

In Kürze…
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Anne Hathaway und Michaela Coel treffen in „Mother Mary“ aufeinander, und zwischen ihren Figuren entsteht eine Dynamik, die den Film über weite Strecken überhaupt erst zu etwas Besonderem macht. Hathaway spielt einen angeschlagenen Popstar, während Coel als kühle und kontrollierte Modedesignerin Sam auftritt. Wenn diese beiden Frauen miteinander sprechen, entwickelt sich eine eigentümliche Spannung, die weit über gewöhnliche Dialogszenen hinausgeht. Den Gesprächen zwischen Mary und Sam könnte man tatsächlich ewig zuhören, weil sich in ihren Worten ebenso viel Nähe wie Distanz, Verletzlichkeit und unausgesprochene Spannung befindet. Diese Beziehung ist das eigentliche Kraftzentrum des Films. Auch der Auftakt macht zunächst Hoffnung auf ein außergewöhnliches Filmerlebnis. „Mother Mary“ beginnt vielversprechend und entwickelt eine Atmosphäre, die zwischen Popdrama, Kammerspiel und kunstvoll inszenierter Charakterstudie angesiedelt ist. Die pompösen Konzertszenen bilden dazu einen faszinierenden Kontrast. Wenn Musik und Bilder ineinandergreifen, entsteht eine enorme, beinahe hypnotische Energie, die den Film immer wieder nach oben zieht. Diese Momente besitzen eine Wucht, die man nicht einfach nebenbei konsumiert. Sie verlangen Aufmerksamkeit und erzeugen ein Gefühl, als würde man weniger einen klassischen Film als eine große, audiovisuelle Theaterinszenierung betrachten. Leider hält diese Faszination nicht über die gesamte Laufzeit. Im Mittelfeld beginnt „Mother Mary“ zunehmend ins Offensichtliche zu kippen. Was zunächst vielschichtig und interessant wirkt, wird mit fortschreitender Laufzeit immer erklärbarer und verliert dadurch einen Teil seines Reizes. Aus dem intensiven Kammerspiel entwickelt sich zunehmend eine surrealistische Geistergeschichte, später kommen noch leichte Body-Horror-Elemente hinzu. Der Film wechselt damit nicht einfach nur das Genre, sondern erweitert sein ohnehin schon überladenes Konzept um weitere Ebenen, die nicht immer so überzeugend miteinander funktionieren, wie es die ambitionierte Inszenierung offenbar beabsichtigt.
Eine unheimliche rote Gestalt aus Stoff, die Sam und Mary heimsucht, steht sinnbildlich für diese Entwicklung. Die Kreatur wird als physische Manifestation von verdrängtem Trauma, Wut und Schuldgefühlen verstanden, die nach dem Ende der intensiven Beziehung zwischen den beiden Frauen zurückbleiben. Als Idee ist das durchaus reizvoll, weil der Film damit innere Konflikte in eine greifbare, beinahe groteske Form überführt. In der tatsächlichen Umsetzung wirkt dieser Ansatz allerdings zunehmend wie ein weiterer Einfall, den der Film unbedingt noch unterbringen wollte. Überhaupt macht sich irgendwann eine gewisse Übersättigung breit. Die starke Ästhetisierung, die anfangs noch faszinierend wirkt, wird mit der Zeit anstrengend. „Mother Mary“ möchte nahezu jede Szene zu einem visuellen Ereignis machen, jeden emotionalen Zustand in eine kunstvolle Bildsprache übersetzen und jede Entwicklung mit einer besonderen Atmosphäre versehen. Was zunächst hypnotisch ist, kann irgendwann schlicht zu viel werden. Die Überästhetisierung beginnt ihre eigene Wirkung zu verschlingen, weil der Film kaum noch bereit ist, eine Szene einfach einmal für sich stehen zu lassen. Das ist umso bedauerlicher, weil die Geschichte von Mary und Sam eigentlich genügend emotionale Sprengkraft besitzt. Ihre Beziehung, ihre gegenseitige Anziehung und Abhängigkeit sowie die schmerzhaften Folgen ihres Auseinanderbrechens hätten für ein starkes psychologisches Drama vollkommen ausgereicht. Stattdessen zieht der Film immer neue Register. Psychosexueller Pop-Thriller, Kammerspiel, Geistergeschichte und Body-Horror werden miteinander verbunden, während die pompösen Konzertsequenzen noch eine ganz eigene Ebene hinzufügen. Ambitioniert ist das ohne Frage. Doch Ambition und Überfrachtung liegen hier gefährlich nah beieinander. Trotz aller Schwächen besitzt „Mother Mary“ deshalb immer wieder Momente, in denen man erkennt, was für ein außergewöhnlicher Film hier möglich gewesen wäre. Hathaway und Coel tragen ihre Szenen mit einer Intensität, die selbst dann funktioniert, wenn das Drehbuch zunehmend in andere Richtungen abdriftet. Ihre gemeinsame Präsenz gibt dem Film eine emotionale Glaubwürdigkeit, die manche der surrealeren Einfälle nicht mehr besitzen. Die Musik und die großen Konzertbilder liefern hypnotische Höhepunkte, während die schmerzhaften Szenen der Beziehung eine unangenehm intime Seite offenbaren.
Beim Schwarzwert wäre durchaus noch etwas mehr Tiefe wünschenswert gewesen. In den dunkleren Passagen fehlt es stellenweise an der nötigen Kraft, wodurch Schwarz nicht immer so satt erscheint, wie es sein könnte. Davon abgesehen präsentiert sich die Bildqualität allerdings auf einem bemerkenswert hohen Niveau. Vor allem die ausgesprochen feine Detailzeichnung weiß zu gefallen, während die klare Schärfe für eine sehr präzise Darstellung sorgt. Seinen besonderen Reiz entwickelt das Bild jedoch durch den hervorragenden Farblook. Die Farbgestaltung wirkt ausgesprochen stimmig und verleiht der gesamten Präsentation eine eigene visuelle Note. Zusammen mit der feinen Detailwiedergabe entsteht ein Bild, das trotz des nicht immer optimalen Schwarzwerts sehr überzeugend aussieht.
Die deutsche Synchronisation hält sich klanglich etwas zu sehr zurück. Die Dialoge wirken dadurch stellenweise fast schon zu unaufdringlich und könnten etwas mehr Präsenz vertragen. Ganz anders präsentiert sich der Soundtrack, der deutlich kräftiger zur Sache geht und richtig fetzt. Die Abstimmung zwischen den einzelnen Klangbereichen ist dabei nur solide gelungen. An der technischen Sauberkeit gibt es hingegen kaum etwas auszusetzen: Der Ton bleibt hervorragend sauber und liefert insgesamt eine ordentliche akustische Grundlage.
Beim Bonusmaterial wird diesmal erfreulich ausführlich nachgelegt. Das rund 100-minütige Making-of nimmt sich reichlich Zeit und lässt kaum einen Bereich aus. Statt lediglich ein paar kurze Werbehäppchen zusammenzustellen, wird hier ausführlich hinter die Entstehung des Films geblickt. Die ruhige Erzählweise macht das umfangreiche Extra angenehm zugänglich und gibt ihm genügend Raum, seine Einblicke wirken zu lassen. Zum Abschluss folgt noch der Trailer zum Film.