

Grace hat die Nacht des Grauens überlebt – zumindest körperlich. Schwer gezeichnet von den Ereignissen wird sie in ein Krankenhaus gebracht, doch Sicherheit findet sie dort nicht. Während sie um ihre Genesung ringt, setzt eine jahrhundertealte Machtstruktur eine verhängnisvolle Kettenreaktion in Gang. Mit dem Auslöschen des einst herrschenden Familienzweigs wurde ein verborgenes Ritualgesetz aktiviert, das tief in den okkulten Überlieferungen der Elite verankert ist.
Im Zentrum dieses Machtgefüges steht der sogenannte „Hohe Stuhl“ – ein Amt von nahezu unbegrenztem Einfluss, das seit Generationen von den mächtigsten Familien im Verborgenen besetzt wird. Nun ist dieser Platz verwaist. Um ihn entbrennt ein gnadenloser Kampf, in dem Intrigen, Verrat und Gewalt die einzigen Regeln sind.
Für Grace wird die Situation schnell zur tödlichen Bedrohung: Eine alte Bestimmung erklärt sie zum Schlüssel der Nachfolge. Wer ihr Leben beendet, erwirbt nicht nur den Anspruch auf den Hohen Stuhl, sondern erhält Zugriff auf die Macht, mit der die Geschicke der Welt aus den Schatten heraus gelenkt werden. Gejagt von skrupellosen Anwärtern und gefangen in einem Netz aus dunklen Geheimnissen muss Grace erneut um ihr Überleben kämpfen – diesmal gegen Gegner, die über unvorstellbare Ressourcen verfügen und vor nichts zurückschrecken.
Originaltitel: Ready or Not: Here I Come
Fortsetzungen haben es oft schwer. Entweder wird ihnen vorgeworfen, lediglich eine Wiederholung des Erfolgsrezepts zu sein, oder sie entfernen sich zu weit vom Original und verlieren dadurch ihren eigentlichen Reiz. Ready or Not 2 bewegt sich genau zwischen diesen beiden Extremen und macht dabei vieles richtig. Die Geschichte schließt direkt an die Ereignisse des Vorgängers an und setzt die rabenschwarze Mischung aus Horror, Komödie und blutigem Chaos konsequent fort. Gerade deshalb wirkt die Fortsetzung keineswegs wie ein unnötiger Nachzügler, sondern vielmehr wie eine natürliche Weiterführung dessen, was bereits den ersten Film so unterhaltsam gemacht hat.
Interessant ist dabei vor allem, dass viele Zuschauer den Film entweder deutlich schwächer oder überraschend stärker als seinen Vorgänger einstufen. Wir würden uns dieser Diskussion allerdings nicht anschließen. Ready or Not 2 ist weder besser noch schlechter, sondern bewegt sich qualitativ auf einem sehr ähnlichen Niveau. Er besitzt damit absolut seine Daseinsberechtigung. Wer den schwarzen Humor, die bösen Spitzen und die völlig überdrehte Gewalt des ersten Teils mochte, wird sich auch hier sofort wieder zuhause fühlen. Die Fortsetzung versucht nicht krampfhaft alles größer oder spektakulärer zu machen, sondern konzentriert sich darauf, erneut eine herrlich durchgeknallte Horrorfahrt zu liefern.
Im Mittelpunkt steht selbstverständlich erneut Samara Weaving, die sich mittlerweile endgültig als moderne „Scream Queen“ etabliert hat. Bereits im ersten Film war sie das Herzstück der Geschichte und auch hier beweist sie wieder eindrucksvoll, warum sie in diesem Genre so hervorragend funktioniert. Zwischen Panik, Wut, Sarkasmus und purem Überlebenswillen bewegt sie sich mit einer Leichtigkeit, die den Zuschauer sofort mitreißt. Dabei schafft sie etwas, das längst nicht jeder Horrorfilm schafft: Man fiebert tatsächlich mit ihrer Figur mit, selbst wenn um sie herum das totale Chaos ausbricht.
Doch auch die Neuzugänge bringen frischen Wind in die Reihe. Besonders erfreulich ist das Auftauchen von Sarah Michelle Gellar, deren Präsenz bei Genrefans ohnehin sofort nostalgische Gefühle weckt. Ebenso überzeugt Elijah Wood, der sichtbar Freude an seiner Rolle hat und mit seiner unverwechselbaren Art einige der unterhaltsamsten Momente des Films liefert. Gerade Wood scheint jede Sekunde auszukosten und fügt sich wunderbar in die schräge Tonalität des Films ein.
Handwerklich bleibt die Inszenierung dabei eher klassisch. Die Action und die zahlreichen Gewaltszenen werden solide und ohne große Experimente umgesetzt. Manche mögen genau das kritisieren, doch letztlich braucht der Film auch keine kunstvollen Kamerafahrten oder besonders ausgefallene Regieeinfälle. Denn der eigentliche Star ist hier das blutige Gemetzel selbst. Die Splatter-Szenen sind herrlich überzogen, teilweise absurd brutal und genau so inszeniert, wie es Fans dieser Art von Unterhaltung erwarten. Immer wieder sorgt der Film mit seinen Einfällen für staunende Blicke und ein breites Grinsen.
Was Ready or Not 2 letztlich so sympathisch macht, ist seine völlige Kompromisslosigkeit. Der Film weiß genau, was er sein möchte. Er will keine tiefgründige Gesellschaftsstudie sein, kein psychologischer Horrorfilm und auch kein anspruchsvolles Charakterdrama. Stattdessen liefert er Fun, Tempo, schwarzhumorige Einfälle und reichlich Kunstblut. Genau deshalb funktioniert die Fortsetzung so gut. Sie nimmt sich nie wichtiger als nötig und verliert dabei nie den Spaß am eigenen Wahnsinn.
Am Ende bleibt ein Film zurück, der die Stärken des Vorgängers bewahrt und gleichzeitig genügend neue Gesichter und Ideen mitbringt, um nicht wie eine bloße Kopie zu wirken. Für Fans des ersten Teils ist das genau die Art von Fortsetzung, die man sich gewünscht hat: blutig, böse, überdreht und mit einer hervorragend aufgelegten Besetzung. Manchmal genügt das vollkommen, um einen verdammt unterhaltsamen Horrorabend zu garantieren.
Das Bild spielt sein tödliches Versteckspiel auf technisch hohem Niveau. Das auffällige Color Grading mag zunächst etwas gewöhnungsbedürftig wirken, verleiht dem Film jedoch einen eigenen Charakter und passt hervorragend zur makabren Mischung aus Horror und schwarzem Humor. Die Schärfe präsentiert sich messerscharf und arbeitet selbst kleinste Details sauber heraus. Wenn das Chaos ausbricht, leuchtet das Blut in satten Farben durch die Dunkelheit und setzt bewusst markante Akzente. Unterstützt wird dies von einem kräftigen Schwarzwert und einem düster abgestimmten Kontrast, der die unheilvolle Atmosphäre des Films wirkungsvoll einfängt. Insgesamt eine Bildpräsentation, die ihre Zuschauer nicht lange im Dunkeln tappen lässt.
Auch akustisch wird die Jagd auf die Sinne eröffnet. Die Tonspur überzeugt mit einer sauberen und detailreichen Abmischung, die sowohl die ruhigen Spannungsmomente als auch die späteren Ausbrüche überzeugend transportiert. Dialoge bleiben jederzeit klar verständlich, während Umgebungsgeräusche und musikalische Akzente für die passende Portion Nervenkitzel sorgen. Die Dynamik zieht dabei immer wieder überraschend an und verleiht den hektischen Situationen die nötige Durchschlagskraft. So entsteht ein Klangbild, das die Atmosphäre des Films gekonnt zwischen schwarzem Humor und blutiger Eskalation balanciert.
Beim Bonusmaterial wird nicht lange Verstecken gespielt. Gleich zwei Audiokommentare liefern reichlich Hintergrundinformationen aus unterschiedlichen Perspektiven der Produktion. Besonders umfangreich fällt die mehrteilige Making-of-Dokumentation aus, die von der Entstehung des Drehbuchs über die Besetzung bis hin zu den aufwendig umgesetzten Effekten zahlreiche Einblicke gewährt. Ergänzt wird das Paket durch weitere Featurettes und einen unterhaltsamen Gag Reel, der zeigt, dass hinter all dem filmischen Blutvergießen offenbar jede Menge Spaß am Set herrschte. Insgesamt ein äußerst gelungenes Bonusangebot, das Fans des Films viele zusätzliche Eindrücke liefert.