


Eine Flut schlechter Nachrichten stürzt den arbeitslosen Filmemacher Jimmy Lang in einen völlig außer Kontrolle geratenen Drogen- und Alkoholrausch, der ihn glauben lässt, von Außerirdischen entführt worden zu sein. Aus Angst, dass die Aliens zurückkehren, kontaktiert er seinen alten Freund Stiggs, um sich gemeinsam auf den Angriff vorzubereiten…
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Wer nach einer Alien-Achterbahnfahrt sucht, die nicht nur wild, sondern völlig enthemmt über die Leinwand rast, dürfte mit „Jimmy and Stiggs“ von Joe Begos seine helle Freude haben. Der Film fühlt sich an, als hätte jemand eine Handvoll Science-Fiction, eine ordentliche Portion Splatter und die Reste einer durchzechten Nacht in einen Mixer geworfen und anschließend beschlossen, daraus einen Film zu machen. Das Ergebnis ist laut, neonbunt und kompromisslos überdreht. Zwischen grellen Farben, aggressiver Energie und extrem rohem Kunstblut entwickelt sich ein Splatter-Partytraum, der weniger wie ein klassischer Alienfilm funktioniert als wie der visuelle Zustand eines Menschen, der nach einem ausgiebigen Saufgelage langsam versucht herauszufinden, was in der vergangenen Nacht eigentlich passiert ist. Joe Begos übernimmt selbst die Rolle des drogen- und alkoholgeplagten Filmemachers Jimmy, während Matt Mercer seinen Kumpel Stiggs spielt. Viel Tiefgang sollte man von diesem Duo allerdings nicht erwarten. Die beiden Figuren bewegen sich durch ihre Geschichte, als hätten sie bereits vor Beginn des Films jede vernünftige Entscheidung getroffen, die man hätte treffen können, und sich anschließend bewusst dafür entschieden, keine davon mehr zu wiederholen. Ihre Gespräche bestehen zu großen Teilen aus lautem, aggressivem gegenseitigem Anschreien, Beleidigungen und einer Kommunikation, die eher nach einer eskalierenden Auseinandersetzung als nach einem normalen Gespräch klingt. Wer auf ausgefeilte Dialoge oder fein gezeichnete Charaktere wartet, wird hier entsprechend schnell an seine Grenzen stoßen. Die Figuren sind weniger dazu gedacht, eine tiefgründige Geschichte zu tragen, als vielmehr die völlig entgleiste Stimmung dieses außergewöhnlichen Trashfilms zusammenzuhalten.
Die Geschichte selbst gibt entsprechend nicht sonderlich viel her. Die Alien-Splatter-Idee dient vor allem als Ausgangspunkt für eine möglichst hemmungslose Abfolge aus Chaos, Gewalt, Farben und grotesken Situationen. Handwerklich macht der Film aus dieser simplen Grundlage allerdings erstaunlich viel. Die handgemachten Effekte besitzen genau jene raue Qualität, die zu diesem Film passt, und auch das bunte Kunstblut darf sich ordentlich austoben. Statt steril wirkender Computereffekte steht hier eine deutlich spürbare Freude am praktischen Effekt im Vordergrund. Das verleiht den Splattermomenten einen angenehm dreckigen Charakter und lässt „Jimmy and Stiggs“ stellenweise wie eine bewusst übersteigerte Rückkehr zu einer Zeit wirken, in der man einem Film seine handgemachten Tricks noch ansehen durfte. Auch die Inszenierung trägt ihren Teil zu diesem Gefühl bei. Stellenweise erinnert die Kameraarbeit an Found Footage, wodurch die ohnehin schon hektische Atmosphäre noch unmittelbarer und unruhiger wirkt. Die Perspektive vermittelt weniger den Eindruck eines kontrolliert inszenierten Science-Fiction-Films als den einer völlig außer Kontrolle geratenen Aufzeichnung, bei der man als Zuschauer mitten in den Wahnsinn hineingeworfen wird. Das passt hervorragend zu dem Zustand, in dem sich Jimmy und Stiggs befinden. Ihre Welt wirkt zunehmend wie ein fiebriger Rausch, in dem Realität, Alkohol, Drogen, Aliens und Splatter irgendwann kaum noch voneinander zu unterscheiden sind. Der Film will offensichtlich nicht beruhigen, erklären oder besonders elegant erzählen. Er will seinem Publikum vielmehr einen möglichst lauten und grellen Tritt vor den Kopf verpassen. Genau darin liegt auch seine Stärke und zugleich seine größte Schwäche. Als ernsthaft ausgearbeitete Aliengeschichte funktioniert das Ganze nur sehr eingeschränkt, weil die Handlung kaum Substanz besitzt und die Figuren wenig Entwicklung bieten. Als Partyfilm dagegen funktioniert die Mischung erstaunlich gut. „Jimmy and Stiggs“ ist geradezu dafür gemacht, mit einer Gruppe Gleichgesinnter, ausreichend Getränken und einer gewissen Bereitschaft zur filmischen Selbstzerstörung geschaut zu werden. Die rohe Machart, das Kunstblut, die grellen Bilder und die permanent aggressive Energie erzeugen eine Atmosphäre, die weniger zum stillen Analysieren als zum gemeinsamen Grölen einlädt. Wer einen Filmabend sucht, bei dem irgendwann niemand mehr genau weiß, warum gerade ein Alien zerlegt wird, aber alle trotzdem ihren Spaß daran haben, ist hier ziemlich genau richtig.
Trotz seiner kurzen und kurzweiligen Ausrichtung kann diese Form des Trashs allerdings auch anstrengend werden. Die permanente Lautstärke, das Geschrei und die hektische Inszenierung verlangen dem Zuschauer einiges ab. Der Film kennt offenbar kaum Momente, in denen er einfach einmal Luft holt. Das macht ihn eigenwillig und unverwechselbar, aber eben auch zu einer Erfahrung, die man nicht unbedingt jeden Abend wiederholen möchte. „Jimmy and Stiggs“ ist kein Film, der sich über eine ausgefeilte Dramaturgie oder große emotionale Momente definiert. Seine Daseinsberechtigung liegt vielmehr in der völligen Enthemmung und in dem Spaß daran, alle Grenzen des guten Geschmacks zumindest einmal kräftig zu überschreiten. Am Ende bleibt deshalb ein ausgesprochen wilder, roher und bewusst trashiger Alien-Splatterfilm, der seine Geschichte eher als Vorwand benutzt, um eine neonfarbene Eskalation nach der nächsten loszutreten. Die handgemachten Effekte und das Kunstblut sorgen für den richtigen dreckigen Look, während die Found-Footage-artige Inszenierung das Chaos noch unmittelbarer erscheinen lässt. Tiefgang sollte man nicht suchen, dafür bekommt man eine eigenwillige Party-Achterbahnfahrt, die trotz ihrer anstrengenden Art durchaus Spaß macht. Wer allerdings glaubt, dass ein Film nach einer Nacht voller Alkohol nicht noch schlimmer aussehen kann, sollte vielleicht einfach einmal nach dem Aufstehen neben einer ungeschminkten Person aufwachen. Das ist vermutlich immer noch unheimlicher als alles, was Jimmy und Stiggs in dieser Nacht erleben.
Optisch macht Jimmy and Stiggs zunächst ordentlich auf Krawall. Die Farben kommen ausgesprochen knallig daher und leuchten kräftig aus dem Bild heraus. Auch der Kontrast kann mit einer sehr überzeugenden Abstimmung punkten. Der Schwarzwert bewegt sich auf einem soliden Niveau und liefert den dunkleren Bereichen ausreichend Tiefe. Bei der Schärfe wird die Freude allerdings deutlich gebremst. Viel zu häufig wirkt das Bild regelrecht matschig und verliert dadurch an Klarheit. Über die gesamte Präsentation zieht sich außerdem eine sehr feine Körnung, die zwar sichtbar bleibt, den Gesamteindruck aber nicht grundsätzlich stört. Zwischen kräftigen Farben und weicher Schärfe entsteht damit ein durchaus eigenwilliger Look.
Wer glaubt, dass nur der Film selbst ordentlich auf die Ohren geht, sollte besser die Lautstärke nicht zu weit aufdrehen. Auch die Tonspur der Blu-ray kennt offenbar nur eine Richtung: laut, lauter, am lautesten. Dabei bleibt der Klang erfreulich sauber und liefert eine ausgesprochen dynamische Wiedergabe. Überraschend ist das bei diesem Film nun wirklich nicht. Die Tonspur passt sich damit ziemlich konsequent dem schrillen Auftreten des Films an und macht akustisch ebenfalls keine halben Sachen.
Rund sieben Minuten Behind-the-Scenes-Material (direkt im Anschluss des Abspanns) warten als zusätzliches Extra auf den Zuschauer. Der kurze Beitrag liefert dabei tatsächlich interessante Informationen und Erklärungen und erweist sich damit als deutlich mehr als nur ein paar zusammenhanglose Schnipsel vom Set. Ergänzt wird das Ganze durch den Trailer zum Film. Umfangreich ist die Ausstattung damit zwar nicht, qualitativ kann zumindest das zusätzliche Material überzeugen.