


Jerry Falk, junger Autor mit großen Träumen, steckt fest – beruflich, emotional, sexuell. Seine Freundin Amanda ist wunderschön, schwierig und zunehmend unerreichbar. Sein Agent? Ein Klotz am Bein. Sein Therapeut? Keine Hilfe. Erst der exzentrische Lehrer David Dobel bringt Bewegung in Jerrys verkorkstes Leben – mit schrägen Lebensweisheiten, Paranoia-Tipps und der Idee, sich eine Waffe zuzulegen. Zwischen Liebeschaos, Schreibblockaden und absurden Gesprächen über das Leben muss Jerry eine Entscheidung treffen: Weitermachen wie bisher – oder alles hinter sich lassen?
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Zwischen New Yorker Neurosen, bissigem Wortwitz und einer Beziehung, bei der man sich als Außenstehender schon fragt, warum man eigentlich noch zusieht, entfaltet sich „Anything Else“ als charmante, typisch Woody-Allen-hafte Nabelschau. Jason Biggs spielt einen jungen Gagschreiber, der sich in einer toxischen Beziehung mit einer unberechenbaren Frau wiederfindet und zunehmend den Überblick über sein eigenes Leben verliert. Rat sucht er ausgerechnet bei seinem zynischen Mentor, den Woody Allen selbst verkörpert. Eine Konstellation, die wie geschaffen ist für schnelle Dialoge, sarkastische Beobachtungen und jede Menge neurotischer Lebensweisheiten. Der Wortwitz ist zweifellos eine der großen Stärken des Films. Die Dialoge besitzen jene typische Mischung aus Sarkasmus, Selbstironie und intellektueller Bissigkeit, die Woody Allen immer wieder meisterhaft beherrscht. Das prominente Ensemble trägt seinen Teil dazu bei, wobei neben Jason Biggs und Christina Ricci auch die Nebendarsteller für zusätzliche Farbe sorgen. Danny DeVito ist dabei ein echtes Highlight und fügt sich wunderbar in dieses ohnehin schon reichhaltige Ensemble ein.
Christina Riccis Figur gehört allerdings zu den unsympathischsten weiblichen Hauptfiguren, die Allen seinem Publikum vorsetzt. Ihre Unberechenbarkeit macht die Beziehung nicht nur toxisch, sondern verleiht ihr eine unangenehme Dynamik, die im Bezug auf Frauen erstaunlich zeitgemäß wirkt. Was 2003 noch wie eine überspitzte Beziehungskomödie über neurotische Menschen in New York erscheinen konnte, liest sich heute beinahe wie ein Spiegelbild einer Zeit, in der toxische Beziehungen, emotionale Manipulation und die Frage nach persönlichen Grenzen wesentlich stärker im gesellschaftlichen Bewusstsein stehen. Der Film wirkt dadurch stellenweise aktueller, als er eigentlich sein dürfte. Ganz neu ist das alles allerdings nicht. „Anything Else“ fühlt sich immer wieder wie eine Best-of-Show aus früheren Woody-Allen-Werken an. Die bekannten Neurosen, die intellektuelle Selbstbespiegelung, die Beziehungskrisen und der schnelle Dialogwitz sind vertrautes Terrain. Wer Allens frühere Filme kennt, wird deshalb kaum das Gefühl bekommen, hier würde ein völlig neues Kapitel aufgeschlagen. Vielmehr werden bekannte Zutaten erneut miteinander vermischt und in eine neue Beziehungsgeschichte gesteckt.
Das funktioniert trotzdem erstaunlich charmant, weil die Dialoge und das Ensemble genügend Energie besitzen, um die vertrauten Muster mit Leben zu füllen. „Anything Else“ ist damit kein Film, der Woody Allens Kino neu erfindet, sondern einer, der seine bekannten Stärken noch einmal konzentriert präsentiert. Eine bissige New-York-Komödie über Liebe, Neurosen und die Erkenntnis, dass man manchmal ausgerechnet bei den Menschen Rat sucht, die selbst kaum weniger kaputt sind als man selbst.
Die Blu-ray von Anything Else hinterlässt bei der visuellen Präsentation einen insgesamt soliden, wenn auch nicht überragenden Eindruck. Die Schärfe zeigt sich erfreulich klar und sorgt dafür, dass das Bild grundsätzlich sauber und ordentlich wirkt. Bei der Feinzeichnung wäre allerdings noch etwas mehr möglich gewesen. Gerade kleinere Strukturen und dezente Details könnten stellenweise präziser herausgearbeitet sein. Auch die Farbgebung hält sich eher zurück. Etwas mehr Sättigung und Lebendigkeit hätten dem Bild durchaus gutgetan. Gleichzeitig hat diese Zurückhaltung aber ihren eigenen Charme: Die Darstellung wirkt dadurch angenehm natürlich und nicht künstlich aufpoliert. Es entsteht kein übertrieben digitaler Hochglanz, sondern vielmehr eine bodenständige und filmische Optik. Somit bleibt eine durchaus gelungene Bildpräsentation, der es lediglich ein wenig an zusätzlicher Feinzeichnung und farblicher Energie fehlt. Kein visuelles Feuerwerk, aber ein authentischer und sauberer Eindruck.
Akustisch geht es ebenfalls eher gemütlich zu. Die Tonspur wurde insgesamt etwas zurückhaltend beziehungsweise leise abgemischt. Dadurch besitzen insbesondere die Dialoge eine ruhige, beinahe unauffällige Präsenz. Das muss allerdings nicht automatisch etwas Schlechtes sein, denn störende Schwächen gibt es ansonsten kaum. Der Klang präsentiert sich sauber und ordentlich abgestimmt. Wer den Lautstärkeregler ein wenig bemüht, bekommt eine angenehm klare Wiedergabe, bei der die Dialoge zuverlässig im Mittelpunkt stehen. Große dynamische Ausbrüche oder spektakuläre räumliche Effekte sollte man allerdings nicht erwarten. Anything Else gibt sich auch akustisch eher zurückhaltend – ganz passend zu seiner insgesamt natürlichen Präsentation.
Woody Allen bleibt seiner Linie treu: Auch bei Anything Else ist die Bonusabteilung praktisch nicht existent.