

In der Realverfilmung des beliebten Animationsabenteuers folgt Vaiana (Catherine Laga`aia) dem Ruf des Ozeans und wagt sich zum ersten Mal über das Riff ihrer Heimatinsel Motunui hinaus. Gemeinsam mit dem berühmt-berüchtigten Halbgott Maui (Dwayne Johnson) begibt sie sich auf eine abenteuerliche Reise über die Weiten des Meeres, um die Zukunft ihres Volkes zu sichern.
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Wenn Disney einen seiner beliebten Animationsfilme in eine Realverfilmung überführt, stellt sich unweigerlich die Frage, ob eine neue Version tatsächlich einen Mehrwert bietet oder lediglich Bekanntes in ein anderes Gewand kleidet. Mit „Vaiana“ versucht Regisseur Thomas Kail, das polynesische Abenteuer mit echten Darstellern und aufwendigen digitalen Bildern erneut auf die Leinwand zu bringen. Das Ergebnis dürfte selbst unter eingefleischten Disney-Fans für Diskussionen sorgen, denn der Abstand zum Animationsoriginal fällt erstaunlich gering aus. Die Geschichte bleibt weitgehend dieselbe, viele Szenen orientieren sich auffällig eng an der Vorlage, und auch die Songs erfüllen erneut ihre vertraute Funktion. Ob diese Neuauflage wirklich nötig war, lässt sich allerdings nicht eindeutig beantworten. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ein paar Punkte sprechen für den Film, andere wiederum lassen durchaus Zweifel aufkommen. Musikalisch funktioniert „Vaiana“ auch in seiner Realfilmfassung erfreulich gut. Die bekannten Songs entfalten erneut ihre Wirkung, bleiben im Ohr hängen und sorgen für jene Gänsehautmomente, die bereits das Animationsoriginal ausgezeichnet haben. Die Musik gehört zu den stärksten Bestandteilen des Abenteuers und erinnert daran, wie viel emotionales Potenzial in den Liedern steckt. Für Fans der Vorlage ist das eine willkommene Rückkehr zu vertrauten Melodien, während jüngere Zuschauer die musikalischen Momente vermutlich ebenso begeistert aufnehmen dürften. Als bunter, unkomplizierter Familienfilm erfüllt die Neuauflage ihren Zweck durchaus. Das Abenteuer ist leicht zugänglich, bietet Unterhaltung für Kinder und dürfte auch Anhänger des Originals zumindest stellenweise zufriedenstellen. Die vertraute Geschichte besitzt nach wie vor ihren Charme, und wer sich einfach auf eine fantasievolle Reise einlassen möchte, kann durchaus eine schöne Zeit mit Vaiana und ihren Weggefährten verbringen. Die Realverfilmung ist keineswegs misslungen oder unansehnlich. Ihr größtes Problem besteht vielmehr darin, dass sie sich an einem Vorgänger messen lassen muss, der in vielen Bereichen bereits überzeugender funktioniert hat. Vor allem die Chemie zwischen den Figuren wirkt nicht so stimmig wie erhofft. Die Beziehungen und Begegnungen erreichen nicht durchgehend jene Lebendigkeit, die den Animationsfilm ausgezeichnet hat. Dort waren die Figuren in ihrer Mimik, ihren Bewegungen und ihrem Zusammenspiel deutlich besser aufeinander abgestimmt. Die animierte Welt konnte Emotionen und komödiantische Momente auf eine Weise miteinander verbinden, die in der Realfilmfassung nicht immer natürlich wirkt. Was im Original leichtfüßig und mitreißend erschien, fühlt sich hier gelegentlich etwas steifer an. Auch optisch kann die Neuauflage nicht durchgehend überzeugen. Zwar sind die Bilder aufwendig gestaltet, doch vieles wirkt flacher und farbentsättigter als im Animationsfilm. Hinzu kommen digitale Umgebungen und Effekte, die stellenweise künstlich erscheinen und dadurch nicht die gewünschte Magie entfalten. Gerade bei einer Geschichte, deren Welt von leuchtenden Farben, fantasievollen Landschaften und einer besonderen visuellen Lebendigkeit geprägt ist, fällt dieser Unterschied auf. Die Realverfilmung bemüht sich um eine glaubwürdige Darstellung, verliert im Gegenzug jedoch einen Teil jener farbenfrohen Verspieltheit, die das Original so unverwechselbar gemacht hat. Der wohl größte Kritikpunkt bleibt die starke Nähe zur Vorlage. Die Handlung wird häufig nahezu Szene für Szene übernommen, sodass sich die Frage nach der kreativen Eigenständigkeit der Neuauflage kaum vermeiden lässt. Wenn bekannte Momente weitgehend unverändert wiederkehren und nur in eine realfilmische Optik übertragen werden, drängt sich der Vorwurf eines reinen „Cashgrabs“ geradezu auf. Eine Neuinterpretation muss nicht zwangsläufig alles auf den Kopf stellen, sollte aber zumindest einen eigenen Grund liefern, weshalb sie neben dem Original bestehen darf. Genau dieser zusätzliche Mehrwert ist hier nur begrenzt erkennbar. Dem Abenteuer fehlt dadurch der mitreißende Flair des Animationsfilms. Die Songs funktionieren, die Geschichte bleibt unterhaltsam, und auch die Bilder bieten durchaus schöne Augenblicke. Doch das Zusammenspiel aus Musik, Figuren, Humor und visueller Fantasie erreicht nicht dieselbe emotionale Intensität. Wer das Original kennt und liebt, wird unweigerlich Vergleiche ziehen und feststellen, dass die Neuauflage in einigen entscheidenden Bereichen den Kürzeren zieht. Ein Vorteil ergibt sich allerdings für diejenigen, die den Animationsfilm bisher nicht gesehen haben. Ohne den direkten Vergleich fällt es leichter, sich auf die Realverfilmung einzulassen und ihre Bilder, Musik und Figuren für sich stehen zu lassen. Unter diesen Voraussetzungen kann „Vaiana“ durchaus ein sehr schönes Familienabenteuer sein, das Kinder unterhält und auch Erwachsenen einige gelungene Momente bietet. Die Schwächen verschwinden dadurch zwar nicht, treten aber möglicherweise weniger deutlich hervor. Die Realverfilmung ist somit weder ein überflüssiger Totalausfall noch eine Neuauflage, die das Original überflüssig macht. Sie bietet vertraute Unterhaltung, funktionierende Songs und eine schöne Grundlage für einen gemeinsamen Familienfilmabend. Wer jedoch auf eine eigenständige Interpretation oder die mitreißende Magie des Animationsklassikers gehofft hat, dürfte eher ernüchtert zurückbleiben. „Vaiana“ ist durchaus schön anzusehen, doch der Zauber der Vorlage lässt sich nicht einfach Szene für Szene nachstellen.
Disney-Animationen präsentieren sich für gewöhnlich auf einem technisch nahezu perfekten Niveau, und auch Vaiana macht hier kaum eine Ausnahme. Die Blu-ray überzeugt mit einer durchgehend klaren Schärfe und einer Bildqualität, die das animierte Geschehen detailreich und sauber zur Geltung bringt. Lediglich in dunkleren Szenen zeigen sich kleinere Schwächen: Hier fehlt es mitunter an feiner Detailzeichnung und einem ausreichend kräftigen Schwarzwert, wodurch die Bildwirkung etwas an Tiefe verliert. Gemessen am ansonsten hohen Niveau bleibt das jedoch ein überschaubarer Makel. Die Präsentation ist ausgesprochen gelungen, auch wenn Disney bei der Darstellung dunkler Bildbereiche noch etwas mehr Sorgfalt hätte walten lassen können.
Akustisch spielt die Blu-ray in der Spitzenklasse. Die Tonspur präsentiert sich über sämtliche Kanäle hinweg nahezu makellos und überzeugt mit einer erstklassigen Dynamik. Zahlreiche räumliche Details sorgen für ein lebendiges Klangbild, das die verschiedenen Geräusche und musikalischen Elemente hervorragend miteinander verbindet. Dabei bleibt die Abmischung jederzeit sauber und klar, ohne dass einzelne Elemente untergehen. Hier stimmt das Zusammenspiel aus Kraft, Präzision und räumlicher Wirkung. Ein rundum überzeugendes Klangerlebnis, an dem es kaum etwas auszusetzen gibt.
Das Bonusmaterial bündelt mehrere Beiträge zu einem Special mit einer Gesamtlaufzeit von knapp 60 Minuten. Darin gibt es schöne Einblicke in die eigens errichteten Kulissen und die verschiedenen Drehorte, die mit viel Aufwand gestaltet wurden. Die gezeigten Schauplätze wirken erstaunlich natürlich und besitzen eine greifbare Authentizität. Genau das wirft allerdings eine durchaus interessante Frage auf: Weshalb hat man dem Film selbst nicht mehr von dieser Natürlichkeit mitgegeben? Während die Einblicke hinter die Kulissen mit ihrer echten Umgebung überzeugen, bleibt bei der filmischen Umsetzung ein wenig von diesem Gefühl auf der Strecke. Das Special ist dennoch sehenswert und bietet einen gelungenen Blick auf die Arbeit hinter der Produktion.