

Ein gewöhnlicher Arbeitstag in einem abgelegenen Supermarkt verwandelt sich in einen Albtraum, als ein verletztes Paar Zuflucht vor einer brutalen Gang sucht. Innerhalb weniger Minuten wird das Geschäft zur Festung – und die Eingeschlossenen stehen vor einer unmenschlichen Entscheidung: Die Fremden ausliefern oder sich den Aggressoren entgegenstellen? Während die Nacht hereinbricht und die bewaffneten Angreifer versuchen, in das Gebäude einzudringen, eskaliert die Situation zu einem erbarmungslosen Überlebenskampf. Misstrauen, Angst und verborgene Geheimnisse treiben die Belagerten an ihre Grenzen.
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Ein abgelegener Supermarkt in Nordschweden ist nun wirklich nicht der erste Ort, an dem man eine Belagerung auf Leben und Tod erwarten würde. Für eine Verkäuferin wird er allerdings ziemlich schnell zum denkbar ungünstigsten Arbeitsplatz. Als sie eine Frau aus einer Kiste befreit und diese kurz darauf gemeinsam mit einem blutüberströmten Mann vor maskierten Verfolgern flüchtet, verwandelt sich der unscheinbare Laden in eine improvisierte Festung. Mehr braucht „We Die Tonight“ eigentlich gar nicht, um seine eigentliche Stärke auszuspielen: Kompromisslosigkeit. Das Grundprinzip ist keineswegs neu. Menschen verschanzen sich an einem begrenzten Ort und müssen sich gegen eine Bedrohung behaupten – das hat das Kino schon in Hochhäusern, Polizeistationen und zahlreichen anderen Schauplätzen durchexerziert. Wer mit „Assault – Anschlag bei Nacht“ beziehungsweise insbesondere mit dessen Remake „Das Ende“ etwas anfangen kann, wird sich in dieser nordschwedischen Variante schnell zurechtfinden. Richard Holm erfindet das Rad nicht neu, stellt es aber an einen ziemlich interessanten Ort und lässt es dort ordentlich rollen.
Der Supermarkt funktioniert als Schauplatz erstaunlich gut. Die überschaubare Größe des Settings wird nicht zum Hindernis, sondern entwickelt sich zum Vorteil. Wenige Räume, begrenzte Fluchtmöglichkeiten und eine düstere Atmosphäre erzeugen eine angenehm klaustrophobische Wirkung. Der Film muss dafür kein riesiges Szenario auffahren. Klein, aber fein ist hier tatsächlich die passende Beschreibung – wobei „fein“ angesichts der Härte durchaus mit einem gewissen Augenzwinkern verstanden werden darf. „We Die Tonight“ ist ein fieser, schnörkelloser Thriller, der seine Wirkung vor allem aus der direkten Konfrontation und einer ordentlichen Portion Härte bezieht. Die Geschichte selbst muss dafür keine besonderen Kunststücke vollbringen. Wer einen solchen Film einschaltet, erwartet keine philosophische Abhandlung über die menschliche Existenz und auch keine Handlung, die nach dem Abspann noch mehrere Tage im Kopf herumspukt. Entscheidend ist, ob Spannung entsteht und ob der Film seine begrenzten Möglichkeiten sinnvoll nutzt. Genau das gelingt Holm über weite Strecken. Die Situationen entwickeln sich kurzweilig, die Bedrohung bleibt greifbar und der Film weiß mit seinem minimalistischen Schauplatz durchaus etwas anzufangen.
Seine größte Stärke bleibt trotzdem die Konsequenz, mit der er die Geschichte erzählt. Hier wird wenig ausgeschmückt und noch weniger unnötig erklärt. Der Thriller will nicht größer erscheinen, als er ist. Er nimmt seinen kleinen Schauplatz, seine überschaubare Ausgangslage und seine begrenzten Mittel und macht daraus ein unangenehm direktes Katz-und-Maus-Spiel. Diese Schnörkellosigkeit steht ihm gut. Ein wenig mehr Spielfreude bei den Charakteren hätte dem Ganzen allerdings gutgetan. Die Figuren funktionieren in ihren jeweiligen Rollen, bleiben emotional aber teilweise erstaunlich zurückhaltend. Mehr Persönlichkeit, mehr Dynamik innerhalb der Gruppe und ein wenig mehr Freude daran, die Ausnahmesituation auszuspielen, hätten den Unterhaltungswert noch einmal deutlich gesteigert. Gerade bei einem Film, dessen Handlung bewusst reduziert ist, müssen die Figuren einen größeren Teil der Last tragen. „We Die Tonight“ bleibt dennoch ein kurzweiliger und angenehm harter Thriller, der nicht vorgibt, das Genre neu erfinden zu wollen. Er nimmt ein bekanntes Belagerungskonzept, verlegt es in einen abgelegenen nordschwedischen Supermarkt und zieht daraus ein düsteres, minimalistisches Katz-und-Maus-Spiel. Keine großen Umwege, keine unnötigen Schnörkel und keine besondere Handlung nötig – nur ein Laden, maskierte Verfolger und möglichst wenig Möglichkeiten, lebend wieder herauszukommen. Klein, fies und kompromisslos. Mehr muss dieser Thriller gar nicht sein.
Die Bildpräsentation überzeugt mit einem ausgesprochen dynamischen Schwarzwert, der den dunkleren Aufnahmen eine überzeugende Tiefe verleiht. Auch der Kontrast ist hervorragend darauf abgestimmt und sorgt für eine stimmige Abstufung zwischen hellen und dunklen Bereichen. Über die gesamte Laufzeit bleibt die Schärfe erfreulich klar und bringt zugleich eine feine Detailzeichnung mit, sodass selbst kleinere Strukturen sauber zur Geltung kommen.
Auch akustisch zeigt sich We Die Tonight von seiner starken Seite. Eine detaillierte Dynamik trifft auf einen soliden Raumklang, wodurch das Geschehen angenehm räumlich wirkt. Die Dialoge bleiben jederzeit klar und verständlich, während sämtliche Tonelemente sauber miteinander abgestimmt sind. Hier stimmt die Mischung einfach.
Wirklich schade ist allerdings, dass nach dem Film kaum noch etwas übrig bleibt. Als einziges Bonusmaterial wurde lediglich der Trailer beigefügt. Für eine Veröffentlichung, die sich technisch derart überzeugend präsentiert, ist das doch etwas dürftig.