

Die 14-jährige Sun hat erfolgreich ein Buch veröffentlicht – inspiriert von einer Geschichte, die ihr verstorbener Großvater ihr einst erzählte: die beinahe unglaubliche Legende des Jungen Hadara, der während eines verheerenden Sandsturms von seiner Karawane getrennt wurde und von einer Gruppe Strauße gerettet wird. In der unwirtlichen Weite der Sahara wächst er fortan fernab seiner Familie auf, begleitet nur von seinem treusten Gefährten, einem jungen Wüstenfuchs. Als Sun im Rahmen einer Preisverleihung für ihr Buch selbst zu einer Reise in die Sahara eingeladen wird, begegnet sie dort dem gleichaltrigen Nomadenmädchen Kharouba – und erkennt bald, dass die Legende des Wüstenkindes Hadara weit mehr ist als eine einfache Gute-Nacht-Geschichte…
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Sand, soweit das Auge reicht. Die Sahara breitet sich in Die Legende des Wüstenkindes nicht einfach als Kulisse aus, sie wird beinahe selbst zu einer Figur. Gilles de Maistre fängt die Weite der Wüste mit beeindruckenden Naturaufnahmen ein und findet immer wieder Bilder, bei denen man kurz vergisst, dass man eigentlich einen Spielfilm und keine Naturdokumentation betrachtet. Strauße, Wüstenfuchs, Sand und Licht ergeben eine visuell ausgesprochen reizvolle Welt, deren Ästhetik eindeutig zu den großen Stärken des Films gehört. Besonders herzlich werden die Begegnungen zwischen dem Jungen Hadara und seinen tierischen Begleitern. Die Beziehung zu den Straußen und zum Wüstenfuchs besitzt etwas wunderbar Unschuldiges und schafft jene warmen Momente, die gerade jüngere Zuschauer schnell für sich gewinnen dürften. Gleichzeitig verlangt diese grenzenlose Nähe zwischen Mensch und Tier auch ein wenig guten Willen vom Publikum. Eine wirkliche Barriere scheint zwischen Hadara und den Tieren kaum zu existieren, und genau dadurch wirkt manches doch ziemlich unglaubwürdig. Für einen Familienfilm darf die Welt natürlich etwas märchenhafter sein – nur ganz so mühelos funktioniert das Zusammenleben von Mensch und Tier eben auch in dieser Wüste nicht.
Die Geschichte selbst bleibt dagegen deutlich dünner. Ein Junge geht während eines Sandsturms verloren und wird anschließend ausgerechnet von Straußen aufgezogen – das ist eine wunderbar märchenhafte Ausgangsidee, wird aber auch entsprechend idealisierend erzählt. Der Film interessiert sich stärker für das Gefühl dieser ungewöhnlichen Verbindung als für die Frage, wie glaubwürdig das Ganze tatsächlich funktionieren könnte. Wer sich darauf einlässt, bekommt einen sanft erzählten und emotionalen Familienfilm, der besonders bei Tierliebhabern und Kindern seine Wirkung entfalten dürfte. Gerade bei der Inszenierung der Bilder wird allerdings gelegentlich eine Grenze überschritten. Die beeindruckende Naturästhetik kippt stellenweise ins Kitschige, wenn das Bild beinahe zu schön, zu warm und zu perfekt werden möchte. Auch die Rahmenhandlung bemüht sich sichtbar darum, einen Blick aus westlicher Perspektive auf die Geschichte zu werfen. Dabei landet sie jedoch immer wieder bei vorhersehbaren Klischees, wodurch die Geschichte weniger eigenständig wirkt, als es die faszinierende Wüstenwelt zunächst verspricht.
Trotz dieser Schwächen besitzt Die Legende des Wüstenkindes einen angenehmen Erzählfluss. Der Film ist kurzweilig, emotional und vor allem wunderschön anzusehen. Seine größte Stärke liegt eindeutig dort, wo die Sahara ihre ganze Größe entfaltet und Hadara gemeinsam mit Straußen und Wüstenfuchs durch diese außergewöhnliche Landschaft zieht. Die Geschichte mag idealisiert und inhaltlich etwas dünn sein, doch manchmal reicht ein wenig Sand, ein außergewöhnlicher Blick auf die Natur und eine ungewöhnliche Freundschaft, um einen schönen Familienfilm daraus zu machen. Die Legende des Wüstenkindes ist deshalb kein besonders tiefgründiges Abenteuer, aber ein kurzweilig schönes. Ein Film für große Augen, kleine Zuschauer und alle, die bei Straußen und einem Wüstenfuchs ohnehin schon ein wenig ihr Herz verlieren.
Die Wüste entfaltet ihre ganze Pracht auf dieser Blu-ray. Die Bildqualität gehört zweifellos zu den großen Stärken der Veröffentlichung und präsentiert die weitläufigen Landschaften mit einer beeindruckenden Präzision. Sand, Felsen, Kleidung und selbst feinste Strukturen werden gestochen scharf und außergewöhnlich detailliert wiedergegeben. Dazu kommt eine hervorragend abgestimmte Farbdarstellung, die warme Wüstentöne ebenso intensiv zur Geltung bringt wie die natürlichen Farben der Umgebung. Gerade die Aufnahmen der Sahara profitieren von dieser Qualität enorm: Das Spiel von Licht, Sand und Himmel erhält eine beinahe greifbare Tiefe und macht das Abenteuer auch visuell zu einem echten Erlebnis. Die kristallklare Schärfe bleibt dabei angenehm natürlich und wirkt zu keiner Zeit künstlich nachgeschärft.
Auch akustisch entführt die Veröffentlichung mitten in die Wüstenlandschaft. Die Tonspur ist sehr sauber und ausgewogen abgemischt, wobei die Dialoge jederzeit klar verständlich bleiben. Besonders schön sind die vielen kleinen Geräusche, die der Umgebung Leben verleihen. Wind, Bewegungen und weitere dezente Klänge fügen sich harmonisch in die verspielte Atmosphäre ein und sorgen dafür, dass die Wüstenkulisse nicht einfach nur zu sehen, sondern auch zu hören ist. Die Tonspur hält sich dabei angenehm zurück und unterstützt die erzählerische Wirkung des Films, ohne sich unnötig in den Vordergrund zu drängen.
Wer nach dem Film noch weiter auf Entdeckungsreise gehen möchte, wird leider enttäuscht. Zusätzliches Bonusmaterial ist nicht vorhanden.