


Der gealterte Charlie Chaplin arbeitet mit Verleger George Hayden an seiner Autobiographie. Doch aufgrund einzelner Ungereimtheiten im Manuskript bittet Hayden den einstigen Kinostar, ihm seine Lebensgeschichte noch einmal ganz zu erzählen. So berichtet Chaplin unter anderem von seinem ersten Bühnenauftritt im Alter von fünf Jahren, vom Aufwachsen in ärmlichen Verhältnissen in London und von seiner erfolgreichen Varietékarriere bis hin zu seinem Hollywood-Ruhm als Schauspieler wie als Regisseur.
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Charlie Chaplin gehört zu jenen Künstlern, deren Leben selbst beinahe wie ein Drehbuch wirkt. Richard Attenborough nimmt sich dieser außergewöhnlichen Biografie 1992 mit einem aufwendig inszenierten und wunderbar bildgewaltigen Film an, der den Weg von Chaplins Londoner Kindertagen bis zu seinem Aufstieg in Hollywood nachzeichnet. Aus den frühen Jahren, der Suche nach dem eigenen Platz und dem späteren Ruhm entsteht ein breit angelegtes Porträt eines Mannes, dessen Figur und Schaffen längst weit über das klassische Kino hinausgewachsen sind. Robert Downey Jr. liefert als Charlie Chaplin eine wahrlich herausragende schauspielerische Leistung. Seine Darstellung beschränkt sich nicht darauf, Chaplins berühmte Gestik und Mimik möglichst überzeugend nachzuahmen. Er vermittelt auch den Menschen hinter der weltbekannten Leinwandfigur und lässt die verschiedenen Facetten dieser Persönlichkeit glaubhaft nebeneinander existieren. Genau diese Verbindung aus äußerlicher Verwandlung und schauspielerischer Eigenständigkeit macht seine Leistung so beeindruckend. Der Film atmet förmlich durch seine Besetzung, allen voran durch Downey Jr., der Chaplin nicht zur bloßen historischen Ikone erstarren lässt. Richard Attenborough setzt auf eine ausgesprochen detailreiche Inszenierung, die den jeweiligen Epochen sichtbar Leben einhaucht. Ausstattung, Kostüme und Schauplätze vermitteln ein authentisches Zeitgefühl und verleihen dem Film jene große klassische Kinoästhetik, die zu seinem Gegenstand hervorragend passt. Die Kameraarbeit von Sven Nykvist unterstützt diesen Eindruck mit einer ebenso eleganten wie präzisen Bildgestaltung. John Barrys melancholische Filmmusik fügt sich wunderbar in diese Bilder ein und verleiht Chaplins Lebensgeschichte eine emotionale Grundierung, ohne sich ständig in den Vordergrund zu drängen.
Einige kleinere handwerkliche Schwächen zeigen sich in der Erzählstruktur. Die Vielzahl an Lebensstationen verlangt dem Film einiges ab, wodurch nicht jeder Abschnitt dieselbe erzählerische Geschlossenheit erreicht. Hinzu kommt, dass das Biopic für dramatische Effekte an einigen Stellen historische Genauigkeit zugunsten einer wirkungsvolleren filmischen Darstellung opfert. Gerade bei einer so bekannten Persönlichkeit fällt eine solche dramaturgische Freiheit stärker auf. Sie nimmt dem Werk jedoch nicht seine grundsätzliche Qualität, sondern erinnert lediglich daran, dass hier keine rein dokumentarische Rekonstruktion entstanden ist. Abseits dieser kleinen Schwächen bleibt ein aufwendig produziertes und ausgesprochen stimmiges Biopic, das seine historische Figur mit großem Respekt behandelt und zugleich großes klassisches Kino daraus entstehen lässt. Die detailgetreue Ästhetik, Nykvists Kamera, Barrys melancholische Musik und vor allem die außergewöhnliche Besetzung greifen ineinander und machen aus Chaplins Lebensgeschichte weit mehr als eine bloße Abfolge historischer Stationen. Ein toller Film, der von seinen Darstellern atmet und dessen größte Stärke darin liegt, Charlie Chaplin nicht nur als weltberühmten Komiker, sondern auch als faszinierenden Menschen hinter der Maske sichtbar werden zu lassen.
Gegenüber der Blu-ray-Veröffentlichung von 2011 legt Chaplin bei der Bildqualität noch einmal deutlich zu. Vor allem die Detailzeichnung hat spürbar gewonnen und präsentiert sich wesentlich feiner als zuvor. Auch die Schärfe wurde sichtbar verbessert und erreicht mittlerweile ein geradezu hervorragendes Niveau. Erfreulich ist zudem, dass leichte Schmutzpartikel aus der Präsentation verschwunden sind, ohne den ursprünglichen Charakter des Materials zu beeinträchtigen. Der Kontrast ist gut abgestimmt und auch die Farben bleiben angenehm natürlich. Dadurch entsteht ein insgesamt sehr sauberes und zugleich authentisches Bild.
Akustisch lebt der Film vor allem von seinen Dialogen und dem Score. Beide Elemente werden klar und dynamisch wiedergegeben und ergänzen sich hervorragend. Der Ton besitzt zudem eine leicht melancholische Note, die sich stimmig in die Atmosphäre des Films einfügt. Die saubere Wiedergabe sorgt dafür, dass sowohl die Gespräche als auch die musikalische Begleitung angemessen zur Geltung kommen.
Auch beim Bonusmaterial darf man sich über eine sehr schöne Ausstattung freuen. Die brillanten Featurettes bieten interessante Einblicke und überzeugen zugleich mit ordentlichen Laufzeiten.
Enthalten sind:
Featurettes
Behind the Scenes
Fotogalerie
Originaltrailer
Damit fällt das Zusatzmaterial erfreulich umfangreich aus und bietet nach dem Film noch genügend Gelegenheit, sich näher mit dessen Entstehung und visueller Umsetzung zu beschäftigen.