


Ein Hauch von Sonnenschein erzählt die faszinierende Geschichte der jüdischen Familie Sonnenschein – von einer kleinen Likörbrennerei im Habsburgerreich bis in die Wirren des Kalten Krieges. Als sich Ungarn im Strudel von Monarchie, Faschismus und Kommunismus immer wieder neu erfindet, kämpfen drei Generationen um ihre Würde, ihre Träume – und ihre Identität.
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Drei Stunden europäische Geschichte können sich wie eine Ewigkeit anfühlen. In „Sunshine – Ein Hauch von Sonnenschein“ werden sie zu einer weitreichenden Reise durch mehrere Generationen, politische Umbrüche und persönliche Tragödien. István Szabó erzählt die Geschichte einer jüdischen Familie und verbindet ihr Schicksal mit der ungarischen und mitteleuropäischen Geschichte vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Das Ergebnis ist ein imposantes Historiendrama, das auch 27 Jahre nach seiner Entstehung nichts von seiner erzählerischen Kraft verloren hat. Die eindrucksvollen Bilder, die melancholische Grundstimmung und die außerordentlich dicht erzählte Familiengeschichte machen den Film zu großartigem Erzählkino, das sich Zeit nimmt, um seine Figuren und ihre Welt tatsächlich zu begreifen. Szabó gelingt es, historische Ereignisse nicht einfach als Hintergrund für eine Familiengeschichte zu verwenden. Die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen greifen unmittelbar in das Leben der Figuren ein und zwingen sie immer wieder zu schmerzhaften Entscheidungen und Kompromissen. Herkunft, Identität, gesellschaftliche Anerkennung und der Wunsch nach Sicherheit geraten dabei in einen ständigen Konflikt. Die Familie versucht, ihren Platz in einer Welt zu bewahren, die sich fortwährend verändert und zunehmend gefährlicher wird. Der Film betrachtet diese Entwicklungen mit viel Mitgefühl, ohne die Entscheidungen seiner Figuren vorschnell zu verurteilen. Gerade die melancholische Haltung verleiht dem Geschehen eine besondere menschliche Tiefe, weil persönliche Schicksale niemals von der historischen Realität getrennt betrachtet werden. Dramaturgisch ist „Sunshine“ ausgesprochen dicht und facettenreich. Über Jahrzehnte hinweg verändern sich politische Systeme, gesellschaftliche Werte und Lebensbedingungen, während sich bestimmte Konflikte innerhalb der Familie auf unterschiedliche Weise wiederholen. Die Geschichte erhält dadurch eine bemerkenswerte Dimension: Was eine Generation erlebt, wirkt auf die nächste weiter und verändert deren Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Aus historischen Ereignissen werden persönliche Erfahrungen, aus politischen Umbrüchen familiäre Wunden. Der Film verlangt Aufmerksamkeit, belohnt sie aber mit einer Erzählung, die immer wieder neue Zusammenhänge zwischen den einzelnen Generationen sichtbar macht. Ralph Fiennes steht dabei vor einer außergewöhnlichen schauspielerischen Herausforderung. Er verkörpert gleich drei Generationen derselben Familie und macht aus dieser ungewöhnlichen Aufgabe eine regelrechte Meisterleistung. Seine Figuren unterscheiden sich nicht nur äußerlich voneinander, sondern erhalten jeweils eine eigene Persönlichkeit, Haltung und emotionale Entwicklung. Fiennes gelingt es, die Verbindung zwischen diesen Generationen trotzdem spürbar zu halten. Seine Darstellung trägt wesentlich dazu bei, dass die gewaltige historische Perspektive niemals vollständig von den einzelnen Menschen abstrahiert. Auch die übrige Besetzung ist erstklassig und verleiht dem umfangreichen Ensemble die notwendige Glaubwürdigkeit. Die Laufzeit von drei Stunden ist allerdings nicht zu unterschätzen. „Sunshine“ ist kein Film, den man nebenbei konsumiert. Die Fülle an historischen Entwicklungen, familiären Beziehungen und persönlichen Schicksalen verlangt Konzentration und Geduld. Diese Herausforderung lohnt sich jedoch, weil Szabó nicht versucht, die Geschichte künstlich zu beschleunigen. Der Film lässt seine Ereignisse wirken und schafft dadurch eine epische Dimension, die dem Stoff angemessen ist. Nach den drei Stunden entsteht trotzdem ein bemerkenswerter Eindruck: Einerseits scheint unglaublich viel erzählt worden zu sein, andererseits wirkt die historische Spanne beinahe zu gewaltig für einen einzigen Film. Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart liegen so viele politische und gesellschaftliche Veränderungen, dass selbst diese umfangreiche Laufzeit kaum ausreicht, um jeder Epoche und jedem Schicksal die gleiche Aufmerksamkeit zu widmen. Genau darin liegt zugleich eine der faszinierendsten Eigenschaften des Films. „Sunshine“ vermittelt das Gefühl, eine komplette Familienchronik und zugleich ein Stück europäischer Geschichte durchlebt zu haben. Nach dem Ende bleibt die Erkenntnis zurück, wie viel in diesen drei Stunden tatsächlich enthalten war und wie viel sich aus dem gleichen Material noch hätte erzählen lassen. Der Film wirkt dadurch nicht überladen, sondern eher wie ein bewusst gewaltiger Ausschnitt aus einer Geschichte, die weit über seine Laufzeit hinausreicht. „Sunshine – Ein Hauch von Sonnenschein“ ist ein kraftvolles, wunderbar erzähltes und zutiefst ergreifendes Historiendrama. Die eindrucksvollen Bilder, die facettenreiche Dramaturgie, die erstklassige Besetzung und vor allem Ralph Fiennes’ dreifache Darstellung verleihen dem Film eine außergewöhnliche Stärke. Die drei Stunden sind eine Herausforderung, doch sie zahlen sich aus. Szabó verbindet persönliche Tragödien mit den großen Verwerfungen der europäischen Geschichte und erzählt von einer Familie, deren schmerzhafte Kompromisse immer auch ein Spiegel ihrer Zeit sind. Ein beeindruckendes Filmerlebnis, das nach 27 Jahren noch immer zeigt, wie kraftvoll großes Erzählkino sein kann.
Die Blu-ray zeigt sich trotz einiger altersbedingter Schwächen durchaus ansprechend. Feinste Details gehen vor allem in dunkleren Passagen etwas verloren, während ein sichtbares Filmkorn die Darstellung prägt. Die Schärfe bleibt dennoch klar und die Farben wirken stimmig. Kein makelloser Transfer, aber eine insgesamt solide Präsentation.
Sauber und angenehm ausgewogen präsentiert sich die Tonspur. Rauschen oder andere störende Alterserscheinungen machen sich nicht bemerkbar. Die Dynamik hält genau die richtige Balance und wirkt weder übertrieben noch kraftlos. Auch die Dialoge bleiben jederzeit klar verständlich.
Das Bonusmenü fällt äußerst übersichtlich aus. Mehr als der deutsche Originaltrailer aus der damaligen Zeit des Kinowelt Filmverleihs ist nicht vorhanden.