


Schon bevor die Familie einzieht, ist es da. Es beobachtet ihre intimsten und unangenehmsten Momente, bewegt sich mit übernatürlicher Geschwindigkeit durch das neue Haus und schenkt der Teenagerin Chloe (Callina Liang), die den Tod einer guten Freundin verarbeiten muss, besonders viel Aufmerksamkeit. Doch die geheimnisvolle Präsenz ist nicht bloß stummer Zeuge: Sie verfolgt ihr eigenes Ziel – und weiß es auch zu erreichen…
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Steven Soderbergh nähert sich dem Geisterfilm auf eine ungewöhnliche und bewusst reduzierte Weise. „Presence“ verbindet klassische Elemente eines Geisterthrillers mit einem Familiendrama und erzählt zugleich das Porträt einer dysfunktionalen Familie. Der eigentliche Kniff liegt in der Perspektive: Fast der gesamte Film wird aus der Ego-Sicht einer unsichtbaren Präsenz erzählt, die die Familie beobachtet. Ob es sich dabei um einen Geist oder eine andere Entität handelt, bleibt bewusst im Hintergrund. Dadurch entsteht ein ungewöhnlicher Blick auf das Geschehen, der den Zuschauer selbst in die Rolle eines stillen Beobachters versetzt. Diese Perspektive ist zunächst gewöhnungsbedürftig, entwickelt mit der Zeit aber eine durchaus interessante voyeuristische Atmosphäre. Man schaut der Familie zu, ohne wirklich eingreifen zu können, und erlebt ihre Spannungen, Konflikte und persönlichen Abgründe aus einer ungewöhnlichen Nähe. Der Film erzeugt sein Unwohlsein weniger über offensichtlichen Spuk als über das Gefühl, ständig beobachtet zu werden. Die Beklemmung kommt schleichend und entfaltet sich eher über die zwischenmenschlichen Spannungen als über klassische Schockmomente. Genau hier liegt allerdings auch eine Schwäche. „Presence“ ist teilweise so verkopft angelegt, dass die ungewöhnliche Perspektive nicht immer mehr Atmosphäre erzeugt, sondern gelegentlich Distanz schafft. Für einen Geisterthriller fehlen zudem viele der klassischen Elemente, die normalerweise für Gänsehaut sorgen. Knarrende Geräusche, plötzlich fallende Temperaturen, sichtbar werdender kalter Atem oder andere kleine Signale des Übernatürlichen bleiben weitgehend aus. Das ist durchaus eine bewusste Entscheidung, nimmt dem Film aber auch einen Teil seiner möglichen Gruselwirkung. Unheimlich ist „Presence“ durchaus, wirklich schaurig hingegen deutlich seltener. Interessant bleibt der Ansatz trotzdem. Der Geisterspuk funktioniert hier auf eine andere Weise und verursacht weniger den klassischen Schrecken als ein unterschwelliges Unwohlsein. Die Präsenz wird nicht zum typischen Filmgeist, der regelmäßig aus dem Dunkeln springt, sondern zu einem stillen Beobachter, dessen bloße Anwesenheit die ohnehin angespannte Familiensituation noch merkwürdiger erscheinen lässt. Das Zusammenspiel aus übernatürlichem Element und Familiendrama besitzt dadurch einige reizvolle Momente. Eine kleinere Überraschung hält der Film gegen Ende noch bereit. Sie kommt nicht völlig unerwartet und besitzt auch nicht jene Wucht, die für einen echten Schockmoment nötig wäre, funktioniert innerhalb der Geschichte aber durchaus. Der Film bleibt damit seinem ruhigen und kontrollierten Erzählstil treu, statt zum Schluss plötzlich auf große Effekthascherei umzuschalten. Als Geisterfilm ist „Presence“ eher ein ruhiger Vertreter seiner Art, der seine Atmosphäre aus Beobachtung, familiären Spannungen und einer ungewöhnlichen Perspektive gewinnt. Nicht jede Entscheidung funktioniert gleich gut, und die verkopfte Umsetzung verhindert stellenweise die ganz große Wirkung. Als Drama betrachtet entwickelt der Film jedoch genügend interessante Ansätze und bleibt durch seine besondere Erzählweise kurzweilig. Ein solider Film, der weniger für Gänsehaut sorgt als für ein leises, anhaltendes Unwohlsein.
Die Blu-ray Disc präsentiert eine angenehm natürliche und warme Farbwiedergabe, die dem Bild eine stimmige und zugleich zurückhaltende Optik verleiht. Die Schärfe überzeugt mit einer sehr klaren Darstellung und hervorragend feinen Details, die auch kleinere Strukturen sauber sichtbar macht. Ein guter Kontrast sorgt für eine ausgewogene Bildwirkung, während der Schwarzwert ordentlich kräftig ausfällt und dunkleren Szenen genügend Tiefe verleiht. Technisch zeigt sich die Präsentation damit erfreulich souverän und detailreich.
Klanglich schleicht sich durchaus ein Hauch von Unwohlsein ein. Eine gewisse atmosphärische Spannung ist vorhanden, doch für echte Gänsehaut-Momente reicht die Tonspur letztlich ebenso wenig wie die Präsenz, die der Titel vielleicht versprechen könnte. Stattdessen bleibt alles angenehm ruhig und sauber abgestimmt. Die Dialoge sind durchgehend klar verständlich und werden deutlich wiedergegeben. Atmosphärisch hätte die Tonspur allerdings durchaus noch etwas mehr wagen dürfen.
Beim Bonusmaterial hält sich die zusätzliche Präsenz sehr in Grenzen. Es gibt lediglich den Trailer zum Film. Weitere Einblicke oder Hintergrundinformationen bleiben aus. Da ist dann tatsächlich keine zusätzliche „Presence“ im Bonusmenü zu spüren.