonkulisse, die den nüchternen Charakter des Films passend begleitet.
Das Bonusmaterial beschränkt sich auf einige Interviews mit Cast und Crew sowie B-Roll-Material von den Dreharbeiten. Inhaltlich durchaus interessant, insgesamt jedoch das übliche Standardprogramm ohne größere Überraschungen.