
Ein charismatischer Eisverkäufer verteilt süße Leckereien an die Kinder – mit verheerenden Folgen. Unheimliche Vorfälle häufen sich und verderben den Bewohnern in der US-Kleinstadt Bayleen Bay den idyllischen Sommer.
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Macht dieser Film Spaß, oder kann er einfach weg? Bei „Ice Cream Man“ fällt die Antwort erstaunlich schwer. Eli Roth liefert einen Horrorfilm ab, bei dem die Meinungen vermutlich weit auseinandergehen werden. Das Problem ist nur, dass sich hinter der fragwürdigen Unterhaltungsidee zahlreiche Schwächen verbergen, die sich nicht einfach als bewusste Provokation oder schräger Genrewitz verbuchen lassen. Denn so sehr der Film das Potenzial für einen durchgeknallten Horrortrip besitzt, so wenig versteht er es, aus seinen eigenen Einfällen etwas wirklich Überzeugendes zu machen. Schon die Erzählweise der ohnehin dünnen Geschichte bereitet Schwierigkeiten. Statt aus dem vorhandenen Ansatz eine packende Handlung zu entwickeln, verliert sich der Film in einer Inszenierung, der es an Struktur und erzählerischem Gespür mangelt. Hinzu kommt ein Humor, der häufig völlig falsch platziert wirkt. Doch selbst an den Stellen, an denen die komischen Einlagen vermutlich besser aufgehoben wären, würde daraus kaum ein überzeugendes Vergnügen entstehen. Die Mischung aus Horror und schwarzem Humor benötigt schließlich mehr als einzelne absurde Momente, um zu funktionieren. Hier wirkt vieles eher unbeholfen als gezielt provokant. Auch die Anspielungen auf Filmklassiker, etwa auf Alfred Hitchcocks „Die Vögel“, helfen dem Film nicht weiter. Entweder fallen diese Verweise unangenehm plump aus oder sie sind so unauffällig platziert, dass ihre beabsichtigte Wirkung kaum erkennbar wird. Wer mit einer Meta-Ebene spielen möchte, muss wissen, wie sich solche Bezüge sinnvoll in eine Inszenierung integrieren lassen. Genau daran scheitert „Ice Cream Man“ wiederholt. Die Referenzen wirken nicht wie ein cleverer Dialog mit der Filmgeschichte, sondern eher wie Ideen, deren Zweck und Platzierung nicht zu Ende gedacht wurden. Auch der Schnitt macht keinen guten Eindruck und trägt zusätzlich dazu bei, dass das Geschehen nur selten einen überzeugenden Rhythmus entwickelt. Regisseur Eli Roth beweist hier ein erstaunlich schlechtes Händchen. Seine Regiearbeit ist stellenweise schlicht ein Witz, weil sie weder als ernst gemeinter Horror noch als bewusst überdrehter Trash richtig funktioniert. Für einen Film, der seine Zuschauer verstören, unterhalten oder zumindest mit einer ungewöhnlichen Atmosphäre in seinen Bann ziehen möchte, fehlt es an nahezu allem, was diese Wirkung ermöglichen könnte. Eine unheimliche Grundstimmung will sich kaum einstellen, und die Inszenierung scheint selbst nicht zu wissen, in welche Richtung sie eigentlich gehen möchte. Das vorhandene Potenzial bleibt dadurch weitgehend ungenutzt. Besonders schwer wiegen die schwache Besetzung und die wenig überzeugenden Darstellungen. Vor allem die Kleindarsteller sind schlecht gewählt und spielen teilweise erschreckend unnatürlich. In einigen Momenten wirken die Kinder orientierungslos, in anderen sieht man beinahe, wie sie sich ein Lachen verkneifen oder fast schlapp in die Kamera lachen. Solche Szenen reißen einen nicht nur aus dem Geschehen, sondern lassen auch erhebliche Zweifel am Blick für Details aufkommen. Wenn die Darsteller nicht wissen zu scheinen, wie sie sich innerhalb einer Szene verhalten sollen, verliert selbst eine noch so absurde Situation ihre Wirkung. Das vermittelt den Eindruck, dass Roth bei der Umsetzung weder die nötige Kontrolle noch ein ausreichend sicheres Gespür für sein eigenes Material besitzt. Auch die Dialoge bleiben ein Problem. Sie wirken hölzern, und der erhoffte Ideenreichtum lässt sich nur selten entdecken. Dabei wäre durchaus Material vorhanden, aus dem sich ein eigenwilliger, schräger und vielleicht sogar verstörend unterhaltsamer Horrorfilm hätte formen lassen. Doch anstatt dieses Potenzial auszuschöpfen, verliert sich „Ice Cream Man“ in einer Aneinanderreihung von Einfällen, die nur selten richtig zusammenfinden. Der deplatzierte Soundtrack verschärft diesen Eindruck zusätzlich, weil auch die musikalische Gestaltung nicht immer mit dem Geschehen harmoniert. Tatsächlich Freude bereiten hingegen die handgemachten Splatter-Effekte. Hier darf es blutig, derb und handfest zur Sache gehen, und diese Effekte besitzen genau jene greifbare Qualität, die dem übrigen Film häufig fehlt. Sie liefern einige der wenigen Momente, in denen die kompromisslose Ausrichtung wirklich aufgeht. Umso bedauerlicher ist es, dass die praktische Effektarbeit von einer Inszenierung umgeben ist, die aus dem blutigen Material so wenig herauszuholen vermag. Und dann kommt das Ende. Der böse Twist ist mehr als gelungen und gehört zu den stärksten Momenten des gesamten Films. Plötzlich zeigt „Ice Cream Man“, dass in dieser merkwürdigen Angelegenheit doch noch eine wirkungsvolle Idee steckt. Das Finale hinterlässt einen deutlich besseren Eindruck, als es der vorangegangene Verlauf vermuten lässt, und gibt dem Film zumindest zum Schluss einen Moment, der wirklich hängen bleibt. Es ist ausgerechnet dieser gelungene Abschluss, der die Frage aufwirft, was aus dem Projekt hätte werden können, wenn die übrige Inszenierung mit derselben Konsequenz gearbeitet hätte. Wie also soll man „Ice Cream Man“ einordnen? Selbst wir sind uns nicht wirklich sicher. Zu viele Dinge funktionieren nicht, zu viele Entscheidungen wirken ungeschickt, und doch besitzt der Film mit seinen handgemachten Splatter-Effekten und dem starken Schlussmomente, die man nicht einfach ignorieren kann. Ob man sich über das Ergebnis ärgert, darüber lacht oder es gerade wegen seiner absurden Fehltritte interessant findet, muss wohl jeder selbst entscheiden. Einen Punkt muss man Eli Roth allerdings zugutehalten: Man spricht über diesen Film. Und bei einem Werk, das sich so konsequent zwischen misslungenem Horror und unfreiwilliger Komik bewegt, ist das immerhin eine bemerkenswerte Leistung.
Die Blu-ray begegnet der grellen Bildgestaltung des Films mit einer etwas dunkleren Kontrastabstimmung, was sich als durchaus sinnvolle Entscheidung erweist. Dadurch behalten die knalligen Farben ihre Wirkung, ohne dass die gesamte Präsentation noch stärker überstrahlt. Die Farbwiedergabe kommt hervorragend zur Geltung und passt zur bewusst überdrehten Optik. Auch technisch gibt es reichlich Grund zur Freude: Die Auflösung ist erstklassig fein, Details werden sauber herausgearbeitet und die Schärfe präsentiert sich gestochen klar. Eine starke Bildqualität, die den grellen Look des Films gekonnt einfängt, ohne sich von ihm überwältigen zu lassen.
Akustisch macht die Blu-ray ordentlich Druck und liefert eine dynamische Wiedergabe, die tatsächlich mehr Spaß bereitet als der Film selbst. Auch die Dialoge der deutschen Synchronfassung bringen eine gute Dynamik mit. Nur hilft selbst die kräftigste Tonspur wenig, wenn die Dialoge bereits hölzern angelegt sind – mehr Lebendigkeit lässt sich eben nicht einfach herbeimischen. Technisch bleibt der Klang dennoch sauber und erfüllt die Erwartungen an eine solide Heimkinoveröffentlichung. Die Tonspur macht ihre Sache gut, auch wenn sie dem Film nicht über sämtliche Schwächen hinweghelfen kann.
Das Bonusmaterial bietet einen Audiokommentar und mehrere Specials. Der Umfang klingt zunächst vielversprechend, doch die einzelnen Beiträge fallen mit Laufzeiten zwischen zwei und fünf Minuten recht knapp aus. Addiert man alles zusammen, kommt man nicht einmal auf eine halbe Stunde. Damit gibt es zwar einiges an Zusatzmaterial, wirklich ausführliche Einblicke bleiben jedoch aus. Ein bisschen mehr Fleisch am Knochen hätte diesem Bonuspaket gutgetan.