


Nach einem Jahr der Pandemiebekämpfung lässt die frustrierte taiwanesische Bevölkerung die gesundheitlichen Vorsichtsmaßnahmen der Regierung zunehmend außer Acht. Der perfekte Zeitpunkt für das bislang eher ungefährliche Alvin-Virus, zu mutieren und als unaufhaltsame Seuche im ganzen Land zu wüten. Wer infiziert wird, fühlt sich dazu gezwungen, die grausamsten Dinge zu tun: Mord, Folter und Verstümmelung sind dabei erst der Anfang. Ein junges Paar wird bis an die Grenzen seiner Kräfte getrieben, als es inmitten des Chaos versucht, einander wiederzufinden. Wahnsinn und Gewalt beherrschen die Straßen – die Zeit von Zivilisation und Ordnung ist vorbei.
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Pandemien lösen Angst aus. The Sadness macht daraus einen Albtraum, der sich nicht mit einem Virus allein zufriedengibt. Der Film nimmt eine ohnehin bedrückende Situation und treibt sie bis an die äußerste Grenze des Erträglichen. Aus Menschen werden keine willenlosen Zombies, sondern sadistische Bestien, denen jede Form von Empathie genommen wurde. Zurück bleiben nur noch die dunkelsten Instinkte – hemmungslos, brutal und erschreckend menschlich. Genau dort beginnt die eigentliche Stärke des Films. Das junge Paar, das sich im taiwanesischen Taipeh plötzlich inmitten einer eskalierenden Pandemie wiederfindet, kämpft nicht nur ums nackte Überleben. Mit jeder Minute zerbricht die vertraute Welt ein Stück mehr. Freunde, Fremde und Nachbarn verwandeln sich in Monster, die ihren grausamsten Trieben nachgehen. Hoffnung wird zur Ausnahme, Misstrauen zur einzigen Überlebensstrategie.
Schon früh macht The Sadness deutlich, dass hier keine Kompromisse eingegangen werden. Das Splatterfest ist erbarmungslos, die Atmosphäre bedrückend und die Gewalt extrem. Vor allem die teils geschmacklose sexuelle Gewalt dürfte selbst hartgesottenen Horrorfans schwer im Magen liegen. Der Film möchte schockieren – und genau das gelingt ihm. Allerdings nicht nur durch Blut und explodierende Körper, sondern vor allem durch Momente, die Ekel und moralisches Unbehagen auslösen. Man ertappt sich immer wieder bei dem Gedanken, lieber wegsehen zu wollen. Dass The Sadness in Deutschland ausschließlich Erwachsenen zugänglich ist und in seiner ungekürzten Fassung immer wieder mit Indizierung oder Beschlagnahmung in Verbindung gebracht wird, überrascht daher keineswegs. Die Freigabe ist hier absolut nachvollziehbar, denn dieser Film überschreitet mehrfach Grenzen, die viele Zuschauer bewusst nicht überschritten sehen möchten. Bleibt nur eine Frage. Ist das tatsächlich der härteste Film aller Zeiten? Nein.
Solche Behauptungen tauchen bei nahezu jedem neuen Skandalfilm auf und verlieren schnell ihre Glaubwürdigkeit. Wer sich intensiv mit dem Extremkino beschäftigt, wird deutlich härtere Werke finden. Zählt The Sadness zu den kontroversesten Horrorfilmen der vergangenen Jahre? Definitiv. Und genau das liegt weniger an seiner Splattergewalt als vielmehr an seiner unangenehmen Mischung aus Brutalität und sexueller Verstörung. Hier gehen die Geschmäcker zwangsläufig weit auseinander. Für die einen überschreitet der Film jede Grenze des guten Geschmacks, für die anderen gehört genau diese Konsequenz zum Konzept. Interessant wird The Sadness allerdings erst dann, wenn man hinter den Schockmomenten noch eine zweite Ebene erkennt. Wer sich darauf einlassen möchte, kann den Film durchaus als bitterböse Parodie auf eine krisenmüde Gesellschaft verstehen. Wissenschaftliche Warnungen werden ignoriert, jeder sehnt sich nach der Rückkehr zur Normalität und bemerkt dabei nicht einmal, dass die eigentliche Apokalypse längst begonnen hat. Dieser zynische Unterton verleiht dem Film eine gesellschaftskritische Note, die zwischen all den Gewaltexzessen leicht übersehen werden kann.
Vielleicht treffen sich genau an diesem Punkt Befürworter und Kritiker. Die einen werden weiterhin einen geschmacklosen Provokationsfilm sehen. Die anderen erkennen darin eine kompromisslose Horrorsatire auf menschliche Verdrängung und gesellschaftliche Gleichgültigkeit. Beide Sichtweisen lassen sich durchaus nachvollziehen. Fest steht jedoch: Gleichgültigkeit erzeugt The Sadness garantiert nicht. Man kann den Film ablehnen, verachten oder feiern – vergessen wird man ihn mit großer Wahrscheinlichkeit nicht. Dafür ist dieses kompromisslose Splatterfest schlicht zu verstörend, zu unappetitlich und in vielen Momenten einfach zu nah an den dunkelsten Seiten des Menschen.
Die Blu-ray liefert eine ausgesprochen gelungene Bildpräsentation, die den kompromisslosen Stil von The Sadness eindrucksvoll einfängt. Die Schärfe bleibt über die gesamte Laufzeit hinweg auf einem hohen Niveau und arbeitet sowohl die zahlreichen Details als auch die drastischen Masken- und Gore-Effekte präzise heraus. Die kräftige Farbwiedergabe lässt das Geschehen regelrecht auf der Leinwand explodieren und verstärkt die schockierende Wirkung vieler Szenen zusätzlich. Vereinzelt macht sich ein etwas gröberes Filmkorn bemerkbar, das den insgesamt hervorragenden Eindruck jedoch kaum schmälert und vielmehr den rauen Charakter des Films unterstützt.
Akustisch bleibt die Veröffentlichung etwas hinter ihren Möglichkeiten zurück. Zwar präsentiert sich die Tonspur insgesamt sauber und die Dialoge bleiben gut verständlich, doch die Abmischung wirkt über weite Strecken etwas zurückhaltend. Gerade bei einem derart kompromisslosen Horrorfilm hätte man sich mehr Druck und eine intensivere räumliche Kulisse gewünscht. Erst in einzelnen Momenten erwachen sämtliche Lautsprecher zum Leben und verleihen den brutalen Ausbrüchen die Wucht, die man sich häufiger gewünscht hätte. So bleibt ein solider, aber nicht voll ausgeschöpfter Klangeindruck.
Das Bonusmaterial kann dagegen durchaus überzeugen. Die enthaltenen Extras liefern interessante Hintergrundinformationen und bieten einen gelungenen Blick hinter die Kulissen der Produktion. Lediglich der Umfang hätte etwas großzügiger ausfallen dürfen, denn nach den sehenswerten Beiträgen bleibt durchaus der Wunsch nach noch mehr Einblicken bestehen.